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Ostkreis Dynamisches Duo zieht sich aus Spitze zurück
Landkreis Ostkreis Dynamisches Duo zieht sich aus Spitze zurück
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20:59 28.08.2021
Ulrich Pfeiffer (rechts) und Peter Kläs treten nach 25 Jahren in der Feuerwehrführung zurück ins zweite Glied.
Ulrich Pfeiffer (rechts) und Peter Kläs treten nach 25 Jahren in der Feuerwehrführung zurück ins zweite Glied. Quelle: Florian Lerchbacher
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Emsdorf

Der Feuerwehrverein ist gut aufgestellt, die Einsatzabteilung hat ausreichend Mitglieder, und in Thorsten Lecher und Holger Lusky stehen kompetente Nachfolger in den Startlöchern. Damit sei die Zeit gekommen, sich ins zweite Glied zurückzuziehen, sagen Ulrich Pfeiffer und Peter Kläs, die ein Vierteljahrhundert lang die Emsdorfer Feuerwehr prägten. Pfeiffer war von 1996 bis 2006 und von 2016 bis 2021 Wehrführer und somit auch Feuerwehrvereinsvorsitzender in dem Kirchhainer Stadtteil, während Kläs ihm als Stellvertreter stets treu zur Seite stand – und als Pfeiffer aus beruflichen Gründen kürzertreten musste, die Führungsämter übernahm. Doch damit nicht genug der tiefen Fußstapfen: Im Jahr 1989 hatte Pfeiffer die Jugendfeuerwehr gegründet, die er dann auch bis 1996 leitete – mit Kläs als Stellvertreter, der allerdings erst 1990 dazugekommen war.

Engagement an der Spitze der Feuerwehr ist für die beiden Männer, die wie Brüder sind, Familiensache: Kläs’ Vater Hubert war 20 Jahre lang Wehrführer gewesen, Pfeiffers Vater Hieronymus zehn Jahre lang Stellvertreter. So kam es, dass die beiden Jungs schon als Jugendliche Feuerwehrluft schnupperten. Eigentlich hätte er frühestens mit 17 Jahren mit in den Einsatz gedurft, erinnert sich Pfeiffer. Doch als er 15 war, habe es einen Waldbrand gegeben – und es standen nicht genug Einsatzkräfte zur Verfügung. „Ich hatte also die Wahl, in die Schule zu gehen oder beim Löschen zu helfen“, berichtet der heute 57-Jährige und sagt: „Ist ja klar, für was ich mich entschied.“

Ein paar Jahre später, als er dann offiziell der Einsatzabteilung angehörte, fuhr er unter anderem mit Hubertus Kläs in einem Auto von einer Feuerwehrversammlung mit. Der Wehrführer habe damals bedauert, dass „alle anderen“ eine Jugendfeuerwehr hätten, nur die Emsdorfer nicht – also habe er als jüngster im Bunde Bereitschaft erklärt, eine solche Abteilung zu gründen. Dabei sei es nur logisch gewesen, dass „der Peter mitmacht“. Gesagt, getan – und wer einmal Verantwortung übernommen hat, der macht letztlich auch weiter: Quasi übergangslos folgte 1996 der Schritt von der Leitung des Nachwuchses hin zur Führungsposition bei den Erwachsenen.

Pfeiffer und Kläs waren die ersten Atemschutzträger

Doch erneut muss es heißen: Damit noch lange nicht genug. Pfeiffer gehörte 1991 zu den Gründungsmitglieder der Werksfeuerwehr der Eisengießerei Fritz Winter. Der Teamleiter, der zudem ausgebildeter Sanitäter und gelernter Bäcker ist, ist dort Zugführer und engagiert sich außerdem noch im Gefahrenstoffzug der Stadt Kirchhain.

Kläs (53) arbeitet bei der Firma Hoppe, ist Sicherheitsbeauftragter und – na logo – Brandschutzhelfer. Des Weiteren hatte er einst die Brandschutzerziehung im Kindergarten Emsdorf übernommen und machte seine Arbeit so gut, dass er 2012 zum Fachdienstleiter Brandschutzerziehung bei der Stadt Kirchhain ernannt wurde und sich seitdem in allen 13 städtischen Kitas darum kümmert, dass die Kinder wissen, wie sie im Notfall handeln sollten. Ganz zu schweigen davon, dass Pfeiffer und Kläs in Emsdorf immer „die ersten“ waren, beispielsweise die ersten Atemschutzträger.

Neben der Feuerwehr engagiert sich Kläs, der verheiratet ist und einen Sohn und eine Tochter hat, im Volkstanz- und im Schützenverein (bei dem er im Festausschuss sitzt). Als weiteres Hobby nennt er das Umbauen und Renovieren seines Hauses. „Und wenn ich damit fertig bin, werde ich einen alten Bauwagen herrichten, der in unserem Garten außerhalb des Dorfes ist. Dann schaffe ich mir und meiner Frau einen schönen Platz, an den man sich einfach mal zurückziehen kann.“

Pfeiffer, ebenfalls verheiratet und Vater zweier Söhne, ist derweil damit beschäftigt, einem seiner Söhne bei der Hausrenovierung zu helfen. Er kümmert sich zudem noch um „ein paar Hühner“ und gehört einem Schützenverein an – allerdings nicht dem Emsdorfer, sondern dem Momberger. Das liege daran, dass in seinem Heimatdorf mit dem Luftgewehr geschossen werde, er aber lieber Tontauben ins Visier nehme. Man könnte also sagen, er zieht das schwere Geschütz vor – womit wir bei seinem Spitznamen „Kanonen-Uli“ wären. „Ich habe eine Kanone zu Hause“, erklärt er. Doch keine Sorge: Diese packt er nicht etwa auf ein Bötchen, um sich auf dem örtlichen Netzebach als Pirat zu versuchen. Viel eher kümmert er sich seit einiger Zeit um die rund 150 Jahre alte Emsdorfer Tradition, an Fronleichnam Salutschüsse mit der Kanone abzufeuern.

„Familiensache Feuerwehr“: Tradition setzt sich fort

Doch zurück erstmal zur „Familiensache“. Die Geschichte setzt sich in Emsdorf natürlich fort. Fabian Pfeiffer war in jüngerer Vergangenheit Jugendwart, musste den Posten aber aus beruflichen Gründen aufgeben. Für ihn übernahm daraufhin Marcel Kläs – dem neben Florian Lusky (Sohn des neuen stellvertretenden Wehrführers) noch Celina Kläs zur Seite steht. „Sie ist eigentlich die heimliche Chefin“, sagt Ulrich Pfeiffer und spricht dem Trio großes Lob aus, da es seit dem Jahr 2020 dafür gesorgt habe, dass die Jugendfeuerwehr von elf auf 19 Mitglieder angewachsen sei.

Apropos Lob: Dieses sprechen Kläs und Pfeiffer auch der Stadt Kirchhain und den Bürgermeistern der vergangenen 30 Jahre aus, die immer ein offenes Ohr gehabt und dafür gesorgt hätten, dass die Einsatzkräfte stets hervorragend ausgerüstet gewesen sind – was auch ein Grund dafür sei, dass in ihrer langen Zeit in Führungspositionen nie schlimmeres passiert sei. Mit Feuerwehrarbeit aufhören wollen die beiden gefühlten Brüder aber noch lange nicht – doch sie werden es genießen, nicht zu jeder Übung und Veranstaltung zu gehen. „Wenn der Melder geht, werden wir rennen. Aber es ist schön, dass das ,Muss’ weg ist“, resümiert Pfeiffer.

Von Florian Lerchbacher