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Ostkreis Eine Auszeichnung für das Lebenswerk
Landkreis Ostkreis Eine Auszeichnung für das Lebenswerk
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18:54 20.01.2020
Kirsten Fründt (von rechts) mit den Preisträgern Mattias Schütz, Karin und Horst Krause sowie Anna-Lena-Schütz vor dem ausgezeichneten Gebäude. Foto: Florian Lerchbacher 
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Bracht

„Wir haben ganz schön viel erlebt“, sagte Karin Krause während der Preisverleihung über die vergangenen 20 Jahre, in denen sie gemeinsam mit ihrem Mann „Werts Hof“ in der Dorfmitte Brachts sanierte.

Gleich zweimal hätten sie beispielsweise das Wohnhaus restauriert, außerdem die maroden Dächer der Stallungen erneuert, aus einem Kornspeicher eine Ferienwohnung gemacht und vieles mehr: „Das war harte Arbeit“, berichtete sie und sprach von einem Lebenswerk – und das, obwohl die Umgestaltung der historischen Hofanlage bestehend aus Wohnhaus, Ställen, Scheune und einer Schmiede noch lange nicht abgeschlossen ist.

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Der Großteil ist aber fertig. Auf „Werts Hof“ wohnen nun ihre Tochter Anna-Lena mit Ehemann Matthias Schütz. Zudem haben die Krauses dort ein kleines Geschäft mit Kunst sowie Ferienwohnungen eingerichtet. „Wir wollten erst mal herausfinden, ob Menschen aufs Dorf kommen, um Urlaub zu machen“, erinnerte sie sich zurück.

Projekt der Krauses stärkt Bracht

Schnell sei klar geworden, dass dem so ist – vor allem die Rückmeldungen zur Natur rund um Bracht seien hervorragend gewesen. Und so gestalteten sie und Horst Krause die Anlage, auf der sie aufgewachsen war, Stück für Stück um. Wo einst das ­harte Leben der Landwirtschaft regierte, stehen nun die Entspannung und die Erholung vom Alltag im Vordergrund.

Anfang der 1970er-Jahre hatte Karin Krauses Vater die Landwirtschaft aufgegeben. Danach sei nichts auf dem Hof passiert, berichtete die Brachterin: „Wir wollten aber, dass in der Dorfmitte wieder Leben einkehrt.“

Dies sei gelungen, bestätigte Landrätin Kirsten Fründt und stellte heraus, dass selbstverständlich auch die Dörfer des Landkreises Marburg-Biedenkopf interessant für Touristen seien. Das Projekt der Krauses stärke Bracht in den Bereichen Infrastruktur und Tourismus, hatte auch der Denkmalschutzbeirat befunden.

So sah das auch Rauschenbergs Bürgermeister Michael Emmerich. Der Erhalt einer Hofanlage sei insbesondere auch für spätere Generationen etwas ganz wichtiges, da so Geschichte weitergeschrieben werde. Er freute sich, dass zum dritten Mal ein Denkmalschutzpreis in der Großgemeinde Rauschenberg verliehen wurde und hob die Vorbildfunktion eines gelungenen Sanierungsprojektes dieser Größenordnung hervor.
Schwiegersohn Matthias Schütz hatte die Geschichte des Hofs aufgearbeitet.

Auf einer Zeittafel ist zu sehen, dass die ersten Siedlungsspuren aus dem Jahr 1000 stammen. Ein Sandstein mit hochmittelalterlicher Inschrift war um das Jahr 1200 gefertigt und das Wohnhaus rund um 1750 errichtet worden. Die Nebengebäude entstanden zwischen 1880 und 1900. Nach der Betriebsaufgabe 1970 gab es einen langen Leerstand, bis im Jahr 2001 die Sanierungsarbeiten begannen.

von Florian Lerchbacher 

Weiterer Preis für den „Fachwerk-Fetischisten“

Dreimal war Mario Repka nominiert, zweimal bekam er den Denkmalschutzpreis verliehen. ­Seine Erfahrungen bei 
der Sanierung von historischen Gebäuden möchte der Stadtallendorfer nun auch mit anderen teilen.

Als Mario Repka einst das Projekt „Mainzer Kellerei“ anging, glaubten viele Menschen, dass er sich übernimmt. Doch sie sollten Unrecht behalten. Die Sanierung gelang, als Sahnehäubchen gab‘s den Denkmalschutzpreis des Landkreises und das Feuer in dem Stadtallendorfer war geweckt. Inzwischen hat er acht Gebäude in seiner Heimatstadt saniert, fünf davon dort, wo er lebt: in der Straße Leide. „Ich bin eben ein Fachwerk-Fetischist“, erklärte er nun, als er zum zweiten Mal vom Landkreis den Denkmalschutzpreis verliehen bekam – dieses Mal für ein historisches Tagelöhnerhaus.

