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Ostkreis Ein trauriges Zeichen ans Leben
Landkreis Ostkreis Ein trauriges Zeichen ans Leben
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13:58 27.04.2021
Kai Bülow verfolgt, wie Zimmermeister Claus-Peter Stork den Richtspruch vorliest.  Foto: Florian Lerchbacher
Kai Bülow verfolgt, wie Zimmermeister Claus-Peter Stork den Richtspruch vorliest.   Quelle: Florian Lerchbacher
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Neustadt

Das marode Gebäude ist schon lange Geschichte. Dafür entstehen auf dem Gelände unterhalb der ehemaligen Ziegelei zwei moderne Häuser, die ein Wohn- und Pflegezentrum beherbergen werden. Es sei wahrscheinlich das traurigste Richtfest, was er je feiern musste, meinte Kai Bülow, Geschäftsführer des verantwortlichen Bauträgers Depant. Corona-bedingt fand das Richtfest nämlich nur im klitzekleinen Rahmen statt: „Was Corona nicht ausbremst, ist das Leben – und daher lassen wir es uns auch nicht nehmen, das zu feiern, was wir erreicht haben.“ Das sei auch ein Versprechen an das Leben nach dem Motto „Es geht weiter, und wir lassen uns nicht unterkriegen“. Und immerhin: Es regnete nicht – obwohl schlechtes Wetter laut Bülow eigentlich immer angesagt sei, wenn er zu solchen Veranstaltungen einlade. 

Bülow: „Wir liegen 
voll im Zeitplan“

So konnte Zimmermeister Claus-Peter Stork von der Firma Dörr den Richtspruch vom Dach des Pflegezentrums im Trockenen aufsagen, ehe Bülow seine wenigen Gäste durch die beiden Rohbauten führte, während sich eine Handvoll Bauarbeiter Bratwurst und Pommes frites schmecken ließ. „Was wir hier gestemmt haben, ist außergewöhnlich“, betonte der Depant-Geschäftsführer, verwies auf die erschwerten Arbeitsbedingungen in Pandemie-Zeiten und berichtete, dass im Suezkanal im Zuge der „Ever Given“-Havarie Baumaterial stecken geblieben sei und zusätzlich die Holzpreise angezogen hätten: „Trotzdem liegen wir voll im Zeitplan.“

Im Juni 2020 
starteten die Bauarbeiten

Der Bau der beiden Gebäude hatte im Juni 2020 begonnen. Mit dem Wohn- und Pflegequartier entstehen 70 Pflegeappartements, 20 Tagespflegeplätze sowie zehn Wohnungen. Neben den Pflegeappartements stehen den künftigen Bewohnern der Einrichtung verschiedene Wohn- und Aufenthaltsräume zur Verfügung. „Das Raum- und Pflegekonzept ist an den Bedürfnissen demenziell erkrankter Bewohner orientiert“, teilt das Unternehmen mit. Die zehn Wohnungen für betreutes Wohnen befinden sich in einem separaten Wohngebäude, in dem zusätzlich ein Gemeinschaftsraum untergebracht ist. Zudem ist eine „ansprechende Außenanlage mit breiten Wegen und Demenzgarten“ vorgesehen, und in das Seniorenzentrum sollen des Weiteren eine Zentralküche und Wäscherei sowie eine Kapelle und ein „Bedarfsfriseur“ kommen. 

Es sei keine Selbstverständlichkeit, so viel Geld zu investieren, kommentierte Bürgermeister Thomas Groll und verwies auf das Bauvolumen von rund 12,5 Millionen Euro. Das Wohn- und Pflegezentrum sei damit das teuerste, jemals in Neustadt umgesetzte Bauprojekt. Es sei wichtig für die Stadtentwicklung, älteren Menschen Lebensraum anbieten zu können – und er sei sich sicher, dass die neue Einrichtung und das bereits bestehende Seniorenzentrum Wiesenhof gut koexistieren könnten. Außerdem freute sich der Rathauschef, dass mit dem Abriss des maroden Vorgängergebäudes ein „Schandfleck“ weggekommen sei – was gut für das Stadtbild sei. 

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