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Ostkreis Erlensee wird 20 Jahre jung
Landkreis Ostkreis Erlensee wird 20 Jahre jung
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11:00 20.06.2021
Aus dem ehemaligen Baggersee ist ein Naturschutzgebiet geworden.
Aus dem ehemaligen Baggersee ist ein Naturschutzgebiet geworden. Quelle: Peter Gnau
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Kirchhain

Bis in die 1990er-Jahre war der heutige Erlensee in Kirchhain, ein ehemaliger Baggersee, ein beliebter Badesee.

Inzwischen ist er ein Naturschutzgebiet, ein Naturrefugium für Vögel, Insekten und jede Menge Wassertiere. In den 90er-Jahren beschloss die Stadt Kirchhain, den Erlensee der Natur zu überlassen und Badende und Wassersportler an den benachbarten Niederwälder Baggersee zu verlagern.

Natur für die Sinne

Seit dem Jahr 2001 gibt es offiziell das Naturerlebnis Erlensee. „Herz“ des Gebietes ist eine schallisolierte Info- und Akustikstation, die für Naturfreunde, aber auch für Familien mit Kindern und Schulklassen ausgesprochen interessant und informativ ist. Dort werden unter anderem Tierstimmen und Natur-Klangbilder präsentiert. 36 Vogelarten sind am Erlensee nachgewiesen. Vom Stieglitz über die Goldammer und den Baumpieper bis zum Weißstorch.

Mikroskope stehen bereit, durch die Kinder und Erwachsene etwa Insekten betrachten können. Und rund um den See stehen auf dem etwa 1,8 Kilometer langen, barrierefreien Weg rund um den See sechs große Schautafeln, die über Gewässer-Ökologie, Lebensräume oder Tierarten informieren.

Sie feierten am Samstag 20 Jahre Naturerlebnis Erlensee: Robert Cimiotti (von links), Kirchhains Alt-Bürgermeister Klaus Hesse, sein Nachfoler, Bürgermeister Olaf Hausmann, und die Biologin Dr. Astrid Wetzel. Quelle: Uwe Badouin

Das Besondere: Die Schautafeln sind aufgrund einer engen Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenstudienanstalt in Marburg auch mit Brailleschrift ausgestattet und der Weg weist ein Leitsystem für Sehbehinderte auf. Eine weitere Besonderheit: Die Schautafeln werden im vierteljährlichen Rhythmus der Jahreszeiten ausgetauscht und mithilfe von QR-Codes lassen sich mit dem Handy weitere Informationen abrufen.

Barrierefreiheit und Ausbau

„In das Naturerlebnis Erlensee wurde viel Geld, vor allem aber viel Leidenschaft und Herzblut investiert“, sagt Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann. Entstanden und ausgebaut wurde es in Zusammenarbeit von Kirchhainer Naturschützern wie Robert Cimiotti, der Region Burgwald, der Stadt Kirchhain und der Blista, dem Natur- und Informationszentrum Amöneburg, der Alfred-Wegener-Schule und Hessen Forst. So ist der Weg um den See etwa mit einem Leitsystem für Sehbehinderte ausgestattet und zudem rollstuhlgeeignet.

Robert Cimiotti, Kirchhains Altbürgermeister Klaus Hesse und frühe Wegbegleiter wie Rolf Niggemeyer erinnerten am Samstag an die Anfänge des Naturerlebnisses Erlensee, das heute maßgeblich ehrenamtlich von der Biologin Dr. Astrid Wetzel und einer ganzen Reihe Mitstreiter betreut wird. „Der Erlensee war in meinem Leben ein ganz besonderer Schwerpunkt“, sagt der frühere Blista-Lehrer Niggemeyer. „Das bisschen Natur, was wir noch haben, muss man schützen und pflegen“, sagt er zur Intention.

Aus Badesee wird Natursee

Klaus Hesse erinnerte sich: „Wir hatten zwei Seen und haben überlegt, was man damit machen könnte.“ Die Stadt habe sich für einen Natur- und einen Badesee entschieden. „Viele engagierte Menschen haben aus dem Erlensee ein Vorzeigeprojekt für die ganze Region gemacht.“ Ziel sei es, junge Menschen für Natur und Naturschutz zu interessieren. Auch Stefan Schulte, damals Regionalmanager der Entwicklungsgruppe Region Burgwald-Ederbergland, nannte das Projekt „einen Glücksfall für die Region und die Stadt Kirchhain“.

Eingebunden ist das Naturerlebnis Erlensee längst auch in einen größeren Rahmen. Bürgermeister Hausmann nennt etwa den Skulpturenpfad und die Biologin Wetzel hebt den „Baum des Jahres“-Pfad hervor. So sind am Erlensee und in der nahen Umgebung alle Baumarten vertreten, die seit 1989 zum Baum des Jahres gekürt worden sind. Zuletzt wurde eine Stechpalme gepflanzt – der Baum des Jahres 2021, aus deren hartem Holz sich Goethe seine Spazierstöcke fertigen ließ. Weitgehend finanziert wurde das Naturerlebnis Erlensee aus Mitteln des Leader-Programms und mithilfe zahlreicher Spenden und Sponsoren aus der Region und dem Landkreis Marburg- Biedenkopf.

Astrid Wetzel und ihr Team empfangen an jedem 2. Sonntag des Monats von 15 bis 17 Uhr Besucher. Angeboten werden unter anderem Themenwanderungen rund um den See.

Von Uwe Badouin