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Ostkreis Die A49 ist hörbar und sichtbar
Landkreis Ostkreis Die A49 ist hörbar und sichtbar
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07:58 21.07.2021
Die künftige Kehlbachbrücke bei Wiera ist inzwischen schon erkennbar. Dort fließt bereits Beton.
Die künftige Kehlbachbrücke bei Wiera ist inzwischen schon erkennbar. Dort fließt bereits Beton. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Diese Brücke dürfte wohl das am weitesten fortgeschrittene A-49-Bauwerk in diesen Breitengraden sein, die Überquerung der Landesstraße 3342 bei Wiera. Dorthin wird der erste produzierte Beton aus dem Betonwerk Stadtallendorf derzeit gebracht. Doch die Autobahn wird vielerorts greif- und sichtbar, nicht nur wegen der seit vergangenem Winter gerodeten Trassenabschnitte durch den Herrenwald oder den Dannenröder Forst. „Es gibt wohl keinen der gut 30 Kilometer Neubautrasse, wo wir noch nicht tätig geworden sind. Die Bauaktivitäten finden auf der gesamten Strecke statt“, sagt Jürgen Driebe. Er ist technischer Geschäftsführer der A49-Autobahngesellschaft mbH.

Die A49-Großbaustelle wird die Menschen in weiten Teilen des Ostkreises noch jahrelang tangieren. Inzwischen sind erste Bauwerke erkennbar. 

Sie ist der private Partner beim Bau und Betrieb der A49-Strecke, bei dieser öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP). Neu gebaut werden 31 Kilometer, weitere 30 bestehende A49-Kilometer sind Teil des ÖPP-Vertrages, wovon die Gesellschaft bereits etwa 19 Kilometer zwischen den Anschlussstellen Fritzlar und Neuental betreut und erhält. Deshalb hat sie auch in den Bestand investiert und beispielsweise Brückenkonstruktionen verstärkt. Das war Teil der Ausschreibung des ÖPP-Vertrages.

Aktuell hat die Autobahngesellschaft 13 von 46 Betonbauwerken begonnen. Das ist mehr oder weniger entlang der Trasse auch schon sichtbar. An dem wohl größten Brückenbauwerk, der Gleentalbrücke, sind zumindest Vorarbeiten in Gang, aktuell geht es vor allem noch um Leitungsarbeiten. Diese Brücke überspannt dereinst die B62 zwischen Lehrbach und Niederklein. Aufregung gab es, als ein Landwirt als Flächeneigentümer versuchte, eine einstweilige Verfügung für einen Baustopp zu erreichen (die OP berichtete). „Die Deges hat uns bestätigt, dass dort Baufreiheit besteht, es gibt keine Zeitverzögerung“, sagt Geschäftsführer Driebe.

Der Terminplan steht nach wie vor

Der Zeitplan für alle Bauarbeiten auf der A49-Trasse ist straff. Exakt 50 Monate Bauzeit sind für die 31 Kilometer Strecke samt Brücken vorgesehen. Übergabetermin ist am 31. Oktober 2024, so ist es im ÖPP-Vertrag festgeschrieben. Jürgen Driebe formuliert es klar und deutlich: „Der Termin ist derzeit ungefährdet, bisher gibt es keine Verzögerungen.“ Klar sei auch, dass die seit längerem in Bau befindliche A-49-Strecke zwischen Neuental und Schwalmstadt pünktlich freigegeben werde, also zum 1. Juli 2022, einschließlich des Tunnels bei Frankenhain. Es bleibt eine spannende Frage, wie dann der Verkehr durch Neustadt und Stadtallendorf geführt werden wird. Schließlich dauert es dann noch mehr als zwei Jahre bis zur durchgängigen Nutzung der Autobahn 49 bis zum Ohmtaldreieck. Doch an dieser Stelle sind Straßenbauverwaltung und Politik dann gefordert.

An anderer Stelle merken die Menschen die Autobahnstelle in ihrem unmittelbaren Alltag. Beispielsweise beim Erdaushubtransport. Auf der Straße zwischen Mengsberg, Momberg und Neustadt gibt es dichten Lkw-Verkehr. Ein Teil des nicht benötigten Erdaushubs gelangt zum Kiessee bei Kirchhain-Niederwald, der teils verfüllt wird.

