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Ostkreis Ein Lichtblick im Corona-Schuljahr
Landkreis Ostkreis Ein Lichtblick im Corona-Schuljahr
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18:58 30.05.2021
Jonas Gerke (von links) und David Christ drehten mit den Schülerinnen und Schülern einen Spielfilm.
Jonas Gerke (von links) und David Christ drehten mit den Schülerinnen und Schülern einen Spielfilm. Quelle: Nadine Weigel
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Kirchhain

Eigentlich hätte es in den vergangenen Wochen und Monaten extrem ruhig sein müssen im Oberstufengebäude der Alfred-Wegener-Schule. War es aber nicht. Noch nicht mal an den Wochenenden. Selbst die haben Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses Musik und des Grundkurses Darstellendes Spiel geopfert für ein cooles Projekt, das ihnen einen kreativen Ausweg aus dem vermaledeiten Corona-Jahr geschaffen hat.

Auch wenn die Abschlussklassen durchgängig in Präsenz unterrichtet wurden, war für die jungen Künstler an Normalität nicht zu denken. Denn normalerweise produzieren die beiden Kurse als Abschlussprojekt ein gemeinsames Stück, das dann in der Aula aufgeführt wird.

Aber gemeinsam singen oder musizieren? Und dann auch noch vor Publikum? Corona-bedingt natürlich absolutes Tabu. „Es war wirklich schwierig so ohne richtige Praxis, aber wir haben das Beste daraus gemacht“, erinnert sich Schülerin Vanessa Lange. Denn sie und ihre Schulfreunde haben kurzerhand eine andere, künstlerisch wertvolle Lösung gefunden.

Sie haben einen Spielfilm produziert, dessen Umsetzung von A bis Z in Schülerhand lag. Vom Drehbuch über die Regie bis hin zu Schauspiel und Kostümen. Alles wurde in der Schule verwirklicht. 

Aufgenommen in der Aula der Schule

„Die gesamte Filmmusik hat der Leistungskurs Musik komponiert, aufgeschrieben und arrangiert“, erklärt Musiklehrer Torsten Mihr. Er ist stolz auf seine Schützlinge, die ihre Stücke in der Aula aufgenommen haben. Das gesamte Oberstufengebäude verwandelten die Schülerinnen und Schüler in eine fantasievolle Kulisse passend zum Titel ihres Spielfilms „Schleierhaftes Zwielicht“.

Die Dreharbeiten verlangten Schülerschaft und Lehrern einiges ab. „Es musste ja alles Corona-konform gedreht werden, das war schon anstrengend, immer auf alles zu achten“, so Silke Trux, Lehrerin Darstellendes Spiel. 

Ein Lichtblick für alle

Doch trotz der aufwendigen Drehbedingungen – für die Abiturientinnen und Abiturienten war das Mammutprojekt ein echter Lichtblick im tristen Corona-Alltag. „Endlich hatte man mal was, wo man Menschen gesehen hat, mal lachen konnte abseits von Unterricht. Das hat richtig gepusht“, freut sich Jana Garanzha, die im Spielfilm gleich drei Rollen spielt: eine Leiche, eine Prostituierte und ein Mitglied der Bürgerwehr.

Allein dieses breite Rollenspektrum verspricht schon einen spannenden Film. Aber für Spannung durch einen professionellen Schnitt werden zudem noch David Christ und Jonas Gerke sorgen. Die beiden jungen Filmemacher führen in Marburg die Filmproduktionsfirma Videmotion und unterstützen das Spielfilmprojekt mit Profi-Knowhow.

Die AWS hat einen 90minütigen Spielfilm gedreht. Quelle: Nadine Weigel

Für David als ehemaliger Schüler der AWS ist das sowohl Ehrensache als auch Herzensangelegenheit. Er selbst war damals extra wegen des Musiktheater-Schwerpunktes auf die AWS gewechselt. „Mir vorstellen zu müssen, dass so etwas zu meiner Zeit passiert wäre, und dass ich so eine Erfahrung nicht hätte machen können, das wäre wirklich tragisch gewesen“, gibt er zu.

Deshalb war es ihm so wichtig, dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler trotz Pandemie eine tolle Abschlussproduktion erleben können. Mittlerweile ist der Film abgedreht. Anderthalb Terabyte Filmmaterial müssen Jonas und David nun zu einem 90-minütigen Film zurechtschneiden. Daran arbeiten sie auf Hochtouren. Ihr fertiggestellter Trailer in Schwarz-Weiß verspricht auf jeden Fall einiges. Ziel ist es, dass das Werk im Sommer – wenn es denn die Corona-Lage zulässt – in einem Kino gezeigt wird.

Premiere im Sommer

Die Aussichten sind gut. Kinochefin Marion Closmann will die AWS unterstützen. Am 11. Juli soll voraussichtlich Premiere von „Schleierhaftes Zwielicht“ sein. Später soll der Film auch im Open-Air-Kino auf der Schlossparkbühne gezeigt werden. Ein echt versöhnlicher Abschluss eines pandemiebedingt sehr schwierigen Schuljahres.

Von Nadine Weigel