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Ostkreis Ein Klimaschutzmanager für Rauschenberg?
Landkreis Ostkreis Ein Klimaschutzmanager für Rauschenberg?
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17:58 30.06.2021
Morgennebel fotografiert von der Wolfskaute Richtung Rauschenberg.
Morgennebel fotografiert von der Wolfskaute Richtung Rauschenberg. Quelle: Nadine Weigel
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Rauschenberg

Der Klimaschutz war während der Sitzung der Stadtverordneten gleich doppelt Thema: bei einer Anfrage der Grünen sowie bei einem Antrag des Magistrats. „Rauschenberg selbst ist seit Jahren aktiv im Klimaschutz unterwegs“, betont Bürgermeister Michael Emmerich und nennt einige Beispiele: den Bau von Nahwärmenetzen in Josbach, Schwabendorf und Rauschenberg (zudem ist das Solardorf Bracht in der Planung) sowie von Windparks in Ernsthausen und Rauschenberg, die energetische Sanierung von städtischen Gebäuden, wie dem Kindergarten Rauschenberg, der Kratzschen Scheune oder dem Bürgerhaus Schwabendorf, die Energie- und CO2-Einsparung durch Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED oder auch das Carsharing.

„Wir produzieren mittlerweile rund 400 Prozent mehr Erneuerbare Energie, als im gesamten Stadtbereich benötigt wird“, ergänzt er und kündigt an, dass in den nächsten Jahren Aufforstungen von mehreren Hektar Wald anstehen, um die CO2-Bindung und Sauerstoffbildung weiter voranzubringen. Hinzu komme das anstehende Flurbereinigungsverfahren, das bewirken werde, dass die Wohra künftig weiter mäandern kann. „Diese vernässten Flächen sind gut für die Grundwasserneubildung geeignet und bilden oberflächennah ein angenehmes Klima.“

Nächster Schritt in Sachen Neubaugebiet

„Der Magistrat sieht auch weiterhin Handlungsbedarf zu dem Thema“, erklärt Emmerich auf Anfrage der Grünen. Allen voran möchte die Stadt ein Klimaschutzkonzept erstellen lassen – was wiederum Voraussetzung dafür ist, einen Klimaschutzmanager einzustellen. 19.000 Euro kostet die Erstellung des Konzeptes, der Landkreis trägt 4.000 Euro.

Dies soll über die Interkommunalen Zusammenarbeit mit Stadtallendorf, Kirchhain und Neustadt geschehen, denn die Städte würden die Umsetzung von Klimaschutzzielen ebenfalls als eine der künftigen Kernaufgaben der Kommunen sehen, so der Bürgermeister. Entsprechend ließen sich zudem sowohl Projekte umsetzen, die alle beteiligten Städte betreffen, aber eben auch jene, die Rauschenberg-spezifisch sind.

Über die Hälfte an Fördermitteln

65 Prozent der Kosten für einen Klimaschutzmanager würden über Fördermittel getragen – sofern der entsprechende Bescheid noch in diesem Jahr ergeht (danach sind es „nur“ noch 55 Prozent). Das vorhandene Klimaschutzkonzept des Landkreises reiche nicht aus, hebt Emmerich hervor und betont, dass ein kommunales Klimaschutzkonzept zudem benötigt werde, wenn die Stadt Rauschenberg Mitglied in der Charta „Hessen aktiv: Die Klima-Kommunen“ werden will. Vorteil einer Mitgliedschaft seien höhere Zuschüsse bei vielen Klimaschutzprojekten vor Ort.

Das vorhandene Personal könne die anstehenden Projekte aus zeitlichen und teilweise auch aus fachlichen Gründen nicht leisten, erklärt Emmerich, warum die Stadt einen Klimaschutzmanager benötigt. Ein weiterer Vorteil sei, dass ein Fachmann oder eine Fachfrau auf dem Gebiet sich mit spezifischen Förderprogrammen auskenne und genau wisse, wo mögliche Ansätze seien.

Umstrittenes Neubaugebiet

Zum wiederholten Mal widmeten sich die Stadtverordneten dem umstrittenen Neubaugebiet in Bracht-Siedlung – dieses Mal ging es darum, die entsprechenden Grundstücke anzukaufen. 216.000 Euro muss die Stadt für rund 18.000 Quadratmeter Fläche berappen – das sind 12 Euro pro Quadratmeter. Andreas Weichsel, Ortsvorsteher von Bracht und FBL-Stadtverordneter in Personalunion, betonte zum erneuten Mal, dass sich der Ortsbeirat bei der Ausweisung des Gebiets übergangen fühlte.

Er erinnerte daran, dass zwei weitere Gebiete zur Auswahl standen und er das Vorgehen des Magistrats kritisch sehe. Er forderte mehr Transparenz – und löst noch einen kurzen Austausch mit Hermann Koch (SPD), dem Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft und Bauwesen, aus. Axel Schmidt, der Fraktionsvorsitzende der CDU, hatte gesagt, dass das Neubaugebiet in Bracht-Siedlung auch 20 zusätzliche Anschlüsse ans geplante Nahwärmenetz bedeute.

Namentliche Abstimmung

Weichsel jedoch meinte, das Nahwärmenetz in der Siedlung würde auch ohne das Neubaugebiet gebaut. Dem widersprach Koch, der erklärte, dass der Anschluss der Siedlung nicht gesichert sei – das Neubaugebiet ist entsprechend ein Faktor.

Auf Antrag von CDU und SPD kam es zur namentlichen Abstimmung. Die Stadtverordneten der beiden Fraktionen stimmten geschlossen für den Ankauf der Flächen, von den Grünen gab es eine Nein-Stimme und zwei Enthaltungen, die FBLer stimmten zweimal mit Ja beziehungsweise Nein, drei von ihnen enthielten sich.

„In der Luck“ kostet der Quadratmeter 64 Euro

Die Stadtverordneten segneten auch noch den Quadratmeterpreis für die sechs Bauplätze im Gebiet „In der Luck“ in Ernsthausen ab. Mit 64 Euro sei dieser zwar recht hoch, aber dennoch „vertretbar“, wenn nicht gar annehmbar, sagte der Bürgermeister: Im Preis enthalten seien schließlich auch die Erschließungskosten inklusive der Bauleitplanung – aber nicht die Hausanschlusskosten für die Wasserleitung und den Abwasserkanal.

Von Florian Lerchbacher