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Ostkreis Wasserleitung wird tiefergelegt
Landkreis Ostkreis Wasserleitung wird tiefergelegt
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18:00 26.09.2019
Ein Teil einer Hauptwasserleitung kommt wegen der Autobahn tiefer in die Erde. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Ab 1. Oktober dürfen Bäume auf und entlang der Autobahntrasse fallen. Schon jetzt ist an verschiedenen Stellen deutlich sichtbar, dass der A-49-Weiterbau näherrückt. Besonders markant, wenn auch nicht für jedermann sichtbar: Der Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke (ZMW) legt gerade eine Haupttrinkwasserleitung zehn Meter tiefer.

Sie versorgt Teile von Stadtallendorf und Neustadt. Die Tieferlegung geschieht dort, wo die Leitung die Trasse kreuzen wird, auf Bundeswehrgelände. Sie liegt auf einer Fläche der früheren Füllgruppe II. Dort läuft parallel die Sanierung von Rüstungsaltlasten (die OP berichtete). Die Sanierungsarbeiten zumindest auf der Trasse werden, Stand jetzt, Ende des Jahres beendet sein.

Riesen-Erdüberschuss

Am Montagabend organisierte die Stadtverwaltung eine besondere Rundfahrt entlang zentraler Punkte der künftigen Autobahntrasse innerhalb Stadtallendorfs. Mit dabei: Der Projektleiter der Deges, Bernhard Blümel, ZMW-Geschäftsführer Karl-Heinz Schäfer und Kasernenkommandant Oberstleutnant Stephan May.

Deges ist das Unternehmen, das die Vorarbeiten koordiniert und vor allem den künftigen Bauherrn auswählt. Die A 49 wird zwischen Schwalmstadt und Gemünden (Felda) über eine öffentlich-private Partnerschaft gebaut und 30 Jahre lang betrieben.

Die Stadtallendorfer werden den Bau und den Betrieb der Autobahn an mehreren Punkten merken. Oberhalb des Gewerbegebiets Nordost verlässt die A 49 den Wald. Dort liegt sie dann etwa sechs Meter tiefer als aktuell beispielsweise die Bundesstraße 454. Das bedeutet gewaltige Erdbewegungen. Auf der gesamten Neubaustrecke, so kalkuliert Deges aktuell, entsteht ein Erdüberschuss von zwei Millionen Kubikmeter.

"Monster-Brücke"

Ein weiterer markanter Punkt der Trasse liegt zwischen Niederklein und Lehrbach. Dort entsteht ein Brückenbauwerk von 30 Metern Höhe, das dann die Bundesstraße 62 auf einer Länge von 460 Metern überspannen wird. Projektleiter Blümel merkt dann auch an: „Dieses Bauwerk ist bauzeitenrelevant“. Etwa drei Jahre dauert der Bau allein dieser „Monster-Brücke“.

Die A 49, so das erklärte Ziel, soll im Jahr 2024 durchgängig befahrbar sein. 30 Kilometer Neubaustrecke samt Brücken sind dafür nötig. Am Anfang steht dabei generell der zeitaufwendige Brückenbau. Am Schluss der Tour gab es noch kurze Vorträge von ZMW, Deges und Bundeswehr. Ein Thema treibt derzeit vor allem die A-49-Gegner um: der Grundwasserschutz während der Bauphase und dem Autobahnbetrieb.

Der ZMW ist gefordert und arbeitet seit längerem an dem Komplex A 49. Neben der erwähnten „Tiefer­legung“ jener Hauptleitung muss auch noch eine Brunnensammelleitung verlegt werden. Zwei Brunnen muss der ZMW zwischen Niederklein und Lehrbach während der Bauphase vorsorglich vom Netz nehmen. „Wir erreichen trotzdem die nötigen Fördermengen“, sagt ZMW-Geschäftsführer Schäfer.

Technik generalüberholt

Rund 600.000 Menschen versorgt der Verband mit Trinkwasser. Die Brunnengalerie Süd zwischen Niederklein und Lehrbach ist dabei besonders wichtig. Um weiteren Ausfällen von Förderbrunnen vorzubeugen, hat der ZMW in größerem Umfang Technik erneuert.

Die Grundwasserüberwachung, die es 2006 bei der Baurechtschaffung gab, hat die Deges im Jahr 2017 wieder aufgenommen. Das alles hat auch seinen Preis: Allein die Brunnensammelleitung wird etwa zwei Millionen Euro kosten, von denen aber der künftige Bauherr der A 49 einen großen Teil erstatten wird. 

von Michael Rinde