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10:59 06.08.2022
Josef Becker (von links), Franz Pflum, Heinz Blume, Adolf Fleischhauer, Reinhard Estor und Heike Bietz wiesen auf das Schild zum historischen Rundgang, auf dem sich jetzt auch ein QR-Code befindet.
Josef Becker (von links), Franz Pflum, Heinz Blume, Adolf Fleischhauer, Reinhard Estor und Heike Bietz wiesen auf das Schild zum historischen Rundgang, auf dem sich jetzt auch ein QR-Code befindet. Quelle: Michael Rinde
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Schweinsberg

Es ist eine Sache von wenigen Augenblicken: Die Kamera des Handys oder des Tablets einschalten, auf den QR-Code richten, die App herunterladen und lesen oder hören, was es zum Beispiel mit dem alten Backhaus in Schweinsberg auf sich hat. Oder mit dem früheren Gasthaus Zur Stadt New York. Einst verkaufte Hapag Lloyd dort Überfahrten in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Lust auf mehr Informationen über Johann Georg Estor? Der Schweinsberger wurde erster Professor der Rechte in Marburg und auf eigenen Wunsch in seiner Heimatstadt beerdigt, ein Grabstein an der Stephanskirche erinnert an ihn. Einiges davon steht auch auf den schon lange bekannten Tafeln, die an den betreffenden Gebäuden angebracht sind und wo inzwischen auch die Aufkleber mit QR-Codes zu finden sind. Aber eben bei Weitem nicht so viel, wie es bei der digitalen Variante mit der App Digiwalk nachzulesen ist. Oder auch zu hören. Bei Bedarf liest eine Stimme den Text vor, praktisch wie ein einfacher Audioguide. Dieser Rundgang umfasst 19 Stationen.

Einstieg an jeder Stelle möglich

Das Schöne daran: Es ist egal, wo der Gast oder Einheimische einsteigt in den digitalen Walk. Dies ist in der bisherigen Version anders. „Wer sich nur an den Schautafeln ausrichtet, der verliert schnell die Orientierung“, sagt Adolf Fleischhauer, der Vorsitzende des Vereins „Unser Schweinsberg“, der den digitalen Rundgang entwickelt hat. Besonders dankbar ist der Verein dabei Josef Becker, dem „Motor“ des Projektes, das über Monate entwickelt und umgesetzt wurde. Das betont Reinhard Estor vom Vorstand, zugleich Schweinsbergs Ortsvorsteher, gegenüber der OP.

An allen nach Schweinsberg heraus- oder hereinführenden Wegen werden den Menschen künftig diese QR-Codes begegnen. Aber diese digitalen Walks sind ausdrücklich nicht nur für die Gäste gedacht – auch Einheimische sollen sie annehmen, nutzen und mehr über ihre Stadt erfahren. Besonders im Blick hat der Verein dabei Jugendliche und Kinder. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie wir junge Menschen aus dem Internet daheim herausbekommen und sie an den einzelnen historischen Orten wieder hineinbringen“, sagt Franz Pflum vom Vorstandsteam.

Ein tolles Projekt für die Kleinen

Es ist aber nicht bei einem „Walk“ , also einem digitalen Rundgang durch den Ort geblieben. Es gibt auch „Schweinsberg für Kids“ mit bisher fünf Stationen. Die Texte hat die Grundschule „Kunterbunt“ entwickelt. Deshalb ist die Sprache auch auf Kin-der zugeschnitten. Etwa, wenn es um das Backhaus geht, bei dem früher der Nachtwächter seine Stube über dem Backofen hatte, um dort Pause zu machen. „Die Kinder hatten sehr viel Spaß“, heißt es unisono vom Verein Unser Schweinsberg. „Es ist ein absolut gelungenes Projekt“, resümierte die Grundschulleiterin Frau Ilka Bohnacker-Keil, das Kollegium und die Elternschaft. Die Kinder seien stolz auf ihre Arbeit gewesen.

Ein weiteres großes Plus der Digitalvariante: Man muss nicht zwingend vor Ort sein, um an die Informationen zu bekommen, der Rundgang ist damit auch virtuell möglich. Aber natürlich ist es wesentlich eindrucksvoller, die historischen Bauwerke wie das Schloss vor sich zu sehen und dann zu lauschen. Die App verfügt über eine GPS-Funktion, kann also von Station zu Station führen. Digiwalk gibt es sowohl für das Betriebssystem IOS also auch für Android.

Josef Becker weiß beim Rundgang mit der OP eine Fülle an Details zu den verschiedenen historischen Orten in der Stadt Schweinsberg zu berichten. Quelle bei den Rundgang-Texten sind vor allem die Veröffentlichungen der Historikerin Irmgard Stamm. Es soll weitergehen. Eine Erlebnistour rund um Schweinsberg für Radfahrer und Wanderer ist in Arbeit. Der Verein Unser Schweinsberg denkt eben auch an den sanften Tourismus.

Von Michael Rinde

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