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Ostkreis Symbol für Frieden wird rausgeputzt
Landkreis Ostkreis Symbol für Frieden wird rausgeputzt
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12:58 16.08.2020
Winfried Nau (links) und Dr. Bernhard Buchstab stehen neben dem englischen Wappen - also Richtung Ohm.
Winfried Nau (links) und Dr. Bernhard Buchstab stehen neben dem englischen Wappen - also Richtung Ohm. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Auf dem Hof der Eheleute Nau steht ein Obelisk, der an das Ende des Siebenjährigen Krieges erinnert – und somit angesichts der zahlreichen Beteiligten an die erste Auseinandersetzung, die sich getrost als Weltkrieg bezeichnen lässt (siehe Infokasten). Den sogenannten Friedenstein hatten Engländer und Franzosen, also die Hauptbeteiligten des Krieges, aufgestellt, um an die Geschehnisse zu erinnern. „Das ist ein hochrangiges Kulturdenkmal mit großem geschichtlichen Wert“, betont Landesdenkmalpfleger Dr. Bernhard Buchstab, während Winfried Nau ergänzt: „Es ist ein Symbol des Waffenstillstandes und des Friedens – und daher gerade heutzutage umso wichtiger.“

Der Grundstückseigentümer ist stolz auf das Denkmal – das allerdings keinen wirklichen Nutzen für die Eigentümer habe, wie Buchstab zugibt. Dafür bringt der Friedenstein jedoch Verpflichtungen mit sich, denen Winfried Nau und Ehefrau Elisabeth Schmitt-Nau aber gerne nachkommen: Etwa alle 20 Jahre stehen Pflege sowie Sanierungsarbeiten auf dem Programm. Und da die Stadt im kommenden Jahr ihr 1300-jähriges Bestehen feiert und die Naus sich durchaus bewusst sind, dass dann mehr Gäste kommen und sich Amöneburg im besten Licht präsentieren sollte, trafen die Eheleute die Entscheidung, auch den Stein vor dem Festjahr auf Vordermann zu bringen.

Sie engagierten die Fachleute der Marburger Steinhütte GbR, die den Friedenstein reinigten, das Fundament stabilisierten, Fugen erneuerten und kleinere Reparaturarbeiten erledigten. So erneuerten sie beispielsweise Eisenklammern, die die Steine des Sockels verbinden. Dabei stellte Caspar-David Fischer fest, dass die unterste Stufe des Denkmals wohl nachträglich angebaut wurde. Dies erkannte er zum einen an der Bearbeitung, die unterschiedlich ist: Dem untersten Stein fehlt ein Zierhieb, der zwecks Verbesserung der Optik beim Bearbeiten von sichtbaren Oberflächen zum Einsatz kommt. Außerdem ist die unterste Stufe nicht umlaufend, das heiß, sie fehlt auf einer Seite: „Und das ist untypisch für Obelisken, die eigentlich nie asymmetrisch sind“, erklärt der Experte.

Buchstab stellt heraus, dass für die Herstellung einst heimischer Sandstein genutzt wurde, den aufgrund seines hohen Quarzgehaltes eine sehr hohe Qualität auszeichne. Allein deshalb seien auch die Reliefs noch sehr „kantenscharf“ – also deutlich erkennbar. „Der Zustand des Friedensteins insgesamt ist sehr gut – auch angesichts seines Alters und der Tatsache, dass er Wind und Wetter ausgesetzt ist“, sagt Fischer und fügt hinzu: „Man erkennt aber auch, dass sich darum gekümmert wird.“

Rund 12 000 Euro kosten die Arbeiten, für die die Naus, die Stadt Amöneburg, der Landkreis, das Land Hessen, der Heimat- und Verkehrsverein sowie der Verein Amöneburg 13Hundert gemeinsam aufkommen. „Wir sind froh, dass wir ihn haben – und kümmern uns daher auch um den Stein“, resümiert Nau – dessen Familie auch einst gefragt wurde, ob sie das Denkmal nicht verkaufen wolle. Ein hochrangiger Politiker, entweder der Landrat von Kirchhain oder der Regierungspräsident von Kassel, habe einst deswegen bei seinem Ururopa angefragt, weil er den Stein auf den Berg versetzen lassen wollte: „Mein Ururopa wollte aber 6 000 Taler dafür haben – was die Obrigkeit eine unerhörte Forderung fand. Damit hatte sich das Thema Gott sei Dank erledigt, denn der Stein kostet zwar unser Geld, ist aber auch unser Stolz.“

Von Florian Lerchbacher

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