Noch keine Lösung in Sachen Vollsperrung

Für Autofahrer wie Anwohner in Neustadt oder Momberg eine Belastung, etwa in der Lehmkaute zum Beispiel. Jürgen Driebe verweist darauf, dass nicht alles Erdreich, was für den Abschnitt zwischen Schwalmstadt und Neustadt ausgebaggert wird, nach Niederwald gelangt. Ein erheblicher Teil bleibe auch auf der Trasse, wird also nur verschoben, wenn möglich auf der Trasse selbst, um Verkehr zu vermeiden. Es ist bereits einiges Erdreich bewegt worden: Allein auf diesem Abschnitt geht es um 1,1 Millionen Kubikmeter Erde, die bewegt werden. 130 000 Kubikmeter wurden auf der Strecke bereits bewegt, weitere 140 000 Kubikmeter sind abgefahren worden. „Wir gehen nur an wenigen ausgewählten Anbindungen mit unseren Transporten ins Straßennetz“, sagt Driebe.

Noch offen ist die Frage, ob es zwischen Stadtallendorf und Niederklein zu einer Vollsperrung kommen wird und wie eine Umleitungslösung aussieht. Jürgen Driebe spricht von „guten Gesprächen mit allen Beteiligten“ über eine Lösung. Natürlich gebe es eine Lösung für Feuerwehr und Rettungsdienst.

Die Stadt Stadtallendorf fürchtet im Falle einer zehnmonatigen Vollsperrung allerdings zumindest phasenweise massive Verkehrsprobleme bis hin zu einem Verkehrsinfarkt. Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi hatte im Stadtparlament zuletzt mitgeteilt, dass es noch keine Übereinkunft bei diesem Thema gibt.

Eine Sperrung indessen steht fest: Voraussichtlich ab August „springt“ die A49 über die Bundesstraße 454 in Höhe der Wasserscheide hinweg. Dann soll es eine Umfahrungslösung geben, die zum Teil über die Kreisstraße 12, zum Teil auch über eine Verbindung durch das Industriegebiet Nordost führen wird.

Von Michael Rinde

Konflikt um Radwegumleitung

Schwalmstadt und Neustadt haben in Sachen Radwegumleitung weitere Gespräche mit der Projektgesellschaft Deges geführt, die unter anderem für die Bauvorbereitung verantwortlich ist.

Konkret geht es um den Deutschlandradweg 4, der durch die A49-Bauarbeiten zwischen Momberg und Neustadt unterbrochen wird. Gestern erhielten die Kommunen Post von Deges. Demnach sieht sich Deges nicht in der Pflicht, es dürfte also bei der Radverkehrsführung auch über die Kreisstraße bleiben.

Erhofft hatten sich beide Kommunen eine Herrichtung der Strecke über das „Frauenrodt“. Doch daraus wird nichts werden. Es bliebe also die Nutzung der Kreisstraße 17 für Radfahrer und Wirtschaftswege in nicht gutem Zustand.

Neustadts Bürgermeister Thomas Groll: „Die K17 ist angesichts des Baustellenverkehr nicht zumut- oder verantwortbar.“ Für das Nein von Deges zu Änderungen habe er keinerlei Verständnis. „Man sollte die, die immer zur A49 gestanden haben und stehen, nicht nachhaltig verärgern“, schlägt er warnende Töne an.

Klar ist, dass im Planfeststellungsbeschluss keine Radwege-Führung als Umleitungsstrecke festgelegt wurde. Seinerzeit war die Situation allerdings anders.

Die Deges sieht das anders. Ertüchtigungen von Wirtschaftswegen, die auch als dauerhafte Lösung für den Radverkehr gesehen werden könnten, sind demnach keine Folgemaßnahme aus dem Autobahnbau, so die Projektgesellschaft.

Zeitplan

Die Kernbauzeit für die Autobahn 49 von Schwalmstadt bis zum Ohmtaldreieck an der Autobahn 5 liegt zwischen Dezember vergangenen Jahres und dem 31. Oktober 2024, zumindest für den Streckenbau. Bei den Brückenbauwerken gehen die Planungen von einer Kernbauzeit bis zum Dezember 2023 aus. Noch bis Ende Oktober 2025 wird es landschaftspflegerische Arbeiten geben. Außerdem fällt in diesen Tagen der Startschuss für den Bau der Straßenmeisterei Schwalmstadt. 

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