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Ostkreis Drei Tage Party unter Corona-Bedingungen
Landkreis Ostkreis Drei Tage Party unter Corona-Bedingungen
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09:58 13.07.2020
Schwups, da war das Akkordeon kaputt.
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Stadtallendorf

Als Markus Thomann, dem ältesten der drei Thomann-Brüder, die zusammen die „Dorfrocker bilden“, mitten in der Anmoderation das Akkordeon in zwei Teile zerbrach, taten die „Dorfrocker“ so, als gehöre dies zum Programm – routiniert überspielen sie die Panne, Markus zog das Keyboard einfach zu sich heran und spielte auf diesem Instrument weiter – eine reife Leistung der Brüder, die am Sonntagnachmittag das letzte von drei Konzerten in Stadtallendorf gaben.

Das letzte Konzert war eigens für „stille Helden“ gemacht: Die Stadt Stadtallendorf hatte Menschen eingeladen, die in den zurückliegenden Corona-Wochen in besonderem Maße für ihre Mitmenschen dagewesen waren: Menschen aus dem Gesundheitswesen, aus der Altenpflege, aus dem Einzelhandel.

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„Sie alle sind stille Helden“, rief ihnen Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) zur Eröffnung von der „Heldenbühne“ aus zu. Die „Heldenbühne“ ist eine Erfindung der Dorfrocker, die, wie Tobias Thomann erklärte, den Menschen in ganz Deutschland ein wenig Freude bringen wollten – unter Corona-Bedingungen, heißt derzeit mit Mindestabstand, Beschränkung der Zuschauerzahl und Tanzverbot. Dass es trotzdem ein stimmungsvolles Wochenende wurde, das lag zuallererst an den Gästen aus der Nähe von Bamberg. Mit Stimmungsliedern wie „Engelbert Strauß“ hatten sie ihr Publikum schnell im Griff. Das durfte zwar nicht tanzen, aber schunkeln, klatschen und mit dem Armen im Takt rudern. Ein älteres Lied der „Dorfrocker“ hat die Gruppe neu aufgenommen: „Stille Helden“ Der Titel ist aktueller denn je.

Nach der Pause ist das
Akkordeon wieder da

„Stille Helden mögen’s leise, stehen niemals im Rampenlicht“, singen die Brüder Thomann, „wir haben viel Resonanz bekommen“, sagt Tobi, der Extrovertierteste der Brüder. Die „Dorfrocker“ spielen es natürlich auch in Stadtallendorf und viele im Publikum ahnen, dass auch sie gemeint sind.

Wer nicht nur Hymnen hören wollte, sondern auch die klassische Partymusik, war aber genauso richtig in Stadtallendorf. Bei „Auf das Leben“ müssen die Frauen im Publikum nach der Textzeile „auf die Frauen“ kreischen, die Männer johlen nach dem Text „auf das Bier“. Da kommt schon ein wenig Mallorca-Stimmung auf. Und bei der „Ode an das Mettbrötchen“ gelingt es der Gruppe tatsächlich, zwei Metzgerei-Fachverkäuferinnen vor die Bühne zu holen. Der Text ist wohl fast überall in Deutschland mehrheitsfähig: „Ich will Mett-, Mett-, Mettbrötchen“, singen die Brüder.

Birgit und Petra tanzen dazu vor der Bühne – es war nicht ihr letzter Auftritt an diesem Nachmittag. Der Text jedenfalls ist so einfach, dass das Publikum mitsingen kann. „Ich bin ein Dorfkind, darauf bin ich stolz“ ist ein anderer Song der Gruppe, der Ohrwurmqualitäten hat. Gerade im ländlichen Raum. In Stadtallendorf kamen am Sonntag wohl zwei Drittel des Publikums vom Dorf und sie feierten sich mit. „Denn Dorfkinder sind aus gutem Holz“, heißt es weiter im Liedtext.

Was ist eigentlich aus dem Akkordeon geworden, das zu Beginn des Konzerts in zwei Teile gebrochen war? Nach der Pause war es wieder einsatzfähig und Markus zeigt, warum dieses Instrument sein Lieblingsinstrument ist. Er beherrscht es einfach.

Bürgermeister Christian Somogyi hatte in seiner Ansprache noch appelliert, dass man nicht leichtsinnig werden solle. „Die Pandemie ist nicht überstanden, sondern wir haben nur ein wichtiges Etappenziel erreicht“, sagte Somogyi. Das wissen auch die Dorfrocker, die dennoch – oder gerade deswegen – Aufmunterndes mit auf den Weg gaben: „Daumen hoch für das Leben.“ Die Auftritte der „Dorfrocker“ waren von der Stadtallendorfer Agentur Bill Events organisiert worden. Die Oberhessische Presse war Medienpartner der Veranstaltungsreihe.

Von Till Conrad

11.07.2020
11.07.2020
11.07.2020