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Ostkreis Die Qual der Wahl
Landkreis Ostkreis Die Qual der Wahl
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15:46 29.01.2021
Vor fünf Jahren trat Sefa Elmaci (Dritter von links) die Nachfolge als Ortsvorsteher von Herbert Fischer (Zweiter von rechts) an. Zum Gremium gehörten noch (von links) Freddy Greib, Andreas Möller-Forst, Peter Greib und Reinhard Franke (rechts). Sie machen geschlossen Schluss. Heinrich Neumann war in Vertretung des Bürgermeisters gekommen.
Vor fünf Jahren trat Sefa Elmaci (Dritter von links) die Nachfolge als Ortsvorsteher von Herbert Fischer (Zweiter von rechts) an. Zum Gremium gehörten noch (von links) Freddy Greib, Andreas Möller-Forst, Peter Greib und Reinhard Franke (rechts). Sie machen geschlossen Schluss. Heinrich Neumann war in Vertretung des Bürgermeisters gekommen. Quelle: Archivfoto: Karin Waldhüter
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Amöneburg

Die Mitglieder des Ortsbeirates Amöneburg um Vorsteher Sefal Elmaci stellen sich geschlossen nicht mehr zur Wahl, außerdem gibt es statt einer gemeinsamen Liste bei dieser Wahl überraschend zwei Listen. Was ist da los? Politikverdrossenheit? Zwist? Alles halb so wild, beschwichtigt Elmaci – und die getrennten Listen seien Resultat von Unklar- und Unsicherheiten, was allerdings ärgerliche Auswirkungen habe.

Vor fünf Jahren hatte er die Nachfolge von Herbert Fischer angetreten, nun jedoch hört er auf. Berufliche Gründe seien ausschlaggebend, sagt der Leiter der Weiterbildungsstätte für Fachpflegepersonal in der Intensivpflege und Anästhesie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Denn dort sei er nun für neue Projekte verantwortlich (insbesondere die Digitalisierung von Patientenakten), die ihn zeitlich in Anspruch nehmen. An einer Stelle im Privatleben müsse er daher kürzer treten – und da er dies nicht bei der Familie tun wolle, müsse er es bei der Kommunalpolitik machen, erklärt er lachend. „Ich habe sehr gerne Politik gemacht und war auch gerne Ortsvorsteher, aber muss damit nun eben aufhören“, ergänzt er und berichtet über die anderen Mitglieder des Gremiums: Freddy Greib, viele Jahre auch Stadtverordneter, habe er schon vor fünf Jahren überreden müssen, noch eine Legislaturperiode dranzuhängen. Peter Greib sei in den Ruhestand gegangen und mache daher auch mit der Politik Schluss. Bei Reinhard Franke seien gesundheitliche Gründe ausschlaggebend – aus denen der CDU-Stadtverordnete auch nicht weiter als Leiter des Haupt- und Finanzausschusses fungieren möchte. Und Andreas Möller-Forst wolle seinen Fokus auf die Stadtverordnetenversammlung legen, in die er mit den neu gegründeten Amöneburger Grünen einziehen will. Und so komme es eben, dass im März ein komplett neue Gremiumsbesetzung gewählt werden müsse.

Wahlleiterin Christina Diehl habe den Ortsbeirat und die potenziellen Nachfolger beim Aufstellen der neuen „Gemeinschaftsliste Ortsbeirat Amöneburg“ (GLA) sehr gut unterstützt, lobt Elmaci und berichtet, dass er vor der Sitzung des Ortsbeirates im Dezember selbige dann auch eingereicht habe. Problem nur: Dennis Stein sei schlichtweg vergessen worden. „Irgendwie war das bei uns nicht angekommen“, sagt Elmaci und ergänzt, dass dann auch noch Katharina Weber Interesse signalisiert habe, sich zur Wahl zu stellen. „Es gab dann zwei Möglichkeiten: Die Liste zurückziehen und neu aufstellen – oder eine weitere Liste einreichen.“ Da dies kurz vor der Frist gewesen sei, habe er sich aus Sicherheitsgründen gegen das Zurückziehen und für Option zwei entschieden. Ohne zu erahnen, was das für Konsequenzen hat.

Denn nun ist das Problem, dass die Plätze sechs bis elf der GLA nicht mehr direkt wählbar seien. „Sie können nur noch nachrücken“, erläutert der scheidende Ortsvorsteher, drückt sein Bedauern aus und betont, dass die Listen nicht „konkurrierend“ seien, sondern an einem Strang ziehen wollten: „Es geht um den Ort, nicht die einzelnen Personen“, laute das Credo.

Das unterstreichen auch Gabriele Clement (Platz eins der Liste der GLA) und Katharina Weber (Platz zwei der Liste der Amöneburger Wählergemeinschaft). „Das war vielleicht alles nicht so gut, ist aber eben passiert. Ich bin da unaufgeregt“, kommentiert Clement die Geschehnisse und freut sich beispielsweise, dass Weber auch für den Ortsbeirat kandidiert: „Sie sagte, sie wolle auch die Interessen der Gastronomen vertreten. Ich halte das für absolut sinnvoll und berechtigt.“ Schließlich sei es wichtig, dass möglichst alle „Lebens- und Interessenlagen“ im Ortsbeirat vertreten seien. Und auch die Gastronomin betont, dass es sich nicht um eine Konkurrenz-Kandidatur handele. Sie finde es etwas unglücklich, dass die erste Liste noch vor der erwähnten Ortsbeiratssitzung abgegeben wurde, lobt den Ortsvorsteher aber im selben Atemzug auch, denn er habe ihr und Stein „mit Rat und Tat zur Seite gestanden“ und geholfen.

Den Namen AWG hätten sie und Stein übrigens gewählt, weil dieser frei gewesen sei – mit der Amöneburger Wählergemeinschaft, die seit fünf Jahren der Geschichte angehört, habe das nichts zu tun: „Wir hätten uns auch irgendwie anders nennen können.“

Von Florian Lerchbacher

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