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Ostkreis Eintracht will Kinder stärken
Landkreis Ostkreis Eintracht will Kinder stärken
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15:58 05.12.2020
Der TSV Eintracht Stadtallendorf hat als einer der ersten Sportvereine in der Region zwei Kindeswohl-Berater: David Harris und Alina Hausmann. Rechts der Vereinsvorsitzende Bernd Weitzel. Quelle: Foto: Stefan Dietrich
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Stadtallendorf

Der TSV Eintracht Stadtallendorf will das Thema Kindeswohl noch stärker in den Fokus rücken – mit zwei Kindeswohl-Beratern. Eigentlich, sagt der Vorsitzende Bernd Weitzel, sei Kindeswohl für den gesamten Verein eine Selbstverständlichkeit. „Wir sind den Eltern unheimlich dankbar, dass sie uns ihre Kinder anvertrauen, damit wir mit ihnen arbeiten können“, betont Weitzel. Eben deshalb, weil dem Verein jedes Kind viel wert sei, wolle die Eintracht in Zukunft noch mehr tun, um Kinder zu stärken und zu schützen.

Dafür sollen vor allem Alina Hausmann und David Harris sorgen. Sie sind die neuen Kindeswohl-Berater des Vereins und sollen Ansprechpartner für alle Beteiligten sein: für Eltern, Kinder, Trainerinnen und Trainer aller Abteilungen. „Wir sind froh, dass Alina und David sich bereit erklärt haben. Beide sind prädestiniert für diese Arbeit zum Wohle von Eltern und Kindern“, sagt Weitzel. Alina Hausmann ist Kindertrainerin in der Leichtathletik-Abteilung der Eintracht, zudem absolviert sie gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Grundschule. David Harris ist Trainer der Volleyball-Abteilung und Leiter einer Kindertagesstätte. Sie übernehmen die Leitung des Modellprojekts „Kindeswohl im Sport – Schützen/Fördern/Beteiligen in Sportkreisen und Vereinen“. Für dieses vom hessischen Sportministerium geförderte Projekt der Sportjugend Hessen hatte sich die Eintracht Stadtallendorf Anfang des Jahres beworben. Seit März ist der TSV einer von zwei Modellvereinen im Landkreis – neben dem TV Gladenbach. Wie andere Sportvereine auch wird die Eintracht derzeit vom Corona-Lockdown ausgebremst.

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Schützen, Fördern und Beteiligen

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen liege ihnen sehr am Herzen, deshalb freuten sie sich sehr auf ihre neue Aufgabe, sagen Harris und Hausmann. In jeder der acht Sparten des Vereins – Badminton, Fußball, Handball, Judo, Leichtathletik, Schwimmen, Turnen und Volleyball – trainieren auch Minderjährige. Von den rund 1 800 Eintracht-Mitgliedern sind etwa die Hälfte Kinder und Jugendliche. Sport und Bewegung seien für ihre Gesundheit, ihre Persönlichkeitsentwicklung und Integration wichtig, sagt Weitzel. Doch gerade im Sport bestehe eine intensive Nähe und ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Trainer und Sportler. Das birgt auch Gefahren, bis hin zu Übergriffen. Mit dem Modellprojekt will der Verein Kinder stärken und schützen.

„Das Projekt beinhaltet nicht nur den Schutz vor Übergriffen“, betont Harris. „Es geht um Schützen, Fördern und Beteiligen. Wir ermutigen Kinder auch, sich bei Entscheidungen zu beteiligen, ihre Rechte zu kennen und sich zu behaupten.“ Das bedeutet nicht, dass sich Harris und Hausmann künftig in die Trainingsarbeit der Sparten einmischen. „Die kommen auf uns zu“, sagt Alina Hausmann. Sie und Harris können zum Beispiel vermitteln, wenn es zu einem Missverständnis zwischen einem Kind und einem Trainer gekommen ist oder sich ein Kind ungerecht behandelt fühlt.

Fortbildungen und Leitfäden für Übungsleiter

Trainer können sie auch um Rat fragen, wenn sie Hinweise darauf sehen, dass ein Kind misshandelt wird. Denn bei diesem Thema ist viel Fingerspitzengefühl gefragt – um einerseits möglichen Opfern zu helfen, andererseits niemand wegen eines vielleicht falschen Verdachts zu stigmatisieren. Für die Übungsleiter soll es spezielle Fortbildungen und Leitfäden zum Kindeswohl geben. Dabei geht es unter anderem darum, die Grenzen des Kindes zu respektieren. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein Trainer ein Kind vor einer Hilfestellung anspricht, statt es einfach so zu berühren.

Eines der ersten Vorhaben der Kindeswohl-Berater ist eine Online-Befragung von Funktionsträgern, Übungsleitern und Eltern. Zudem wollen sie eine Kinder- und Jugendvertretung im Verein bilden, damit Kinder bei Entscheidungen mitreden können.

Weitzel ist froh, dass der TSV das Kindeswohl-Modellprojekt mit der Sportjugend Hessen umsetzen kann: „Das gibt nicht nur uns, unseren Übungsleitern und Eltern eine hohe Sicherheit im Umgang mit dem nicht ganz einfachen Thema. Auch andere Vereine und Institutionen in der Region können davon profitieren.“

Die Kindeswohl-Berater David Harris und Alina Hausmann sind erreichbar unter kindeswohl@eintracht-stadtallendorf.de sowie unter Telefon 0172 / 6 36 49 89 (David Harris).

Von Stefan Dietrich

05.12.2020
06.12.2020