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Ostkreis A-49-Trasse ist jetzt frei von Granaten
Landkreis Ostkreis A-49-Trasse ist jetzt frei von Granaten
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17:00 23.11.2019
Ein Kampfmittelexperte geht mit einer elektronischen Sonde durch den Herrenwald. Quelle: Tobias Hirsch
Stadtallendorf

Es piepst mal kürzer, mal länger anhaltend während ein Kampfmittel-Experte mit der elektronischen Sonde durch ein Waldstück im Wasag-Gelände geht. „Da liegt was“, sagt er, als er an einer Stelle verharrt. Was da liegt, wird sich bei späterer näherer Untersuchung zeigen. Zunächst markiert er die Stelle. Später folgt der Einsatz einer weiteren Sonde, bevor das Fundstück ausgegraben wird.

Die durchschnittlich etwa 40 Kampfmittel-Experten haben in den zurückliegenden Monaten schon einiges gefunden auf der geplanten Trasse der A 49, die unter anderem nahe dem früheren Mobilmachungsstützpunkt und der Scharnhorststraße entlang führt. An der Trasse befand sich auch ein Sprengtrichter aus der Zeit nach 1945, wo im Auftrag der Alliierten Munition gesprengt wurde. Vor allem war es Munition aus den Sprengstoffwerken von DAG und Wasag.

Wie sich bei den Kampfmittelräumungen bestätigt, wurde dabei beileibe nicht immer sauber gearbeitet. „Nicht alles, was gesprengt wurde, ist auch explodiert und teilweise sehr weit verstreut worden“, sagt Horst Kuipers. Er ist Projektleiter bei der Firma Schollenberger, die die Kampfmittelräumung in Stadtallendorf übernommen hat. Auftraggeber ist dabei die Firma Deges. Das Bund-Länder-Unternehmen hat die Bauvorbereitungen für die A 49 übernommen.

Ihre Hauptaufgabe besteht darin, den privaten Partner für den Weiterbau und Betrieb der Autobahn auszuwählen. Die Kampfmittelexperten finden einiges: vom Granatsplitter über Patronen bis hin zu Granaten mit einem Durchmesser von zwei bis 15 Zentimetern. Den größten Teil transportiert der Kampfmittelräumdienst ab, um ihn zu entsorgen.

Bis Februar sollen alle Erkundungs- und Räumarbeiten beendet sein

Was nicht mehr transportfähig ist, das muss vor Ort auf entsprechend abgesichertem Stadtallendorfer Bundeswehrgelände gesprengt werden. Das passiert bei Bedarf immer freitags und ist auch weithin hörbar. Seit Beginn haben die Kampfmittel-Beseitiger allein 1.866 Stück Munition gefunden plus weitere sechs Tonnen Munitionsreste. Diese Zahlen entsprächen in etwa dem, was man nach den vorherigen Erkundungen geschätzt habe, so der Projektleiter.

Seit Jahren warnt die Bundeswehr energisch davor, bestimmte Wege im Herrenwald zu verlassen oder gar gezielt nach Munitionsresten zu suchen. Kampfmittelexperte Kuipers hält diese Warnungen für richtig und rät, sie sehr ernstzunehmen. Er zeigt der OP einen Eimer voll Munitionsreste. Als solches lassen sich die Granatenteile kaum mehr erkennen. Diese Reste enthalten teilweise noch Sprengstoff.

Entscheidend bei einer gefundenen Granate sei immer der Zünder und dessen Zustand. „Ob eine gefundene Granate noch scharf ist, kann nur ein Experte entscheiden“, betont Kuipers. Bis nächsten Februar sollen alle Erkundungs- und Räumarbeiten beendet sein. Dazu werde noch mehr Personal eingesetzt, kündigt Deges an.

Zumal die Arbeiten im Winter nur unter erschwerten Bedingungen möglich sein werden. Das Suchgebiet ist genau ausgemessen und parzelliert. Gibt es einen Verdacht, dass sich nahe eines Baumes Munition befinden könnte, werden der Baum und seine direkte Umgebung vorsichtig freigeschnitten.

von Michael Rinde