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Ostkreis Division bekommt eine Feinjustierung
Landkreis Ostkreis Division bekommt eine Feinjustierung
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16:00 28.04.2019
Brigadegeneral Andreas Hannemann kündigt die Aufstellung einer neuen Ausbildungskompanie an. Möglicherweise wird sie in Stadtallendorf stationiert.  Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Brigadegeneral Andreas Hannemann hat in den vergangenen Wochen unter anderem das erledigt, was bei jedem Soldaten, der versetzt wird, ansteht. Er ist umgezogen und hat sich in der Region neu eingerichtet. Viel Zeit zum Einleben hatte er dort naturgemäß noch nicht. Es waren nur Stunden oder einzelne Tage. Es blieb erst wenig Zeit für das Erkunden, für erste Eindrücke von Stadtallendorf, Marburg oder auch Amöneburg. Was er gesehen hat, hat ihm gefallen.

Zur Person

Andreas Hannemann gehört seit 1981 der Bundeswehr an. Er studierte Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Bundeswehr-Universität Hamburg, absolvierte eine Generalstabsausbildung bei der Bundeswehr wie auch bei den britischen Streitkräften. Hannemann war zweimal im Afghanistan-Einsatz, zuletzt 2015 als deutscher Kontingentführer bei der Mission „Resolute Support“. 

Hannemann ist derzeit besonders viel unterwegs, besucht die zur Division Schnelle Kräfte gehörenden Truppenteile, verschafft sich Eindrücke. Das Tagesgeschäft ist dabei durch den Kommandeurswechsel am 14. März nie unterbrochen worden. Derzeit gehören Briefings, also Einweisungen und auch Vorträge zur Vorbereitung einer Entscheidung, zu den Hauptbeschäftigungen von Brigadegeneral Hannemann. Das gilt an seinem Sitz in Stadtallendorf wie bei seinen Truppenbesuchen, sei es bei den Fallschirmjägerregimentern in Zweibrücken oder Seedorf oder in Arnheim bei der der DSK unterstellten 11. Luchtmobielen Brigade der Niederlande.

Der Fallschirmjäger und Infanterist Hannemann ist mit dem Tagesgeschäft der Division gut vertraut. Seine Grundausbildung absolvierte er 1981 beim Fallschirmjägerbataillon 272 in Wildeshausen. Er war außerdem zwei Jahre lang Kommandeur der „Saarlandbrigade“, also der Luftlandebrigade 26 in Saarlouis.

Ein Teil der DSK sind auch die drei Heeresfliegerregimenter. Bei diesem Aufgabengebiet müsse er noch hinzulernen, da fehlten ihm Kenntnisse, räumt Hannemann offen ein. Um so mehr hebt er hervor, dass er in Oberst i. G. (im Generalstab) Andreas Pfeifer einen erfahrenen Heeresflieger als Stellvertreter hat. Pfeifer hatte die neue Aufgabe am selben Tag wie Hannemann übernommen und Brigadegeneral Gert Gawellek abgelöst.

Eindruck: Technisch gut ausgestattet

Seit vier Wochen ist Hannemann nunmehr Kommandeur. Seine Eindrücke: Die DSK ist im Vergleich mit anderen Verbänden technisch überdurchschnittlich gut ausgestattet. Allerdings erfordere die Bandbreite der Aufträge der Division das auch, sagt er. Die Aufträge der Division reichen von der militärischen Evakuierungsoperation, dem Befreien deutscher Staatsbürger im Ausland bis zu Luftlande‑
operationen hinter feindlichen Linien. Bei neuen Einsätzen der Bundeswehr stellt die DSK häufig die ersten Soldaten vor Ort.

Sein Hauptziel als Kommandeur dieser besonderen Division innerhalb der Bundeswehr sieht Andreas Hannemann in der stetigen, weiteren Verbesserung der Einsatzfähigkeit, wohlwissend, dass die bereits sehr gut ist. In diesem Zusammenhang wählt er den Begriff von einem „Grenzwertoptimierer“, der er sei. „Mir geht es darum, gezielt Fähigkeiten zu stärken“, erläutert Hannemann. Er hat das Kommando in einer Phase übernommen, in der die DSK genau das tut, vor allem in großangelegten Übungen, wie dem Manöver „Green Griffin“ im Mai. Dort wirken Heeresflieger und Fallschirmjäger wieder eng zusammen. Das eigentliche Geschehen findet im Raum Celle statt – mit deutschen und niederländischen Kräften. In Stadtallendorf ist nur der Divisionsgefechtsstand im Einsatz, führt quasi aus der Ferne mit.

