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Ostkreis Für „Benni“ gibt es nur seinen TSV
Landkreis Ostkreis Für „Benni“ gibt es nur seinen TSV
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19:00 12.03.2022
Bernhard Kischnick (von links) bekommt auf dem Platz von Bürgermeister Heiko Dawedeit den Landesehrenbrief überreicht, daneben steht Jens Ratz vom Vorstand des TSV.
Bernhard Kischnick (von links) bekommt auf dem Platz von Bürgermeister Heiko Dawedeit den Landesehrenbrief überreicht, daneben steht Jens Ratz vom Vorstand des TSV. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Wohratal

Knapp 30 Minuten sind gespielt und Wohratal liegt zu diesem Zeitpunkt bereits 1:0 hinten. Der FSV Cappel hat in dem Pokalspiel vorgelegt. Am Ende geht das Spiel für die Heimmannschaft Wohratal mit 0:6 verloren. Bernhard „Benni“ Kischnick ist an diesem Sonntag zunächst Linienrichter. Wie einst sein Vater, der verstorbene Benno Kischnick, dessen Fußballerlaufbahn in den 1950er-Jahren so begonnen hatte. Benni Kischnick ist nach dem ersten Treffer weiterhin optimistisch. „Da können wir noch mal rankommen“, meint die große Institution beim TSV Wohratal. Allerdings habe Cappel schon einige Vorbereitungsspiele hinter sich, Wohratal fange gerade erst an. Das mache es schwerer.

Dass er selbst an diesem Tag eine besondere Rolle spielen wird, hat er erst wenige Minuten vorher gehört. Jens Ratz, einer der gleichberechtigten Vorsitzenden des Vereins, hat es ihm gesagt. Wohratals Bürgermeister Heiko Dawedeit steht schon am Spielfeldrand bereit, nicht nur, um sich das Spiel anzuschauen. Denn Benni Kischnick bekommt an diesem Tag den Landesehrenbrief verliehen. Und weil dem 63-Jährigen der Fußball und besonders sein TSV Wohratal über alles geht, soll das natürlich auf dem Platz passieren, am Ende der Halbzeitpause.

Seit Jahrzehnten dem Verein treu

Benni Kischnick ist dem Verein seit Jahrzehnten treu. Wenn es sein muss, zieht er selbst auch noch die Fußballschuhe an, zumindest in der zweiten Mannschaft. Als dort in der zurückliegenden Saison Personalnot herrschte, da sei er eben fünf Mal mit aufgelaufen. „Und wenn wir nur elf Leute zusammenbekommen, dann halte ich eben auch die 90 Minuten auf dem Platz durch“, betont Kischnick und will von dem Wort „Aufhören“ an diesem Tag eigentlich überhaupt nichts hören. Nach einer Erkrankung will er nun wieder mit der Zweiten trainieren, um richtig fit zu werden.

Doch den Ehrenbrief erhält Kischnick nicht für seine nie enden wollende Zeit als leidenschaftlicher Spieler. „Er ist ein Kümmerer und ein Botschafter“, erklärt Bürgermeister Dawedeit bei der Ehrung im Mittelkreis. Denn Kischnick ist seit Jahrzehnten auch außerhalb des Platzes im Einsatz für den Verein. Immer wieder übernahm er im Vorstand Verantwortung. Er kümmert sich um das Sportplatzgelände ebenso gerne wie um das Vereinsheim und das Inventar, war Jugendbetreuer und auch Sportwart oder Trainer, alles ehrenamtlich. Und genau dafür, für diesen Einsatz, bekam er den Landesehrenbrief.

Kischnicks zweites Hobby ist das Reisen, sind kleine, selbst geplante „Expeditionen“. Mehr als 40 mal war Benni Kischnick allein in Afrika. Deshalb nennt Heiko Dawedeit den Geehrten auch einen Botschafter. Wenn er in den Ruhestand geht, dann will sich Kischnick auch dafür noch deutlich mehr Zeit nehmen.

Von Michael Rinde