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Ostkreis Wenn die Fahrbahn zu dreckig wird
Landkreis Ostkreis Wenn die Fahrbahn zu dreckig wird
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15:58 17.08.2021
Einer der Baggerseen bei Niederwald wird mit Erde von der A49-Baustelle verfüllt.
Einer der Baggerseen bei Niederwald wird mit Erde von der A49-Baustelle verfüllt. Quelle: Tobias Hirsch
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Niederwald

Lastzug folgt unter der Woche auf Lastzug an dem früheren Kiesabbaufeld bei Niederwald. Es sind bis zu 230 Lkw am Tag nach Angaben der Kirchhainer Stadtverwaltung. Wie die OP berichtete, wird dort Erdaushub der A49 von den verschiedenen Baustellen entlang der Trasse verfüllt. Welche Erde dort abgekippt werden darf, ist im Genehmigungsbescheid durch die Fachbehörden genau festgelegt. Erdreich aus dem Umfeld des früheren Sprengstoffwerkes der Wasag in Stadtallendorf ist zum Beispiel ausdrücklich ausgeschlossen.

Der Dauer-Lkw-Verkehr hat inzwischen allerdings zu Unmut in Niederwald geführt. Hauptgrund ist vor allem der Dreck auf der Fahrbahn, der auch an den Fahrzeugen seine Spuren hinterlässt. Auf vielen Autos aus Niederwald zeigen sich Dreck und entsprechende Schleier auf dem Lack. Von Beginn der Erdtransporte an steht eine Kehrmaschine bereit, die die Fahrbahn säubern soll. „Am Abend sieht die Straße auch gut aus. Doch tagsüber schafft die Maschine das wohl nicht mehr“, berichtet ein Niederwälder der OP. Auch der Ortsbeirat Niederwald ist alarmiert, allerdings nicht nur wegen dem Dreck auf der Fahrbahn, wie Ortsvorsteher Hans-Joachim Degen der OP gestern berichtete. „Der Dreck ist ein Problem, das gelöst werden muss, vor allem, wenn das Wetter schlecht ist“, sagt Degen. Man könne dabei natürlich nicht nicht erwarten, dass die Fahrbahn immer „picobello“ aussehe, schließlich sei es ja eigentlich erfreulich, dass das Loch verfüllt werde.

Ortsbeirat sorgt sich um Sicherheit

Sorgen macht dem Ortsbeirat auch die Verkehrssituation, zumindest dann, wenn Lkw nicht wie angeordnet auf dem Gelände der früheren Kieswerke warteten, sondern auf der Straße. „Wenn dann auch noch die Kehrmaschine arbeitet, dann sind schon gefährliche Situationen entstanden“, sagt Degen.

Die Stadt Kirchhain ist ihrerseits über ihr Ordnungsamt involviert und regelmäßig vor Ort. „Es wird noch in dieser Woche ein Gespräch mit allen Beteiligten, der Stadt, der Bau-Arbeitsgemeinschaft, dem Kieswerkbetreiber und dem Ortsbeirat geben“, kündigt Bürgermeister Olaf Hausmann gegenüber der OP an. Im Moment halte die Stadt die Situation vor Ort für noch beherrschbar, wisse aber um die Beschwerden und wolle reagieren. Zunächst soll das Gespräch abgewartet werden. „Wir wussten, dass es Belastungen geben wird. Wenn wir den See verfüllen wollen, ist Verkehr unvermeidbar“, erklärt Hausmann. Auch die Lkw-Zahlen waren im Vorfeld bekannt. Hausmann appelliert an alle Autofahrer, in jedem Fall die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle einzuhalten. Wer Dreck komplett vermeiden wolle, könne natürlich auch über Alternativstrecken wie über Anzefahr oder Großseelheim fahren.

Die Bau-Arbeitsgemeinschaft (Arge) A49 weiß um ihre Verpflichtungen, die Fahrbahn sauber zu halten, sie bestünden auch vertraglich, wie immer bei derartigen Bauvorhaben und auch für die Fahrbahn bei Niederwald. „Sollte sich die Frequenz oder Art der Säuberung auf der Straße nach Niederwald als nicht ausreichend herausstellen, wird die Bau-Arge die nötigen Schritte in die Wege leiten, um schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen“, erklärte dazu eine Unternehmenssprecherin am Montag.

Ein Abbaufeld wird verfüllt

Für den Kieswerkbetreiber, die Holcim Kies & Splitt GmbH, ist die A-49-Erde in jedem Falle eine einmalige Gelegenheit, um den Verpflichtungen zur Verfüllung des früheren Abbaufeldes nachzukommen. Zumindest weitgehend.

Ob die angelieferte Erde am Ende wirklich reicht, das Loch komplett zu schließen, ist derzeit noch nicht absehbar. Das berichtet Projektmanager Thilo Orgis der OP. „Wir arbeiten mit mehreren Szenarien“, so Orgis.

Derzeit werde das Ufer im Uhrzeigersinn verfüllt. Eine komplette Verfüllung sei genehmigt.

Im Vorfeld habe es umfangreiche Analysen des A-49-Erdreiches gegeben, es sei genau festgelegt, was verfüllt werden dürfe und was nicht. „Beispielsweise sind Flächen ausgenommen worden, in denen bestimmte Gesteinsarten vorkommen, die nicht geeignet sind“, erklärt Orgis. Das Regierungspräsidium überprüfe die Dokumentation der Verfüllungen regelmäßig. Holcim ist dabei nur für das Gelände verantwortlich, nicht für das Abkippen und den Transport des Erdreiches.

Von Michael Rinde

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