An dieser Stelle macht sich der Preis gut: Mario Repka testet, wo er die Plakette aufhängen könnte. Foto: Florian Lerchbacher

Vor vier Jahren habe er erfahren, dass es zum Verkauf stehe. Damals sei es mit Bitumen verkleidet gewesen: „Ich wollte unbedingt wissen, was sich darunter verbirgt.“ Und das kann sich, nun, da das Fachwerkhaus wieder in altem Glanz erstrahlt, sehen lassen. Als Schmuckstück und Ausrufezeichen bezeichnete Landrätin Kirsten Fründt das Gebäude und erinnerte sich daran, wie schlimm die Straße in der Vergangenheit teilweise ausgesehen habe.

Solche Gebäude sind wichtiger Teil der Geschichte 

Sie lobte Repka für die Sanierung und stellte heraus, dass Tagelöhner- beziehungsweise Arbeiterhäuser ein wichtiger Teil unserer Geschichte seien, der dringend erhalten werden müsse. Der Stadtallendorfer habe auf alte Handwerkstechniken zurückgegriffen und beispielsweise nach einer historischen Methode die Scheiben der Holzfenster mit Bleisprossen verstärkt.

Bürgermeister Christian Somogyi freute sich über das gelungene Beispiel einer Renovierung und das große Engagement Repkas mit dem Ziel, die Schönheit der historischen Gebäude wieder sichtbar zu machen. Sein Wirken habe dabei auch positiven Einfluss auf die Nachbarschaft.

Doch Repka will nicht nur gutes Beispiel sein, sondern auch aktiv seine Mitmenschen motivieren, ihnen Mut selbst für größere Projekte machen – und sie unterstützen. Wer Fragen zur Sanierung von Fachwerkhäusern habe, könne gerne zu ihm Kontakt aufnehmen, betont er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er stehe gerne für Tipps zur Verfügung und sei beispielsweise auch bereit, renovierungswillige Menschen zur Bank zu begleiten. In diesem Zusammenhang weist er auf ein Förderangebot der Stadt Stadtallendorf hin, die bei der Sanierung von historischen beziehungsweise denkmalgeschützten Gebäuden 15 Prozent der Kosten trage. Noch dazu seien auch Projekte wie die Renovierung von Fachwerkhäusern nicht zwingend sehr teuer: „Auch mit relativ geringen Mitteln kann man etwas Schönes zaubern“, bilanziert er.

von Florian Lerchbacher

Alter Bau wird schlichtes Schmuckstück

Für die Restaurierung eines Hauses in der Kappesgasse wurde einer von drei Denkmalschutzpreisen des Kreises vergeben.
Schöner kann ein Tag fast nicht sein: Hauseigentümerin Monika Bühl erhielt aus den Händen der Landrätin Kirsten Fründt (SPD) den Denkmalschutzpreis des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Zahlreiche Freunde, aber auch Passanten verfolgten in der schmalen Gasse die Preisübergabe.

Fründt lobte, dass Bühl viel Wert darauf gelegt habe, die noch vorhandenen alten Elemente und Bauteile aus verschiedenen Epochen zu erhalten. „Sie haben nicht nur ein Gebäude erhalten und eine ­positive städtebauliche Wirkung erzielt, sondern auch einen Beitrag zur besonderen Identität des Landkreises geliefert“, sagte Kreisbeigeordneter Marian Zachow, während Fründt davon sprach, dass die Marburgerin aus dem Haus ein schlichtes Schmuckstück gemacht habe.

Die Hauseigentümerin Monika Bühl freute sich über die Auszeichnung. Foto: Jörn George

Das mit dem Denkmalschutzpreis gewürdigte Haus mit ­geschätztem Baujahr um 1700 wurde umfangreich restauriert, und durch Renovierungsarbeiten kamen alte Schätze zum Vorschein, berichtete der ­Architekt Christoph Irgang vom Büro Oesterle Architekten, der mit dem Projekt betraut war.

Alte Fassade zum Vorschein gebracht

Ziel war es nach den Worten der Hauseigentümerin, die ursprüngliche Fassade, die ein altes Fachwerk darstellte, wieder zum Vorschein zu bringen und im Inneren so wenige Veränderungen wie möglich vorzunehmen, um den Charakter des Hauses nicht zu verlieren. Spannend sei es auch, so die Inhaberin weiter, dass sich hinter dem Haus ein 80 Quadratmeter großer Garten befindet, der durch die Firma Integral hergerichtet wurde. Bühl hatte das Haus 2014 erworben.

Schon in ihrer Jugend hatte sie in Weidenhausen gewohnt. Nachdem der vorherige Hauseigentümer Rudi Möller ihr das alte Haus dann übergeben habe, wollte sie sich als Hauseigentümerin des alten Hauses intensiv um die Immobilie kümmern und sie wieder herrichten. Sie freue sich sehr über die Ehrung mit dem Denkmalschutzpreis, denn das zeige die Qualität der Arbeiten, die in diesem Haus erfolgt sei, sagte Monika Bühl im Gespräch mit der OP.

Ein Lob sprach sie auch für die mit der Restaurierung beauftragten Firmen aus. Des Weiteren dankte die Hauseigentümerin auch den Anwohnern und Passanten, die während der Restaurierungs- und Renovierungsarbeiten den damit verbundenen Baulärm und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten geduldig ­ertragen hätten.

von Jörn George