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Ostkreis Nun ist Trockenzeit
Landkreis Ostkreis Nun ist Trockenzeit
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14:00 08.10.2020
Das Freibad Kirchhain steht vor seiner Grundsanierung.   Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Kirchhain

Die Saison im Kirchhainer Freibad war – wie in so vielen Anlagen dieser Art ebenfalls – eine besondere: Sie begann später als üblich und es gab aufgrund der Corona-Pandemie ganz neue Vorschriften und Einschränkungen. Nichtsdestotrotz seien sowohl die Stadt als auch die Besucher zufrieden gewesen, berichtet Bürgermeister Olaf Hausmann – auch wenn die Saison kein Zuckerschlecken und der Personaleinsatz immens gewesen sei. Doch nun ist erstmal Trockenzeit angesagt, denn die Kommune lässt das Freibad für sechs Millionen Euro quasi von Grund auf erneuern. Angesichts der Größenordnung der geplanten Umgestaltung ist die Wiedereröffnung erst für das Jahr 2023 geplant, die Saisons 2021 und 2022 fallen aller Voraussicht nach ins Wasser (das eben überall sein wird, nur nicht in den Becken).

Geplant ist unter anderem, ins 50-Meter-Becken ein Edelstahlbecken einzuziehen, außerdem will die Stadt die Technik rundum erneuern und einen Drei-Meter-Sprungturm und ein Ein-Meter-Brett aufbauen. Der Rathauschef berichtet des Weiteren von geplanten „Attraktivitätssteigerungen im Bereich Planschbecken, Rutschen und in der Außenanlage“ – das seien zum Beispiel Massagedüsen oder ein Verbindungsweg zwischen Nichtschwimmer- und Planschbecken. Es sei wichtig, dass eine Stadt der Größe Kirchhains über ein Bad mit Familiencharakter verfüge – was durch Unterhaltungselemente wie Sprunganlagen, Rutschen, aber auch Aufenthaltsqualität gewährleistet werde. Gleichzeitig kämen aber auch Schwimmer angesichts der Länge des großen Beckens gut zum Zuge.

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Doch damit noch nicht genug: Auch die Sanierung der Gebäude ist vorgesehen – inklusive des Einlassbereichs, der Sanitäranlagen und des Umkleidetraktes. Eigentlich hatte die Stadt dies aufgrund der Kosten für spätere Jahre vorgesehen, doch Kirchhain kommt in den Genuss höherer Fördermittel als einst vorgesehen. Ursprünglich war eine Million Euro aus dem „Swim“-Programm einberechnet – plus 150 000 Euro vom Landkreis. Entsprechend hatte die Kommune daher nur Sanierungsarbeiten im Wert von 4,3 Millionen Euro geplant. „Wir hätten das Projekt gestreckt, aber nun können wir alles auf einmal erledigen“, freut sich Hausmann: Vom Bund kommen nämlich noch einmal 2,2 Millionen Euro hinzu. Trotz der Förderung bleibe für die Stadt ein Eigenanteil von rund drei Millionen Euro, was in der Finanzplanung für die nächsten Jahre berücksichtigt werden müsse. Im Herbst will die Stadt die aktuellen Pläne der Öffentlichkeit vorstellen – damit diese sich noch einmal ganz konkret darauf freuen kann, was sie in der Zukunft erwartet.

Die abgelaufene Freibadsaison sei jedenfalls gut bei den Menschen angekommen, so der Bürgermeister. Die Besucher hätten dem Bad trotz der Corona-Krise die Treue gehalten. 80 Tage war die Einrichtung geöffnet – also 40 weniger als in den Vorjahren. Dafür täglich eine Stunde länger, um die Corona-bedingte Block-Bildung mit einem Wechsel bei den Gästen um die Mittagszeit besser regeln zu können. Das schlug sich auch in den Zahlen nieder: Die Stadt verzeichnete 7 800 Besucher – im Jahr 2019 waren es noch 12 500 gewesen. Entsprechend geringer fielen auch die Einnahmen aus: Statt 55 000 Euro spülte das Freibad dieses Mal nur 31 000 Euro in die Stadtkasse.

„Es war eine besondere Saison, das muss man definitiv sagen. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Viele sagten uns, dass sie einfach froh seien, dass das Bad geöffnet sei und somit eine Alternative zum ,Nicht-in-den-Urlaub-fahren“, lautet das Fazit Hausmanns. Das von der Stadt – vornehmlich von Heike Scharlach vom Stadtbauamt – erarbeitete Hygienekonzept sei ebenso wie die Lösungen mit Bällen an der Kasse, um einen Überblick über die Gästezahl behalten zu können, gut angekommen: „Das war eine handgestrickte, einfache Lösung – die aber gut funktionierte.“ Mit der Zahl von maximal zugelassenen 600 Gästen sei es aber nur an zwei Tagen knapp geworden, Besucher abweisen musste die Stadt jedoch nicht: Die auf der Homepage eingerichtete Ampel sprang lediglich auf Gelb, nicht aber auf Rot.

Vor allem habe er festgestellt, dass den Besuchern der Kontakt zu Menschen wichtig sei, berichtet Hausmann. Die Stadt hatte zum üblicherweise verwendeten Kassenautomaten noch Angestellte gesetzt. An deren Kassenhäuschen wurden 6 900 der insgesamt 7 800 Karten gekauft – ein Trend, der sich auch bei den Saisonbadekarten abzeichnet: Die Stadt verkaufte 300 davon – aber nur 80 über das Online-Angebot: „Personal wird positiv registriert“, so das Stadtoberhaupt, das sich über das Sozialverhalten freute.

Von Florian Lerchbacher