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Ostkreis Die Forsts kämpfen um den Forst
Landkreis Ostkreis Die Forsts kämpfen um den Forst
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17:00 10.10.2020
So sieht der Vorschlag aus, den die Familie Forst gerne dem Land präsentieren würde. Quelle: Privatfoto
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Amöneburg

Seit vielen Jahrzehnten kämpft der Amöneburger Reinhard Forst mit der Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtals gegen den Weiterbau der Autobahn 49. Ab Montag wird der Senior wahrscheinlich mit Tochter und deren Nichte vor dem Landtag in Wiesbaden sitzen – und zwar so lange, bis die drei Forst’schen Generationen Gehör bei Ministerpräsident Volker Bouffier finden. Sie hoffe, der Landesvater werde angesichts der hitzigen Diskussionen um die Autobahn 49 und die deutschlandweite Aufmerksamkeit ihnen zehn Minuten Aufmerksamkeit schenken, sagt Angelika Forst. Sie und ihre Familie hätten nämlich eine „regionale Lösung“ für den Konflikt, erklärt sie und betont, den sich eigentlich anbietenden Begriff „Alternative“ zur Autobahn nicht nutzen zu wollen, denn sie habe inzwischen verstanden, dass in politischer Hinsicht die Alternative zu einer Autobahn nur eine Autobahn sein könne. Die Forsts hätten als Lösung jedoch eine Bundesstraße beziehungsweise deren Ausbau zu bieten: „Das ist ein Kompromissvorschlag, der allen hilft und auf offiziellen Belastungsprognosen basiert.“

Forst: Es geht um zwei Kilometer

Es geht letztlich bei diesem Vorschlag, der schon Teil des „Dannenröder Appells“ vor einem Jahr war, um zwei Kilometer. Die Autobahn endete dabei bei Treysa. Es erfolgte ein Weiterbau als zweispurige Straße auf der planfestgestellten Trasse bis zur Straße Speckswinkel–Neustadt und von dort ein Neubau einer zwei Kilometer langen Spange bis zur Bundesstraße 454 Stadtallendorf–Neustadt. Erarbeitet wurde diese Überlegung im Jahr 2009 von SSP Consult, einem Fachbüro. Das geschah im Auftrag der Straßenbauverwaltung. Jene Studie sei erstellt worden, um zu prüfen, welche Auswirkungen ein Autobahnende in Stadtallendorf auf das nachrangige Straßennetz haben würde, erklärt auf Anfrage Franziska Richter, eine Sprecherin des hessischen Verkehrsministeriums. Reinhard Forst sagt: Ein solches Vorgehen bedeute eine optimale Entlastung der Anwohner der B 3. Treysa werde um 8 500 Fahrzeuge entlastet, Homberg um 5 000 Fahrzeuge und Marburg um bis zu 3 000 pro Tag. „Wir würden so alle Probleme lösen“, sagt Angelika Forst und erklärt: „Man kommt problemlos nach Kassel, kann auf der zwei- oder teilweise dreispurigen Strecke Lastwagen überholen, an den Dörfern würde der Verkehr auch vorbeiführen, Stadtallendorf hätte keinen zusätzlichen Lärm und selbst Marburg würde profitieren. Und: Es wäre kein Schlag ins Gesicht der Wirtschaft.“

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Ministerium: Bundesstraße ersetzt keine Autobahn

Für Wiesbaden, wo sich das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen mit dem Ansatz bereits auseinandergesetzt hat, war und ist das Konzept keine Alternative. Sprecherin Franziska Richter erklärt, dass eben jene Studie seinerzeit nicht weiterverfolgt wurde. Sie habe nicht dem Planungsauftrag des Bundes entsprochen. Der hatte sich auf einen Lückenschluss im Autobahnnetz festgelegt. Sprich: Eine Bundesstraße könnte demnach eine Autobahn nicht ersetzen. Außerdem, so Richter, brächte diese Variante weder die gewünschte Entlastung der aktuellen Verbindung von Frankfurt nach Kassel via A 5/A 7 und dem nachrangigen Straßennetz aus Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, noch gäbe es eine signifikante Zeitersparnis durch diese Lösung.

Die Forsts hoffen dennoch, dass sich der Weiterbau der Autobahn noch verhindern lässt. „Bitte bleibt gesprächsbereit“, appelliert die Amöneburgerin an Politiker, aber auch Wirtschaftsunternehmen, Kommunen, Autobahngegner und -befürworter. Ihr sei durchaus bewusst, dass das Schiff „Autobahnweiterbau“ losgefahren sei, aber sie glaube, einen sicheren Hafen gefunden zu haben. Es gelte nur, das Ruder eben rumzureißen. Noch sei es nicht zu spät: Die bisherigen Rodungen werde der Wald kompensieren. Dies hofft sie, dem Ministerpräsidenten verdeutlichen zu können: Der Konflikt wäre gelöst, Polizisten und Autobahngegner müssten einander nicht mehr gegenüberstehen und auch die Firmen würden gut bedient: „Und die hessische CDU könnte sagen, dass sie eine Lösung für alle Probleme gefunden hat. Das wäre doch gut für alle. Ich hoffe, die Landesregierung ist gesprächsbereit.“

Doch das Verkehrsministerium verweist auf den Bund, dem Vorhabenträger für die A 49. Ein Moratorium könne daher nur vom Bund selbst erwirkt werden, so Sprecherin Richter. Die Möglichkeit eines Moratoriums durch das Land Hessen – unabhängig von hervorgebrachten Alternativen – bestehe an dieser Stelle nicht, sagt Richter.

Von Florian Lerchbacher und Michael Rinde