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Ostkreis Sensation in der Dorfschule
Landkreis Ostkreis Sensation in der Dorfschule
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15:00 23.04.2022
Mädchen und Jungen der früheren Stausebacher Dorfschule haben sich im Jahr 1900 für ein seltenes Gruppenbild versammelt.
Mädchen und Jungen der früheren Stausebacher Dorfschule haben sich im Jahr 1900 für ein seltenes Gruppenbild versammelt. Quelle: Privat
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Kirchhain

Heute kommt der Fotograf! Diese Nachricht löst heutzutage eher weniger Aufregung und wohl auch keine Schnappatmung mehr aus. Selbst in der Schule nicht, wenn vielleicht mal ein Klassenfoto oder ein Bild vom Kollegium geschossen wird. Vielmehr nehmen das Schülerinnen und Schüler oder Lehrkräfte einfach per Handy-Schnellschuss selber in die Hand. Es lebe die Technik.

Doch das war vor über 120 Jahren noch eine ganz andere Hausnummer, damals war der Besuch eines richtigen Fotografen ein seltenstes Ereignis, das für einigen Wirbel in einer kleinen Schule sorgen konnte. So erging es sicher auch den Mädchen und Jungen der früheren Stausebacher Dorfschule, die wir hier sehen, wie sie im Jahr 1900 für ein Gruppenbild zusammenkommen. Gute 122 Jahre ist das her. Ein so altes und noch gut erhaltenes Bild findet sich selten. Dieses hat Peter Gnau aus seinem reichen Fundus zur Verfügung gestellt. Und das seltene Foto hat auch einen Titel: „Die Stausebacher Schoulkenn em Joahr 1900“.

Mädchen und Jungen der früheren Stausebacher Dorfschule haben sich im Jahr 1900 für ein seltenes Gruppenbild versammelt. Quelle: Privat

Das Jahr der Aufnahme zeigen die Kinder auch direkt auf der aufgestellten Schultafel. Wir sehen 37 Schulmädchen und -jungen mit ihrem Lehrer vor der einklassigen Dorfschule. Wie das damals üblich war, schauen alle ernst und stehen oder sitzen akkurat nebeneinander. Außerdem tragen die Mädchen die katholische Marburger Tracht, die Jungen ihren besten Sonntagsanzug. Was aber mag sich in den Köpfen der Abc-Schützen abgespielt haben, die etwa zwischen 1886 bis 1894 geboren wurden? Sicher so einiges, was man ihnen nicht ansieht. „Es muss für die Schulkinder damals schon eine Sensation gewesen sein, als sich ein professioneller Fotograf mit den hochtechnischen Geräten vor den Kindern aufgebaut hatte“, schreibt uns Peter Gnau. Und es ist wahrscheinlich, dass die Kinderschar ihr Foto leider nie zu Gesicht bekam, vermutet er.

Schließlich konnte man das Foto noch nicht mal eben vervielfältigen und jedem in die Hand drücken. Wo heute jeder fix das Handy zückt oder die Profi-Kamera um den Hals hängen kann, war das Fotografieren damals Knochenarbeit und schwer zu händeln. Alleine die Kameraausrüstung war unheimlich schwer, ein Herumreisen mit dem ganzen Equipment war daher selten, „die Fotografie beschränkte sich hauptsächlich auf das Knipsen im Studio“, berichtet Peter Gnau.

Zudem war die Arbeit eines Fotografen nicht wirklich lukrativ, was wiederum die Anschaffung der Ausrüstung erschwerte. Wie gut, dass es heute im Vergleich ein Leichtes ist, Bildmaterial für spätere Generationen zu erhalten.

Kirchhainer Rathaus im Wandel der Zeit

Darüber freut sich auch Margitta Trzaska, die in Kirchhain aufgewachsen ist und einige alte Bilder aus der Ohmstadt aufgehoben hat. Die verdankt sie dem Vater, der im Zweiten Weltkrieg fiel und den sie nie kennenlernte: Er hat zu Lebzeiten viele Fotos geschossen und gesammelt und der Tochter ein gut gefülltes Fotoalbum mit historischen Bildern hinterlassen. Eine wertvolle Erinnerung für die Familie. Aus dieser Zeit stammt wohl auch das Foto des alten Kirchhainer Rathauses, wie es einst aussah. Ein großer Unterschied zum heutigen Erscheinungsbild, das mittlerweile mit der sichtbaren Fachwerk-Fassade deutlich schmucker und auffälliger daherkommt. Auch die große Veränderung des Vorplatzes wie des alten Weinhauses rechter Hand dürfte Kirchhainern sofort ins Auge fallen.

Altes Rathaus Kirchhain. Quelle: Privat/Repro: Ina Tannert

Von Ina Tannert