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Ostkreis Firma Winter investiert 13 Millionen Euro
Landkreis Ostkreis Firma Winter investiert 13 Millionen Euro
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11:58 28.07.2021
Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf.
Eisengießerei Fritz Winter in Stadtallendorf. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Mit der nach Firmenangaben weltweit modernsten Gießerei für schwere Nutzfahrzeug-Zylinderblöcke rüstet sich die Fritz Winter Eisengießerei in Stadtallendorf für die Zukunft. 13 Millionen Euro hat das Unternehmen dafür investiert – trotz Krisenjahr 2020. „Das vergangene Jahr war eines unserer schwersten“, berichtet Jörg Rumikewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung und CEO der Fritz-Winter-Gruppe, bei der Vorstellung der neuen Produktionsanlage. Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi und einige Mitglieder des Magistrats lassen sich an diesem Vormittag exklusiv über das neuartige Verfahren namens „ecoCasting“ informieren. „Die Transformation im Automobilsektor trifft uns sehr, deshalb haben wir bereits vor einigen Jahren begonnen, uns mit alternativen Herstellungsprozessen zu beschäftigen“, erklärt Rumikewitz. Herausgekommen ist nach Unternehmensangaben eine Produktionslinie, die weltweit ihresgleichen sucht.

Die „ecoCasting“-Technologie, auf der die neue Produktionsanlage beruht, wurde von Mitarbeitern der Firma Winter entwickelt. Seit dem Jahr 2015 kommt sie bereits für Pkw-Zylinderblöcke zum Einsatz – nun wurde sie weiterentwickelt, um auch schwere Nutzfahrzeug-Zylinderblöcke herstellen zu können. „Nachhaltigkeit ist uns wichtig“, betont der Vorsitzende der Geschäftsführung und ergänzt: „Der technische Wandel geht an keinem Unternehmen spurlos vorbei, auch nicht an uns. Wir haben hart dafür gearbeitet.“

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (2. von links) besuchte die Fritz Winter Eisengießerei und ließ sich die neue Produktionsanlage samt "ecoCasting"-Technologie zeigen. Quelle: Eisengießerei Winter

Im Jahr 2019 startet die Stadtallendorfer Eisengießerei das Projekt mit einem Technikum. Nur zwei Jahre später geht es im März 2021 mit der Serienfertigung los. Das herkömmliche Gieß-Verfahren wurde so verändert, dass nun nicht mehr Grün-Sand und Kern-Sand für die Herstellung eines Motorblockes benötigt werden, sondern nur noch Kernsand. Dieser kann später zu großen Teilen recycelt und wiederverwendet werden. An Stelle des Grün-Sandes werden im Guss-Prozess nun Keramikkugeln eingesetzt, die ebenfalls immer wieder Anwendung finden können. „Durch den formsandlosen Gießprozess sparen wir tonnenweise Kohlendioxid ein und schließen Materialkreisläufe, was zu einem geringeren Lastwagenverkehr führen wird und damit die Lebensqualität in Stadtallendorf verbessert“, erklärt Markus Semmler, Leiter der Planungs- und Umweltabteilung bei Fritz Winter. Insbesondere die Reduzierung des Verbrauchs von Ressourcen wie Sand und Wasser sowie die Einsparung von Kohlendioxid bringe das Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit viel weiter. Diese hohen Einsparungen seien deshalb auch mit einer sechsstelligen Fördersumme des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle honoriert worden.

Das neue Verfahren

Bei dem neuartigen Verfahren der Eisengießerei Fritz Winter – dem so genannten ecoCasting – handelt es sich laut Unternehmen um eine weltweit einzigartige von der Firma Winter entwickelte, formsandlose Eisengusstechnologie. Das Verfahren bietet demnach zahlreiche ökologische sowie ökonomische Vorteile und gilt als das umweltfreundlichste Eisengussverfahren weltweit. Der Prozess verbraucht deutlich weniger Energie und spart damit Kohlendioxid ein. Darüber hinaus werden weniger Sand und weniger Wasser verbraucht.

Die Weiterentwicklung wurde aufgrund der hohen Kohlendioxid-Einsparung gegenüber konventionellen Eisenguss-Verfahren durch eine Förderung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle unterstützt.

Bereits seit dem Jahr 2015 setzt Winter das Verfahren für die Herstellung von Pkw-Motorblöcken ein. Seit März 2021 ist nun die Produktionslinie für Lkw-Motorblöcke in Betrieb.

50 000 Stücke pro Jahr können in der neuen Gießerei hergestellt werden. Das Investitionsvolumen für die neue Produktionslinie liegt bei 13 Millionen Euro. Und weil das Unternehmen das „ecoCasting“ als zentralen Baustein sieht, um seine Position als einer der weltweit führenden Anbieter für Nutzfahrzeug-Zylinderblöcke zu festigen und auszubauen, soll das Verfahren künftig auch im Werk im US-Bundesstaat Kentucky eingesetzt werden. „Die neue Gießerei in Stadtallendorf dient uns als Blaupause für die Zukunft. Es ist unser Ziel, zukünftig auch an unserem Standort in den USA Zylinderblöcke auf Basis der gleichen Technologie herzustellen“, sagt Manuel Stark, der sowohl für die neue „ecoCasting“-Produktion in Stadtallendorf als auch für das Projekt „ecoCasting USA“ verantwortlich ist. Mit Hilfe des neuen Verfahrens könnten die Zylinderblöcke zudem genauer gegossen werden, seien leichter im Gewicht und besser anpassbar an Kundenwünsche. „So ist es uns möglich, unsere weltweiten Kunden durch signifikante Gewichtseinsparungen bei der Erreichung ihrer CO2-Emissionsziele zu unterstützen“, verdeutlicht es Wilfried Wolf, Entwicklungsleiter der Fritz-Winter-Gruppe.

Das Unternehmen

Die Fritz Winter Eisengießerei GmbH & Co. KG ist nach eigenen Angaben als eine der weltweit größten Gießereien Lieferant und Partner der internationalen Automobil-, Nutzfahrzeug- und Hydraulikindustrie. Seit mehr als 70 Jahren entwickelt und produziert das Familienunternehmen Komponenten und Bauteile für Kunden in aller Welt. Aktuell arbeiten nach Unternehmensangaben rund 3300 Mitarbeiter im Werk in Stadtallendorf. Ein weiterer Standort befindet sich in Kentucky in den USA.

Von Katharina Kaufmann-Hirsch

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