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09:58 08.12.2020
Wolfram Ellenberg (von rechts), Klaus Busch, Volker Schmidt und Thomas Groll haben angesichts des warmen Geldregens gut Lachen. Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

„Wir erwarten nicht, dass Neustadt künftig einen Europameister nach dem anderen hervorbringt, aber wir erwarten einen deutlichen Aufschwung für den Schul-, den Breiten- und auch den Individualsport“, sagt Bürgermeister Thomas Groll, unmittelbar nachdem er mit einem fröhlichen Grinsen das in die Jahre gekommene Waldstadion betreten hat. Eine Sportanlage, für dessen Sanierung und Attraktivierung Neustadt kurz zuvor vom Land Hessen Fördermittel aus dem Investitionspakt Sportstätten in Höhe von rund einer Million Euro zugesagt bekam – was die gute Laune des Rathauschefs mehr als erklärt. Die Kommune muss schließlich nur rund 100 000 Euro selber zu dem Großprojekt beisteuern.

Und das besteht aus mehreren Teilen: Herausragend ist dabei die geplante Erneuerung der Laufbahn. Wo sich heute Sportler über tiefen roten Sand und Unkraut quälen müssen, werden sie spätestens Ende 2023 leichtfüßig über eine Tartanbahn laufen. Aufwändig wird dabei die Entsorgung der bisherigen „Laufbahn“, die zwar nicht aus gesundheitsgefährdendem Material bestehe, wie Groll berichtet. Die Erde müsse aber dennoch gesondert entsorgt werden. Diese Neuerung hatte die Stadt übrigens schon im Jahr 2017 ins Auge gefasst, als es um die Nutzung der Mittel aus der Hessenkasse ging. Damals waren die Pläne für das rund eine halbe Million Euro schwere Vorhaben allerdings in der Schublade gelandet.

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Nun haben die Neustädter sie also wieder hervorgekramt, aktualisiert und gleich noch um einige Punkte erweitert: Der Sportplatz bekommt noch eine automatische Bewässerungsanlage, eine Flutlichtanlage, eine neue Barriere rund ums Spielfeld sowie neue Randsteine. Außerdem sei eine Ausweitung der Leichtathletikanlagen vorgesehen, so Groll: Leichtathleten, die Wurfdisziplinen ausüben, sollen in Zukunft auf ihre Kosten kommen. „Das Stadion wird bestimmt ein kleines Schmuckstück“, freut sich der Bürgermeister und berichtet, dass die Umsetzung der Vorhaben in den Jahren 2022 oder 2023 erfolgen soll.

Die Vorfreude ist aber nicht nur im Rathaus groß, sondern auch beim Pächter der Anlage (dem VfL Neustadt) und einem der Hauptnutzer: der Integrierten Gesamtschule. Klaus Busch, der Vorsitzende des Sportvereins, mit dem die Stadt just den Pachtvertrag um acht Jahre bis 2029 verlängert hat, spricht von einer „tollen Sache“. Insbesondere das Flutlicht ermögliche es, die Trainingszeiten der zahlreichen Mannschaften aus Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich zu entzerren und eröffne somit ganz neue Möglichkeiten für den Übungs- und Spielbetrieb (auch Intertürk nutzt das Waldstadion – und im Winter schneien immer wieder Anfragen der Sportvereine aus den Stadtteilen ein, die auf dem Kunstrasenplatz trainieren möchten und künftig aber auch unter Flutlicht einen Platz finden können). Schulleiter Volker Schmidt stellt heraus, wie wichtig ansprechende Sportstätten für Kinder und Jugendliche seien. Es mache schließlich viel mehr Spaß zu trainieren, wenn auch das Ambiente passe – und Schmidt muss es wissen, war er in der Vergangenheit doch ein herausragender Mittelstreckenläufer: „Vor allem im Rahmen der Ganztagsschule hat die Sanierung des Waldstadions daher große Bedeutung.“

Das Waldstadion ist eines von sechs Stadien, die in Hessen mit riesiger finanzieller Unterstützung des Landes saniert werden – was vor allem dem Einsatz des „Fördertopfkönigs“ und seiner Mitarbeiter zu verdanken ist: Gerade, als Groll im Urlaub war, flatterte in Neustadt die Nachricht ein, dass die Kommune in den Genuss finanzieller Unterstützung kommen könne. Erster Stadtrat Wolfram Ellenberg bat daher um einen kurzen Aufschub beziehungsweise eine Verlängerung der Fristen um einen Tag, was es dem Rathauschef und seinen Mitstreitern ermöglichte, mit einem Kraftakt innerhalb weniger Stunden die notwendigen Unterlagen zusammenzutragen oder zu aktualisieren und diese dann einzureichen. „Er ist 24 Stunden am Tag im Einsatz für seine Heimat“, lobt Klaus Busch, während Ellenberg die „hervorragende Vernetzung“ Grolls herausstellt. Selbiger gibt sich bescheiden: „Zurzeit läuft es halt“, sagt er und freut sich, in einigen Jahren auf eine nahezu runderneuerte „Wohn- und Familienstadt“ mit unter anderem neuem Kultur- und Bürgerzentrum, saniertem Freibad und modernem Stadion blicken zu können. Einen Wermutstropfen gebe es trotzdem: Er hätte dem inzwischen verstorbenen Hansi Faber, der die VfL-Leichtathletikabteilung prägte und später zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt wurde, gerne das sanierte Stadion präsentiert, betont Groll und erinnert sich, wie er während der Einweihung des Kunstrasenplatzes neben Faber stand und dieser ihn fragte, wann denn das Waldstadion an der Reihe sei und erneuert werde. Er glaube nicht daran, habe er damals entgegnet, so der Bürgermeister: „Schade, dass Hansi Faber den heutigen Tag nicht mehr erlebt.“

Aufseiten des Landkreises sei seine Freude über die gute Nachricht aus Wiesbaden geteilt worden, berichtet Groll noch und kündigt an, mit der Landrätin noch Gespräche führen zu wollen, was sich denn noch gemeinsam auf den Weg bringen lasse auf der Anlage.

Von Florian Lerchbacher