Ganz aktuell ist die Division Schnelle Kräfte wieder gewachsen. Die Division habe zum 1. April mehrere hundert Dienstposten hinzubekommen. Für die neuen Dienstposten sucht die Bundeswehr teilweise noch Menschen, die sie ausfüllen. Allein bei den Wartungseinheiten für die Hubschrauber der Heeresflieger sind etwa 200 Dienstposten hinzugekommen. „Aber wir müssen diese Menschen erst ausbilden, bevor sie die erste Schraube an einer Maschine drehen dürfen“, macht Hannemann klar. Das könne je nachdem bis zu fünf Jahre dauern. Also ist dieser benötigte Zuwachs dank der „Trendwende Personal“ eher eine Zukunftsinvestition.

Derzeit wird die zusätzliche Fernmeldekompanie am Standort Stadtallendorf mit Personal „aufgefüllt“ (die OP berichtete). Mitte März bestand sie aus 64 Soldaten, mehr als 200 werden es werden. Eine weitere Ausbildungs-Fernmeldekompanie ist für das nächste Jahr in Planung, wie Hannemann erläutert. Allerdings ist noch nicht entschieden, wo sie stationiert wird. Es ist durchaus möglich, dass sie ebenfalls in Stadtallendorf ihren Platz findet. Bei dieser neuen Ausbildungseinheit soll auch die Grundausbildung für freiwillig Wehrdienstleistende erfolgen können. Seit einigen Jahren ist das in Stadtallendorf nicht mehr möglich. Das legt die Frage nahe, warum im Jahr 2012 das Luftlandefernmeldebataillon „Hessischer Löwe“ in Stadtallendorf aufgelöst wurde. In der Gegenwart gibt es offensichtlich Bedarf. Seinerzeit sei die Geschäftsgrundlage eine andere gewesen, Aufträge und Herausforderungen hätten sich verändert, erwidert Hannemann. Die Landes- und Bündnisverteidigung hat bei der Bundeswehr wieder einen ganz anderen Stellenwert als vor rund sieben Jahren.
„Wenn wir weitere Zustationierungen an Soldaten bekommen, dann werden wir auch weitere Unterbringungskapazitäten brauchen“, sagt der Divisionskommandeur mit Blick auf den Standort Stadtallendorf.

Dabei könnte die Hessen-Kaserne durchaus eine größere Rolle spielen, über deren Zukunft im Laufe des Jahres entschieden wird. Auch bei anderen Einrichtungen am Bundeswehrstandort, wie dem Übungsplatz oder der sanierten Schießanlage, dürfte sich dann noch etwas tun müssen. Hannemann hat mit der Planung und dem Anstoßen von Bauprojekten reichlich Erfahrung. Er war zuletzt Kommandeur des Ausbildungszentrums Infanterie und General der Infanterie in Hammelburg. Einem Standort, in den der Bund in wenigen Jahren zweistellige Millionenbeträge investierte.

Zeit mit seinen Kindern ist ihm wichtig

Regelmäßiger Sport ist für den 57-Jährigen ein Muss, beruflich wie privat. Ansonsten interessiert er sich für Kultur und Geschichte, Vorlieben, die er an seinem neuen Standort pflegen kann, wie ihm bewusst ist. Und er begeistert sich für Konzerte. „Dabei bin ich durchaus vielschichtig“, sagt er. Kürzlich habe er sich mit Freunden in Schweinfurt zu einem besonderen Flamenco-Gitarrenkonzert getroffen. Ansonsten verbringt er Zeit mit seinen Kindern, wann immer es möglich ist.

Gefragt nach seiner persönlichen Wunschliste für die Zeit als Kommandeur zögert Hannemann nicht lange mit der Antwort: Er wünsche sich, dass in seiner Zeit keine Soldaten verletzt oder getötet werden, weder durch Unfälle noch im Gefecht im Einsatz. „Ich hoffe, dass mir das erspart bleibt“, formuliert er.

von Michael Rinde