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Ostkreis CDU-Parlamentarier fühlt sich „gemobbt“
Landkreis Ostkreis CDU-Parlamentarier fühlt sich „gemobbt“
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10:30 07.04.2022
Professor Erhard Mörschel (CDU) tritt von seinem Amt als Ausschussvorsitzender zurück. Er fühlt sich von seiner Fraktion gemobbt.
Professor Erhard Mörschel (CDU) tritt von seinem Amt als Ausschussvorsitzender zurück. Er fühlt sich von seiner Fraktion gemobbt. Quelle: Foto: Florian Lerchbacher
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Kirchhain

Der kommunalpolitische Paukenschlag kam ganz am Ende der Sitzung des Kirchhainer Bauausschusses. In einer persönlichen Erklärung legte Professor Dr. Erhard Mörschel (CDU) den Vorsitz über den Ausschuss nieder, wie er der OP gestern bestätigte. Und er nannte auch die Gründe dafür. Laut Mörschel hat er am 12. März einen Anruf „von einem führenden Fraktionsmitglied“ erhalten. Zunächst sei er bei dem Gespräch für seine Arbeit als Ausschussvorsitzender sehr gelobt worden.

Aber dann wurde es offenbar ernst in dem Telefonat. Das „führende Fraktionsmitglied“ (den Namen möchte Mörschel nicht in der Öffentlichkeit nennen) habe ihn aufgefordert, auf den Vorsitz zu verzichten. Und dabei wurde auch gleich der Grund genannt. Demnach möchte die CDU offenbar, dass Holger Lesch nach seiner Bürgermeister-Kandidatur „eine Bühne bekommt“. Lesch ist auch Stadtverbandsvorsitzender der CDU Kirchhain.

Nach diesem Telefonanruf habe er nichts mehr von der CDU in dieser Sache gehört. Und daran und am gesamten Umgang mit ihm nimmt Erhard Mörschel sehr Anstoß. Für ihn ist das Vorgehen ihm gegenüber der Schlusspunkt einer schon länger andauernden Entwicklung innerhalb der CDU-Fraktion. Alles begann im Juli vergangenen Jahres. Da hatten CDU, B 90/Die Grünen und FDP noch einmal versucht, die Entscheidung über den Standort des neuen Kindergartens neben dem Hallenbad zu kippen, wie diese Zeitung seinerzeit berichtete. Ihr Antrag wurde bei Stimmengleichheit abgelehnt.

„Zünglein an der Waage“ war die Enthaltung von Erhard Mörschel an diesem Abend. Seitdem werde er in der CDU gemobbt, berichtet er. Noch einmal verteidigte er gestern im Gespräch mit der OP seine damalige Entscheidung. Es möge vielleicht nicht der beste Standort für den Neubau sein. „Aber der Bedarf besteht eindeutig in der Kernstadt“, untermauert Mörschel seine damalige Entscheidung.

Wenige Tage nach dieser Abstimmung über den Kindergarten-Standort gehörte Erhard Mörschel zu den Geehrten. Er erhielt gemeinsam mit anderen eine Auszeichnung für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement. Mörschel ist seit 1999 Mitglied des Kirchhainer Stadtparlamentes. Dafür bekam er die Silberne Ehrennadel der Stadt Kirchhain. „Da wurde ich von meiner Fraktion mit dem Rücken angeguckt“, berichtet er seine Sicht der Dinge.

Umgang mit Mandat ist noch offen

Man habe es in der CDU in Kirchhain schwer, wenn man eine eigene Meinung vertrete, bedauert er. Leider habe man die Diskussion von der sachlichen in die sehr persönliche Ebene gezogen.

Wie es für den Kirchhainer jetzt kommunalpolitisch weitergeht, ob er sein Mandat als Stadtverordneter weiterhin ausüben will oder wie auch immer er damit umgehen wird, weiß er noch nicht. „Ich muss darüber nachdenken, was ich tue“, sagt er.

Seit Niederlegung des Ausschussvorsitzes habe er noch nichts wieder von der CDU gehört, berichtet er auf Nachfrage, Stand gestern Mittag. Wohl aber von Mitgliedern anderer Fraktionen, die seiner Entscheidung Respekt gezollt hätten.

Fraktionschef: Begründung nicht nachvollziehbar

Stefan Völker, Fraktionsvorsitzender der CDU in Kirchhain, betont, dass alle Fraktionsmitglieder von der Ankündigung Mörschels überrascht worden seien. Er bestätigt, dass es innerhalb der CDU Überlegungen gegeben habe, wie man Holger Lesch nach dessen hervorragendem Wahlkampf künftig stärker in die Stadtpolitik einbinden könne. „Dabei sind alle Positionen, die die CDU zu vergeben hat, auf den Prüfstand gestellt worden, und zwar ergebnisoffen“, sagt Völker. Er bestätigt auch, dass es ein Telefonat mit Mörschel „auf Augenhöhe“ gegeben habe. Dabei habe es Mörschel abgelehnt, sein Amt niederzulegen. „Und damit war das für uns erledigt“, so der Fraktionsvorsitzende. Die Dinge aus der Vergangenheit seien aus seiner Sicht durch Gespräche erledigt gewesen – sie jetzt anzuführen, könne er nicht nachvollziehen. „Wir bedauern den Schritt von Erhard Mörschel. Es war ein einseitiger Schritt, den er verantworten muss“, sagt Völker. Ausdrücklich hebt er hervor, dass Mörschel sehr gute Arbeit als Ausschussvorsitzender geleistet habe. Auch Holger Lesch hat der Schritt Mörschels „wirklich überrascht“, erklärte er gegenüber der OP. Ansonsten sehe er den Vorgang wie Stefan Völker.

Von Michael Rinde

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