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Ostkreis Mehr Kinder gleich höhere Kosten
Landkreis Ostkreis Mehr Kinder gleich höhere Kosten
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15:52 28.10.2021
Die Kinderbetreuung geht für Wohratal stärker ins Geld als bisher.
Die Kinderbetreuung geht für Wohratal stärker ins Geld als bisher. Quelle: (Themenfoto)Uwe Anspach/dpa
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Wohratal

Es gehen wieder deutlich mehr Kinder in die beiden evangelischen Kindertagesstätten in Wohra und Halsdorf als noch vor einigen Jahren. Für die Gemeinde in jedem Falle eine gute Nachricht – die Sorge, irgendwann einmal Gruppen schließen zu müssen, ist damit vom Tisch. Sollte der Trend anhalten, dann wird es in nicht allzu ferner Zukunft sogar einmal Überlegungen für mehr Plätze geben müssen. Aktuell werden in Halsdorf 37 Kinder betreut und in Wohra mittlerweile 55. Das sind 12 Kinder mehr als im vorangegangenen Kindergartenjahr.

Doch mehr Kinder in den Einrichtungen bedeuten zwangsläufig auch mehr Kosten und Ausgaben für die Gemeinde Wohratal. Verwaltet werden die beiden Kindertagesstätten vom Zweckverband evangelischer Kindertagesstätten im Kirchenkreis Kirchhain. Der hat der Gemeindeverwaltung die voraussichtlichen Zahlungen im nächsten Jahr mitgeteilt. In Summe geht es um Kosten von rund 540 000 Euro, knapp 69 000 Euro mehr als im laufenden Jahr. Das ist viel Geld für Wohratal.

Höhere Personalausgaben wegen neuer Gesetze

In der Sitzung des Gemeindeparlaments am Dienstagabend informierte Pfarrer Alexander Bartsch als Geschäftsführer des Zweckverbands über die Hintergründe der Kostensteigerung.

Beileibe sind es nämlich nicht nur die gestiegenen Kinderzahlen, sondern vor allem die steigenden Personalausgaben. Gesetzesänderungen zwingen Kindergartenbetreiber dazu, mehr Personal einzustellen, um die Betreuungsqualität zu erhöhen. So sind die Betreiber verpflichtet, mehr Personalreserven bereitzuhalten und mehr Stunden für die Kindertagesstätten-Leitungen vorzusehen. Es geht um einen Personalausbau von etwa 20 Prozent. Laut Alexander Bartsch kann man das durchschnittliche Defizit pro Kind mit etwa 7 000 Euro kalkulieren.

Im nächsten Jahr wird der Zweckverband allerdings die vom Land gewährte Übergangsfrist bis zum 1. August voll ausreizen. Das führe dazu, dass die höheren Personalkosten nur zu einem Teil wirksam werden. „Aber das führt dazu, dass die Kosten im Jahr 2023 noch einmal ansteigen werden“, verdeutlichte Pfarrer Bartsch. Die Kommune Wohratal übernimmt bei der Kinderbetreuung 90 Prozent der ungedeckten Kosten.

Wohratals Gemeindeparlament stimmte dem Vorschlag zu, die gestiegenen Kitakosten exakt so wie veranschlagt im Haushaltsentwurf 2022 vorzusehen. Den will Bürgermeister Heiko Dawedeit (parteilos) voraussichtlich im Dezember im Parlament einbringen. Kritische Worte gab es aus den Reihen der Gemeindevertreter aber dennoch. „Wir werben um junge Familien, aber angesichts der weiter steigenden Kosten müssten wir eigentlich rufen ’bleibt weg!’“, sagte Hannelore Keding-Groll (OLW) angesichts der Ausgaben-Automatismen. Klaus-Dieter Engel (SPD) sieht das Versagen klar beim Land Hessen, das gegen das Konnexitätsprinzip verstoße. Das funktioniert eigentlich nach dem Grundsatz „wer bestellt, bezahlt“. Engel meinte damit die Gesetzesänderungen, die zu den Mehrausgaben führen und die das Land den Kommunen nicht ausgleicht. Eine denkbare Erhöhung von Kindergartengebühren, um die höheren Kosten auszugleichen, war im Gemeindeparlament indessen kein Thema.

Pfarrer Bartsch sieht bei den beiden Wohrataler Einrichtungen auch keine herausragenden Defizite, etwa beim Gebäudezustand oder anderen Kostenpunkten. Der Zweckverband verwaltet aktuell zehn Einrichtungen im Kirchenkreis Kirchhain.

Von Michael Rinde

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