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Ostkreis Der Macher der Elektro-Normen
Landkreis Ostkreis Der Macher der Elektro-Normen
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17:58 24.01.2020
Hans-Jürgen Schneider mit einem Teil der Dokumentationen über die Normen, die er derzeit mit zahlreichen Ausschüssen neu erarbeitet. Quelle: Andreas Schmidt
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Stadtallendorf

Schneider hat eine Mission: Mit der Überarbeitung der „Deutschen Industrie-Normen“, besser bekannt als DIN, die Bestimmungen für Elektroplanungen rund um den Bau zukunftssicher zu gestalten. Deswegen sitzt der 75-Jährige in zahlreichen Ausschüssen, ist dabei ein maßgeblicher Player.

Hans-Jürgen Schneider sagt selbstbewusst: „Stadtallendorf soll das Drehkreuz der Elektroplanung, Ausschreibung, Vergabe und Objektüberwachung werden.“ Denn die Industriestadt im Ostkreis ist Firmensitz von „elektroplan schneider“, einem der Unternehmen des Machers.

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Doch warum ist es so wichtig, die Normen zu überarbeiten? „Weil die Elektroplanung heute eine essentielle Rolle spielt“, sagt Schneider. Es gehe nicht mehr nur darum, wie Leitungen vom Sicherungskasten zu Schaltern, Anschlüssen und Steckdosen geführt würden. „Die Elektroplanung spielt eine wesentliche Rolle – denn das Leben wird immer digitaler. Und entsprechend wichtig sind mittlerweile Themen wie Smart Home.“

Mit anderen Gewerken abstimmen

Doch damit nicht genug. Schneider weiß: „Es gibt keinen Lebens- oder Arbeitsbereich, der nicht von der Elektroplanung berührt wird.“ Ob elektrische Anlagen, Beleuchtung, Blitzschutz, Telekommunikation, Brandmelde- oder Alarmanlagen, Videoüberwachung, Übertragungsnetze oder Gebäudeautomation – „diese Punkte spiegeln nur einen Teil dessen, wofür die Elektrotechnik eine wesentliche Rolle spielt“, verdeutlicht der Ingenieur.

Entsprechend aufwendig und wichtig sind detaillierte und vor allem auch mit anderen Gewerken abgestimmte Planungen. Damit diese Planungen nicht nur auf theoretischen Füßen stehen, sondern eine rechtliche Grundlage haben, werden nun die entsprechenden Normen überarbeitet – diese sind dann rechtsverbindlich gültig.

Für Hans-Jürgen Schneider ist klar, dass der Bauherr dadurch einen großen Vorteil hat: „Wenn die Planung entsprechend erfolgt ist – und das wird festgeschrieben –, dann ist der Bauherr auf der sicheren Seite. Denn er bekommt nach einer vollständigen Elektroplanung die Revisionsunterlagen, die für den späteren Betrieb, die Instandhaltung und eventuelle Erweiterungen vollständig erstellt werden.“ In der Folge könne der Bauherr auf eine komplette und mängelfreie Fertigstellung vertrauen – inklusive der Dokumentation, „in der alles detailliert festgehalten ist“.
Der Elektroplaner ist dabei für Planung, Ausschreibung, Auftragsvergabe und Objektüberwachung zuständig. Der Elektriker führt die Arbeiten dann entsprechend aus.

Lade-Infrastruktur muss stimmen

Das Erstellen der Normen in den entsprechenden Fachausschüssen ist nicht leicht „und mit vielen Diskussionen verbunden“, weiß er. Doch Schneider ist überzeugt, dass es sich lohnt – „für Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung der Elektroanlagen die entsprechenden verbindlichen Regeln aufzustellen – im Sinne der Sicherheit“.

Auch das Thema E-Mobilität liegt Schneider am Herzen: Er weiß, dass die Akzeptanz für die „Stromer“ nur dann steigt, wenn die Lade-Infrastruktur stimmt. Doch gerade in großen Wohnvierteln ist Phantasie gefragt, denn die – mitunter zu schwach dimensionierten – Netze müssen es aushalten, „wenn alle von der Arbeit kommen und dann ihr E-Auto laden wollen“.

„Smart Grids“ können dafür ein Thema sein – also „intelligente“ Netze, die Autos nicht alle gleichzeitig laden, sondern im Wechsel. Denkbar wären auch Ladepunkte per Induktion für „Laternenparker“ und, und und – für Schneider ist es selbstverständlich, auch zu Lösungen an diesem Thema mitzuarbeiten. Und das nicht nur in der Theorie: Am Firmensitz von „elektoplan schneider“ in der Stadtallendorfer Donaustraße hat Hans-Jürgen Schneider eine E-Tankstelle errichtet. „Und das nicht nur für unsere eigene E-Mobil-Flotte, sondern für alle“, sagt er.

von Andreas Schmidt