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Ostkreis Ein Gerücht hat Folgen
Landkreis Ostkreis Ein Gerücht hat Folgen
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19:40 31.01.2020
Ein Gerücht hat Unruhe an und rund um die Alfred-Wegener-Schule ausgelöst.  Quelle: Florian Lechbacher
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Kirchhain

Die „stille Post“ von Mund zu Mund funktioniert auch in Zeiten von Facebook, Snapchat oder Instagram offenbar noch. So erklärt sich jedenfalls, was sich in Kirchhain rund um die Alfred-Wegener-Schule zugetragen hat. Am Donnerstagabend erfuhr die Polizei von einem vagen Hinweis auf eine „mögliche geplante Straftat“ rund um die Alfred-Wegener-Schule.

So heißt es in der Pressemitteilung der Polizei vom Freitagmittag. Timo Ide, Sprecher der Marburger Staatsanwaltschaft, wurde etwas konkreter. Demnach gab es einen Hinweis auf eine angeblich geplante Straftat im Zusammenhang mit einer Waffe und der Schule. „Aber es hat nie jemand etwas derartiges gesagt“, betont Staatsanwalt Ide gleich im nächsten Satz. Denn: Alles war nicht mehr als ein Gerücht, das die Runde gemacht hat.

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Die Polizei nahm noch in der Nacht zu Freitag Ermittlungen auf, vorsorglich wurden in Kirchhain Sicherheitskräfte zusammengezogen. Nach intensiven Ermittlungen, so die Polizei, gab es am Freitagvormittag Klarheit. Der mutmaßliche Urheber des Gerüchts wurde ausgemacht, vernommen und danach wieder nach Hause entlassen.

Stille Post 

Aus Sicht der Ermittler hat bei alledem das Prinzip der „stillen Post“ im negativen Sinne gewirkt. Polizeisprecher Jürgen Schlick hat eine deutliche Botschaft an Schüler im Allgemeinen: Bitte Sachverhalte nicht dramatisieren und an Dritte weitergeben, sondern sofort die Polizei informieren.

Ob das Gerücht um eine angebliche Gefahr in irgendeiner Weise noch ein juristisches Nachspiel haben könnte, war am Freitag noch nicht klar. Das bedürfe weiterer Prüfungen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Dass die Ermittler mit dem Ereignis überhaupt in die Öffentlichkeit gegangen sind, lag an der vorsorglich hohen Polizeipräsenz. „Uns ist es wichtig, klarzumachen, dass an dem Gerücht nichts dran war und es nie eine Gefahr gab“, so Staatsanwaltschaftssprecher Ide.

„Wir haben alle Beteiligten ausfindig gemacht und sie angesprochen“, berichtet Schulleiter Matthias Bosse auf Nachfrage de Oberhessischen Presse  und betont, dass zu keiner Zeit eine Bedrohung geherrscht habe. Die Polizei habe äußerst sensibel reagiert: „Aber das ist ja auch in Ordnung. Es ist mir lieber, sie kommen einmal zu viel als einmal zu wenig.“

Er hofft, dass sich die Gemüter über das lange Wochenende (auf dem Montag liegt ein beweglicher Ferientag) beruhigen. Danach wolle er in Ruhe mit dem Jungen reden – aber auch mit der Klasse, in der die Gerüchteküche hochgekocht sei. „Wir möchten das Thema nicht hochspielen, ein Gespräch ist aber zwingend notwendig. Erst mal warten wir die Ergebnisse der polizeilichen Ermittlungen ab.“

von Michael Rinde
 und Florian Lerchbacher