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Ostkreis Leitungsduo bewältigt viele Einschnitte
Landkreis Ostkreis Leitungsduo bewältigt viele Einschnitte
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00:20 28.06.2019
Schulleiterin Elfriede Wollmer und Konrektor Gereon Muckelmann gehen beide nach Jahrzehnten in der Schulleitung in den Ruhestand.  Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Das Schuljahr steht vor dem Ende und damit endet zugleich die Zeit von Elfriede Wollmer als Rektorin der Grundschule II und von Gereon Muckelmann als Konrektor, ihrem Stellvertreter.

Beide werden heute Vormittag offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Für Schulleiterin Elfriede Wollmer gibt es zum 1. August bereits eine designierte Nachfolgerin: Es ist Janette Grün, derzeit noch Schulleiterin in Michelbach. Für Muckelmann steht noch kein Nachfolger fest.

Zusammengerechnet kommen Wollmer und Muckelmann auf 60 Jahre Leitungserfahrung. Im Jahr 1981 übernahm Wollmer das Amt der Konrektorin, 1986 wurde sie Schulleiterin. Muckelmann übernahm seine heutige Funktion im Jahr 1997.

Hausaufgabenbetreuung etabliert

Die beiden teilten sich die Arbeit an den zwei Schulstandorten. Wollmer war vor allem an der Südschule präsent, Muckelmann an der Waldschule. Wobei sich beide stets an beiden Orten „zu Hause“ fühlten. Beide unterstreichen im Gespräch mit der OP, dass die zwei Standorte sich nie hätten auseinanderdividieren lassen. „Alle haben immer betont, dass wir eine Schule sind und eine Schulgemeinde“, sagt Muckelmann.

In die Jahrzehnte ihrer Arbeit an der Spitze dieser Grundschule fielen zahlreiche einschneidende Veränderungen für die Schule. Eine machen beide gemeinsam als besonders bedeutsam aus: Die Einführung der Eingangsstufe gleich zu Beginn der 1990er-Jahre.

„Das war eine große Veränderung und eine große Hilfe“. Die Eingangsstufe, einst ein Modellprojekt, gibt es an der Grundschule II auch in der Gegenwart noch. Wollmer und Muckelmann bescheinigen dem einstigen Modellprojekt eine positive Entwicklung.

Die Eingangsstufe helfe, Defizite auszugleichen, die manche Kinder vor dem Schuleintritt eben immer noch mitbrächten, so Muckelmann. Hausaufgabenbetreuung ist an der Grundschule II seit Jahrzehnten etabliert und nicht wegzudenken. „Auch wenn wir sie jetzt, in Zeiten der Ganztagsangebote, vielleicht neu definieren sollten“, sagt Muckelmann.

Seit 2012 gibt es an beiden Schulstandorten Ganztagsunterricht. Nachmittagsangebote seien aber schon früher in den Schulalltag integriert worden. Muckelmann definiert das Wort Betreuung: Sie sei eine Institutionalisierung der Möglichkeit, in der Schule bleiben zu können, sagt der Pädagoge.

Und das macht aus Sicht von beiden Lehrern Sinn. Doch die räumlichen Möglichkeiten setzten den Wünschen gerade bei den Ganztagsangeboten und der Betreuung Grenzen. An der Waldschule hat sich das dank des Anbaus inzwischen grundlegend verändert. „Das war sicherlich ein Meilenstein“, sagt Muckelmann, der diesen Neubau für die Schule begleitet hat.
Bei der Südschule steht der Neubau an. „Ich hätte die Einweihung sehr gerne noch als Schulleiterin erlebt, doch das klappt ja nun nicht mehr“, bedauert Elfriede Wollmer.

Aber sie freut sich sehr darüber, dass dieser Neubau nun allmählich näherrückt. Es ist ein Baubeginn im nächsten Jahr im Gespräch. Zumindest als Besucherin will Wollmer dann bei der Einweihung dabei sein. Manchmal hätten sich beide in ihrer langen gemeinsamen Zeit an der Spitze der Schule schon gewünscht, dass Wünsche schneller berücksichtigt worden wären.
Das betrifft auch das Thema Personal. Muckelmann nennt ein Beispiel – die Schulsozialarbeit. Nach langem Ringen hat die Schule inzwischen einen festen Schulsozialarbeiter mit 20 Wochenstunden. Doch aus Muckelmanns Sicht ist das immer noch nicht ausreichend an dieser Schule. Aktuell hat die Grundschule II 420 Schüler. An beiden Standorten unterrichten 45 Lehrer plus Sozialpädagogen wie auch Betreuer.

Unzählige Projekte haben die beiden an der Spitze der Schule mitbegleitet und gefördert, wo es möglich und nötig war. Einige ausgewählte Beispiele: Das Artistikangebot „Traumfänger“ fällt ebenso in deren Zeit wie die aufsuchende Elternschule.

Damals war die Grundschule II die Keimzelle für das Vorhaben, das kreisweit Schule machte. Dabei geht es um einen besonders engen Dialog zwischen Schule und Eltern. Der Anstoß kam von der Grundschule II. „Doch das Weitere hat dann auch unsere Möglichkeiten überschritten“, sagt Muckelmann.

Mangel an Grundschullehrern 

Gereon Muckelmann liebt die Musik, er betreute unzählige Projekte, wie auch die Produktion von Musicals dazu an der Grundschule II. Für die Musik will er sich nun, mit Beginn des Ruhestandes, mehr Zeit nehmen. „Aber auch für viele andere Dinge, für die bisher zu wenig Zeit gewesen ist“, sagt er.

Elfriede Wollmer freut sich zuerst darüber, dass sie nun Herrin ihres eigenen Kalenders sein wird. Sie werde sich nun etwa ein halbes Jahr Zeit nehmen, um zu schauen, worauf sie sich in Zukunft konzentrieren möchte, kündigt sie im Gespräch mit der OP an. Für „ihre“ Grundschule II war sie in den vergangenen Jahrzehnten stets im Einsatz. Was wünscht sie sich für die Zukunft der Schule? „Eine optimale Ausstattung und ausreichend Freiräume für die Arbeit“, antwortet sie.

Eine Herausforderung erkennt Muckelmann in fehlenden, entsprechend qualifizierten Grundschullehrern, ein bundesweites Problem, kein Spezifikum der Stadtallendorfer Grundschule II. Das werde sich in Zukunft noch mehr auswirken.

Eines steht bei beiden sicher fest: Sie wollen die Grundschule II nicht ganz aus ihrem Leben verbannen, sondern den Kontakt halten. „Ich wohne schließlich auch ganz in der Nähe“, sagt Wollmer.  

von Michael Rinde