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Ostkreis Die C(h)orona-Situation
Landkreis Ostkreis Die C(h)orona-Situation
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09:58 28.08.2020
So probt der MGV Langendorf in der Halle eines Mitglieds. Quelle: Privatfoto
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Ostkreis

Corona hat massive Auswirkungen auf das Leben – vor allem auch das Vereinsleben, das vielerorts noch ruht oder erst ganz langsam wieder in Fahrt kommt. So auch bei den zwölf Chören, die dem Sängerkreis Wohratal angehören. Die meisten pflegen durch gemeinsame Aktivitäten zumindest den Austausch. „Der Kontakt darf nicht verloren gehen. Das ist wichtig für das Fortbestehen der Chöre“, betont Monika Friedrich, die sich als Sängerkreis-Vorsitzende ausgiebig mit der Situation der Chöre auseinandergesetzt hat.

Erst drei der zwölf Chöre proben wieder, berichtet sie und erklärt, dass es „von oben“, also beispielsweise dem Mitteldeutschen Sängerbund keine Hinweise gebe, wie die Vereine sich verhalten sollten oder welche Hygienemaßnahmen sinnvoll sind. Dafür habe in der letzten Verordnung des Landes gestanden, dass das Singen in geschlossenen Räumen weiterhin nicht empfohlen werde. „Ein wenig Anleitung hätte ich mir schon gewünscht“, übt sie vorsichtig Kritik – zeigt aber gleichzeitig Verständnis dafür, dass niemand ein Schutzkonzept aufstellen wolle. „Was ist, wenn jemand krank wird?“, fragt sie – diese Verantwortung wolle niemand tragen. Und so müssten die Vereine eben ihre eigenen Ansätze entwickeln.

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Beim Männergesangverein in Langendorf, der im Frühjahr einen Projektchor gegründet hatte, nahmen die Sänger das Heft in die Hand. Erst veranstalteten sie während des Lockdowns „Zoom-Treffen“ (Videotelefonie) im Internet – was allerdings schwierig sei aufgrund der Verzögerungen, zu denen es immer wieder komme, wie Friedrich berichtet. Eine Erfahrung, die auch der Kinder- und Jugendchor Erksdorf machen musste.

Als Treffen mit mehr Menschen wieder möglich wurden, entwickelten die Langendorfer ein Konzept, wie sie auf dem Sportplatz gemeinsam singen können. Doch das Proben im Freien sei alles andere als einfach, weiß Friedrich – und das merkten auch die Langendorfer, die nun in einer großen Halle eines ihrer Mitglieder singen. „Das funktioniert erstaunlich gut“, freut sich die Vorsitzende des Sängerkreises.

Der Kirchen- und Frauenchor Rauschenberg – in dem Friedrich selber aktiv ist – ist der zweite Chor, der bereits wieder probt. Vor der Kratz’schen Scheune haben die Frauen Kreuzchen aufgemalt, um die Standorte zu markieren und den Sicherheitsabstand zu gewährleisten. „Unser Vorteil ist, dass wir das Singen im Freien gewöhnt sind“, sagt die Rauschenbergerin und erinnert an zahlreiche öffentliche Proben auf dem Marktplatz. Allerdings sei es weitaus schwieriger, den Nachbarn zu hören und sich an ihm zu orientieren: „Viele Sänger brauchen das – und im Freien kann das ein echtes Problem werden.“ Das Gemeindehaus, in dem sonst die Proben stattfinden, sei keine Alternative. So nutzen die Sängerinnen das warme Wetter, um zumindest ein bisschen zu singen. Wenn es früher dunkel und eben auch kälter werde, sei dies aber keine Option: Dann heißt es vielleicht, in Kleingruppen Intensivtraining zu machen – oder eben sich via Videotelefonie mit Theorie auseinanderzusetzen.

Lieder als mp3-Dateien

In den vergangenen Wochen nahm auch der Gesangverein Bracht die Arbeit wieder auf – mit dem Vorteil, dass die dortige Mehrzweckhalle riesig ist und ganz andere Möglichkeiten bietet, als viele Chöre aus den Dörfern je haben werden. „Etwas Neues in einem ungewohnten Umfeld einzustudieren, klappt nicht so gut“, berichtet Friedrich weiter. Doch auch da gebe es Tricks, um die Arbeit zu erleichtern. So würden in ihrem Chor mp3-Dateien mit eingesungenen Liedern an die Sängerinnen verschickt, damit diese eine Orientierung haben und die Songs nachsingen können. Einigen Mitgliedern müssten die Lieder eben auf Kassette überspielt werden, da diese keinen Zugang zur modernen Technik hätten, ergänzt die Rauschenbergerin mit einem Schmunzeln und spricht Franzi Kaletsch, einer der drei stellvertretenden Chorleiterinnen, für ihr Engagement in diesem Zusammenhang ein großes Lob aus. Einige Chöre des Sängerkreises proben zwar nicht und treten entsprechend auch nicht auf, haben sich aber Alternativen überlegt: Manche singen beispielsweise auf Beerdigungen nur in Kleingruppen. Die Sänger aus Moischeid verschicken ihre musikalischen Beiträge auf CD, wenn sie mal wieder einen Auftritt nicht wahrnehmen können. Und die Schiffelbacher planen bereits ein Konzert für alle Verstorbenen, denen sie auf Beerdigungen dieser Tage nicht mit ihren Liedern die letzte Ehre erweisen können.

„Um die Zukunft der Chöre mache ich mir jedenfalls keine Sorgen mehr“, analysiert Friedrich das Feedback, das sie bei einer Befragung erhielt. Alle würden sich sehr darauf freuen, eines Tages wieder singen zu dürfen – seien aber gleichzeitig auch geduldig. Und alle würden den Kontakt zueinander halten – sei es telefonisch, per E-Mail, Messenger oder wie auch immer. Corona-bedingte Austritte habe kein Chor vermeldet: „Ich hatte schon Bedenken, aber die waren nicht nötig – das ist sehr erfreulich“, resümiert Friedrich – eine Maske tragend, die ihr Sänger aus Momberg zur Verfügung gestellt hatten. Die Musiker aus dem Neustädter Stadtteil hatten für ihre gemeinsame Nähaktion extra Stoff mit Noten als Motiv besorgt.

Der Sängerkreis Wohratal plant für den 11. November, 18 Uhr, in der Mehrzweckhalle Bracht seine Delegiertenversammlung (deren Termin verschoben wurde). Dann stehen unter anderem Wahlen auf der Tagesordnung. Ansonsten wurden alle Termine abgesagt.

Von Florian Lerchbacher

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