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Ostkreis Wenn feste Größen aufhören
Landkreis Ostkreis Wenn feste Größen aufhören
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16:00 02.08.2021
Bürgermeister Thomas Groll (von links) und die Geehrten Ella Milewski, Karl Stehl und Anita Ochs mit Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels.
Bürgermeister Thomas Groll (von links) und die Geehrten Ella Milewski, Karl Stehl und Anita Ochs mit Stadtverordnetenvorsteher Franz-W. Michels. Quelle: Michael Rinde
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Neustadt

Es war ein ganz besonderer und wahrlich nicht alltäglicher Tagesordnungspunkt bei der jüngsten Neustädter Stadtparlamentssitzung. Langjährige, sehr verdiente frühere Neustädter Kommunalpolitiker erhielten Lob und Anerkennung und eine besondere Ehrung für ihre Verdienste um Neustadt. Ella Milewski erhielt die goldene Ehrennadel, Anita Ochs und Karl Stehl führen jetzt die Bezeichnung Stadtälteste beziehungsweise Stadtältester.

Bürgermeister Thomas Groll übernahm die persönliche Würdigung der drei gestandenen Kommunalpolitiker, er hatte mit ihnen über Jahrzehnte zusammengearbeitet, sei es selbst als Stadtverordneter, sei es später als Bürgermeister und Sprecher des Magistrates. Ella Milewski war von 2003 bis 2011 Stadtverordnete, von 2011 bis 2021 Stadträtin und 15 Jahre Mitglied der Festkommission. Im Magistrat sei sie diejenige gewesen, die immer wieder nachgehakt habe, wenn es um Festlegungen im Protokoll gab. „Sie wollte wissen, wie weit etwas war“, sagte Groll, sprich, sie war die „Königin des Protokolls“. Außerdem engagiert sich Milewski weiter im Bürgerparkverein. Es ist das erste Mal, dass die goldene Ehrennadel einer Frau verliehen wurde.

Anita Ochs ist die erste Frau, die nun die Ehrenbezeichnung Stadtälteste führt. Von 1989 bis 2016 war sie Stadtverordnete, danach bis 2021 im Magistrat. Sie war die erste Ortsvorsteherin in Neustadt überhaupt, von 1997 bis 2006 in Speckswinkel. Mit Anita Ochs bleiben die Ferienspiele der evangelischen Gemeinde untrennbar verbunden. Groll erinnerte sich an manche Diskussionen am Anfang mit einer streitbaren Stadtverordneten Anita Ochs im Stadtparlament. „Wir sind jetzt beide ruhiger geworden“, sagte er in Richtung von Anita Ochs. Beide hätten im Sinne der Sache immer gut zusammengearbeitet.

Das gute, sehr persönliche Verhältnis betonte Groll auch bei Karl Stehl. Er war von 1991 bis 2021 mit einjähriger Unterbrechung Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. In dieser langen Zeit war er Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses und des Stadtentwicklungsausschusses, außerdem war er von 2011 bis 2016 Stadtverordnetenvorsteher. Ortsvorsteher von Speckswinkel war er von 2006 bis 2021. Lange Jahre leitete er auch den Verkehrs- und Verschönerungsverein Speckswinkel. „Wenn morgens deine Nummer auf dem Telefon aufleuchtete, wusste ich, dass Speckswinkels Ortsvorsteher etwas auf dem Herzen hatte. Du kannst für dich in Anspruch nehmen, vieles für dein Dorf bewegt zu haben“, sagte er zu Stehl.

Wer sich über Jahrzehnte ehrenamtlich für die Gemeinschaft einsetze, der verdiene Dank und Anerkennung. Meckern könnten viele, mitmachen würden zu wenige, stellte Neustadts Stadtoberhaupt fest.

Bürgerbudget beschlossen

Außerdem beschloss das Stadtparlament an diesem Abend die Einführung eines „Bürgerbudgets“, einen Etat, der nach Wünschen und Vorstellungen aus der Bürgerschaft ausgegeben wird: für Projekte, für Initiativen zum Beispiel – immer durch Anstöße aus der Bürgerschaft heraus. Wie das konkret ausgestaltet werden könnte, wird der Magistrat bis zum Herbst erarbeiten und dem Parlament vorlegen. Der einstimmige Beschluss erfolgte auf Antrag der CDU. Als Betrag stehen 18 000 Euro im Raum, verteilt auf Kernstadt und Stadtteile.

Vortrag zum Klimaschutz

Die Neustädter Stadtverordneten und der Magistrat werden sich wissenschaftlich über die Bedeutung und die Rolle des Klimawandels informieren lassen. Im Raum steht ein Fachvortrag im Oktober. Das Stadtparlament fasste diesen Beschluss einstimmig auf Antrag der FWG-Fraktion. Merve Hamel machte deutlich, warum ihrer Fraktion das ein solches Anliegen ist: Die jetzigen Stadtverordneten seien gewählt worden, um Verantwortung zu übernehmen. „Klimakrise und Klimaschutz ist die zentrale Zukunftsaufgabe“, so Hamel.

Von Michael Rinde