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Ostkreis Die Perle und die Förderung
Landkreis Ostkreis Die Perle und die Förderung
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13:58 22.03.2021
Mit 35 Strahlern setzte die Stadt Stadtallendorf anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) das Dokumentations- und Informationszentrums in Szene.
Mit 35 Strahlern setzte die Stadt Stadtallendorf anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (27. Januar) das Dokumentations- und Informationszentrums in Szene. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

„Die Dunkelheit und drückende Atmosphäre in den Räumen des Dokumentations- und Informationszentrums sind markant und unterstreichen die Qualität dieser wertvollen Ausstellung am ,Tatort der Geschichte’“, betonte Anke Fischer von der Stadtverwaltung, als sie mit Bürgermeister Christian Somogyi und Bundestagsabgeordneten Sören Bartol über eine geplante Erweiterung des Gebäudes sprach.

Alles in einem Gebäude

Es war früher Verwaltungssitz der Dynamik Aktiengesellschaft und später der Aufbaugesellschaft und beschäftigt sich heute inhaltlich mit der Kriegswirtschaft und den Industrieverbrechen in Deutschland in den Jahren 1933 bis 1945 und der Zwangsarbeit unter dem NS-Regime am wohl größten Rüstungsstandort des Zweiten Weltkrieges. Es ist Museum, Begegnungsstätte, Archiv und Forschungsinformationszentrum – und eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus.

Die Dauerausstellung ist als wichtiger Lernort für außerschulische Bildung anerkannt, bietet allerdings nicht die angemessenen Räume, um ein vernünftiges wissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen, sagte der Bürgermeister und erinnerte daran, dass der neue Leiter Dr. Jörg Probst auch noch die wissenschaftliche Begleitung der Ausstellung verstärken und die Uni Marburg einbinden möchte.

Handlungsbedarf bleibt bestehen

Es bestehe also Handlungsbedarf, denn die einzige Arbeitsfläche, die beispielsweise Schülern zu Verfügung stehe, sei Lese- und Arbeitsraum – der gleichzeitig Archiv und Magazin ist. Und der lediglich über ein klitzekleines Fenster verfüge.

Vorträge werden im Erdgeschoss gehalten – in Räumen, die auch das Standesamt nutzt. Kurz: Die Ausstellung sei extrem wertvoll, die Raumverhältnisse allerdings beengt. „Das DIZ bleibt unter seinen Möglichkeiten“, stellte Fischer heraus und erinnerte daran, dass eine Kunsthistorikerin schon vor fünf Jahren eine Erweiterung der Ausstellungsfläche um 300 bis 400 Quadratmeter empfohlen habe.

Bartol: Eine versteckte Perle

„Das DIZ ist eine versteckte Perle, die viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat – auch in Berlin“, kommentierte Bartol und fügte hinzu, dass „erlebbare Geschichte“ angesichts der aussterbenden Zeitzeugen ein wichtiger Anker der politischen Bildung sei. Entsprechend müsse es vor Ort bessere Möglichkeiten zur Recherche geben.

„Das DIZ hat hohes Innovationspotenzial. Eine Erweiterung durch einen Anbau an das Aufbaugebäude wird angestrebt“, resümierte Fischer und erinnerte daran, dass ein Antrag für Fördermittel über das Programm „Nationale Projekte des Städtebaus 2021“ gestellt sei. Falls die Förderzusage komme, solle es einen Architektenwettbewerb für den Anbau geben.

Geschätzte Kosten von rund drei Millionen Euro

Die geschätzten Kosten beliefen sich für das Gebäude (ohne die Ausstellung) und die Gestaltung des Aufbauplatzes auf rund drei Millionen Euro – eine mögliche finanzielle Unterstützung läge also angesichts einer Zwei-Drittel-Förderung bei rund zwei Millionen Euro. Allerdings ist das Programm „extrem überzeichnet“, wie Bartol berichtete.

Somogyi sagte in diesem Zusammenhang, dass der Denkmalschutz in Gesprächen einen klaren Kontrast gefordert habe: Einen Anbau in gleicher Bauweise wie das ursprüngliche Gebäude dürfe es nicht geben. „Über eine gläserne Trennfuge könnte ein moderner Neubau an das Einzelkulturdenkmal angedockt werden“, erläuterte er und forderte die dringende Umsetzung dieses Anliegens. Denn das würde das Leitmotto der Stadt in Sachen Geschichte fördern: „Verzeihen ja, vergessen nie.“

Von Florian Lerchbacher