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Ostkreis Hainmühle soll künftig Ökostrom produzieren
Landkreis Ostkreis Hainmühle soll künftig Ökostrom produzieren
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00:17 03.04.2019
Die Wasseranlagen an der Hainmühle sollen für mehr Stromgewinnung genutzt werden.  Quelle: Matthias Mayer
Kirchhain

Vor dem Kirchhainer Ausschuss für Wirtschaft, Umwelt und Verkehr stellte die im Taunus angesiedelte Firma Steinhoff Energie am Montagabend ihre Pläne vor. Das Ergebnis: Am Ohmwehr sollen künftig pro Jahr 403.000 Kilowattstunden Ökostrom erzeugt werden, der einen Wert von jährlich 50.000 Euro haben soll. Damit lassen sich 115 Haushalte mit Strom versorgen, 233 Tonnen CO2 und 400.000 Kilo Braunkohle pro Jahr einsparen.

Diese Daten nannte Diplom-Ingenieur Ronald Steinhoff, dessen „kleiner Familienbetrieb“ alte Wasserkraftwerke umbaut und diese zum Teil auch selber betreibt. Der Fachmann räumte ein, dass der uralte Energieträger Wasserkraft in Hessen nur einen Marktanteil von drei Prozent hat.

Hainmühle besteht seit 1686

Daran ändert auch der Edersee mit seinem 200 Millionen Kubikmetern Wasser fassenden Volumen nichts. Schaut man aber auf die Grundlastfähigkeit der erneuerbaren Energien, steigt die stetig vorhandene Wasserkraft in Hessen mit ihren 623 Anlagen auf 22 Prozent, so Ronald Steinhoff.

Für ihn stecken in den alten Stauanlagen erhebliche Potenziale für die Wasserkraft, zumal diese Anlagen nicht zurückgebaut werden dürfen. Warum das so ist, erklärte er am Beispiel der Hainmühle. Der Abriss des der Stadt gehörenden und von den Eigentümern der Hainmühle zu pflegenden Wehres würde ein erhebliches Absinken des Grundwasserspiegels bedeuten. Mit fatalen Folgen für die Standsicherheit des Bahndamms und der Wohnbebauung.

Die Hainmühle besteht schon seit 1686 und seit den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird dort Strom produziert. Wie Ronald Steinhoff berichtete, stehen die Stromerträge für den Eigentümer in keinem Verhältnis zu den Stromerträgen aus der hauseigenen Turbine. Deshalb werde der Eigentümer seine Wasserrechte an Steinhoff Energie abtreten.

Neues Krafthaus produziert Strom

Was hat das Unternehmen vor? Die jetzige Turbine, flussabwärts auf der rechten Seite gelegenen, wird aufgegeben. Strom soll auf der linken Seite des Wehres flussabwärts gewonnen werden. Auf der Mühleninsel soll ein vier Mal sechs Meter großes Krafthaus mit einer Leistung von 75 Kilowattstunden entstehen.

Da der bestehende Fischaufstieg nicht mehr funktionsfähig ist führt künftig ein sich automatisch reinigender Horizontalrechen zum parallel zum Krafthaus zu bauenden Fischabstieg. Für den Fischaufstieg soll ein Schlitzpass sorgen. Damit wird die Hainmühle, so Ronald Steinhoff, die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie erfüllen. Die angewandte Technik verhindere das Eindringen von Fischen in die Turbine.

Damit wird der Eigentümer die EU-Vorgabe für ein durchlässiges Gewässer erfüllen. Reiner Nau (Bündnis 90/Die Grünen) stellte fest, dass damit die Ohm in ihrem Unterlauf für Fische durchlässig sein wird – mit Ausnahme der Schleuse bei Schönbach. Er regte an, sich bei Gelegenheit um das Thema zu kümmern. Bürgermeister Olaf Hausmann erklärte, dies demnächst auch zu tun.

Kanu-Tourismus stehen Hindernisse im Weg

Uwe Pöppler (CDU) brachte die Chance ins Gespräch, die Ohm für den Kanu-Tourismus zugänglich zu machen. Für Ronald Steinhoff stehen dem zwei Hindernisse im Weg. Die Ohm habe vor dem Zusammenfluss mit der Lahn ein schwieriges Profil: große Breite, geringen Tiefe. Hinzu komme das eigentliche Problem: Die Kanu­tauglichkeit zwischen Marburg und Roth sei noch immer nicht gegeben.

Eine Umsetzung sei nicht in Sicht, so Steinhoff, der auf Pöpplers Nachfrage die Gesamtkosten für das Privatprojekt an der Hainmühle mit 750.000 Euro bezifferte. Privatleute finanzierten das Vorhaben unter dem Dach einer KG. Diese stünden für den Unterhalt des Wehres und der Fischdurchlässe ein, so der Planer. 

Die Unterhaltungskosten bezifferte er auf Nachfrage von Angelika Aschenbrenner (FDP) mit 8 bis 15 Prozent. Seine Firma werde sich mit ihrer zugehörigen Baufirma für Wasserbauten einbringen. Olaf Hausmann sah in dem Projekt einen weiteren Baustein, von den fossilen Brennstoffen wegzukommen. Das werde von der Stadt an der exponierten Stelle der Hainmühle unterstützt.

von Matthias Mayer