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Ostkreis Die „Danni“-Geschehnisse als Bildband
Landkreis Ostkreis Die „Danni“-Geschehnisse als Bildband
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16:58 27.02.2021
Fotos wie dieses aus dem Dannenröder Forst sind in dem neuen Bildband zu sehen.
Fotos wie dieses aus dem Dannenröder Forst sind in dem neuen Bildband zu sehen. Quelle: Björn Kietzmann
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Stadtallendorf

Viele Monate hielten die Geschehnisse im Herrenwald und im Dannenröder Forst die Menschen in der Region – aber auch weit darüber hinaus – in Atem. Zu den Protesten gegen den Weiterbau der Autobahn 49 und für Klimaschutz und Verkehrswende hat der freie Journalist und Fotograf Björn Kietzmann nun einen 116 Seiten starken Bildband herausgegeben. Zu sehen sind mehr als 100 Bilder, die zwischen September und Dezember 2020 entstanden – und von denen einige unter anderem in der taz und im Spiegel erschienen, wie der Fotojournalist betont.

Viel Zeit für den Forst

Fotos von ihm seien aber auch schon im Time-Magazin, in „The Times“, der Neuen Züricher Zeitung, El Pais oder La Repubblica zu sehen gewesen, ergänzt der 40-Jährige, der sich vornehmlich mit gesellschaftlichen, politischen und sozialen Themen beschäftigt. Seine Reportage „GenerationTrauma“ über Kinder in Syrien, die er zusammen mit Ruben Neugebauer fotografierte, wurde für das Unicef-Foto des Jahres 2013 nominiert. Rund um den Dannenröder Forst habe er so viel Monate verbringen können, weil bedingt durch die Corona-Pandemie schlicht mehr Zeit gewesen sei, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Fasziniert habe ihm bei der Berichterstattung aus dem Wald, dass zahlreiche Bewegungen wie BUND, Fridays For Future oder Extinction Rebellion kooperiert hätten. Besonders spannend finde er indes die Spaltung der Grünen – deren Vertreter vor Ort sich gegen den Weiterbau wehrten, während es auf Bundes- und insbesondere Landesebene ganz anders aussah. Vor allem aber hätten ihn die Bauten in den Wäldern an die Hüttendörfer der 1980er-Jahre und die Proteste gegen Atomkraft interessiert: „Ich dachte, das ist eine längst ausgestorbene Protestform – aber sie kommt zurück“, sagt Kietzmann.

„Moralische Frage“

Der 40-Jährige studierte Politik- und Sozialwissenschaften in Wuppertal, Jena und Berlin – wo er lange lebte, ehe er ins Rheinland umzog. Der Titel seines Bildbandes lautet „Kein Baum ist egal“. Das Buch beginnt mit einem Vorwort, in dem der Fotojournalist unter anderem darauf hinweist, dass der Konflikt aus seiner Sicht keineswegs „nur ein regionaler Streit“ um 42 Kilometer Autobahn sei, „sondern ein zentrales zeitgeschichtliches Protestereignis, welches von zahlreichen Einzelpersonen, Organisationen, Kampagnen und Initiativen der Klimaschutz-Bewegung getragen wurde.“

Der „Danni“ sei zum Symbol im Kampf für eine grundlegende Verkehrswende und für Klimaschutz geworden: „Einen Wald zu besetzen, damit dort keine Autobahn gebaut wird, brachte die Verkehrswende-Proteste in Deutschland auf eine neue Stufe.“ Er glaubt, dass die „moralische Frage“, ob eine Autobahn angesichts des Klimawandels durch ein „altes, intaktes Waldsystem“ führen müsse, künftig bei der Planung weiterer Verkehrsinfrastrukturprojekte sicher eine Rolle spielen werde.

Sein Bildband endet mit einem Nachwort (Der Traum der Siebenschläfer) von Carola Rackete, die als Kapitänin des Seenotrettungsschiffs “Sea-Watch 3“ im Juni 2019 einen Namen gemacht hatte und sich im Herbst 2020 mehrere Wochen im Dannenröder Wald aufhielt (die OP berichtete). Im November wurde sie von Polizeikräften aus einem Baumhaus geräumt.

Von Florian Lerchbacher

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