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Ostkreis Auch die Kleinen haben Perspektive
Landkreis Ostkreis Auch die Kleinen haben Perspektive
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00:24 30.06.2019
Die Entwicklung der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule ist weiterhin positiv. Sie spielt im Schulsystem im Ostkreis und darüberhinaus wie bisher auch eine tragende Rolle.  Quelle: Florian Lerchbacher
Marburg

Der Schulentwicklungsplan eines hessischen Landkreises entscheidet über die Zukunft von Schulstandorten und teilweise auch über deren Entwicklungsperspektiven. Im noch gültigen Plan waren elf Schulstandorte ausgewiesen, bei denen das Kultusministerium aufgrund niedriger Schülerzahlen eine genaue Beobachtung der Situation gefordert hatte.

Die gute Nachricht: Bei keiner dieser Schulen kommt es im neuen Planentwurf zu Veränderungen oder gar Schließungen. Alle diese Schulen wiesen jetzt stabile Schülerzahlen auf und bei allen sei die Bildung von zwei Klassen möglich, sagt Schuldezernent Marian Zachow (CDU).

Dabei stand es bei Beginn des noch gültigen Schulentwicklungsplanes wahrlich schlecht um die Zukunft der ein oder anderen Schule oder um Teile ihres Angebotes. „Ich bin meinem Vorgänger Dr. Karsten McGovern dankbar, dass er bei den fraglichen Schulen nicht die Kettensäge angesetzt, sondern sie erhalten hat“, sagt Zachow aus der Gegenwart heraus.

Das Ziel, kleine Schulen vor Ort zu erhalten und auch längerfristig zu sichern, sieht Zachow im Entwurf des Schulentwicklungsplanes erreicht. Aber eines steht mit diesem Plan auch fest: Einklassige Schulen, an denen Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse unterrichtet werden, wird es im Kreis nicht geben. Dies sei nicht zweckmäßig und habe sich in der Vergangenheit nicht bewährt, so der Schuldezernent.

Schulentwicklungsplan

Die Pflicht zum Aufstellen des Schulentwicklungsplanes geht auf das Hessische Schulgesetz zurück. Darin heißt es im Para­grafen 145, Absatz 1: „Die Schulträger stellen Schulentwicklungspläne für ihr Gebiet auf. In den Plänen werden der gegenwärtige und zukünftige Schulbedarf sowie die Schulstandorte ausgewiesen. Für den Schulort ist anzugeben, welche Bildungsangebote dort vorhanden sind und für welche Einzugsbereiche sie gelten sollen.“
Der formalen Aufstellung des Schulentwicklungsplanes gehen Anhörungen voraus. Der Kreistag beschließt den Schulentwicklungsplan, der nach Genehmigung durch das Kultusministerium für fünf Jahre gilt. Das Kultusministerium kann bei der Genehmigung auch Auflagen erteilen.

Bei den weiterführenden Schulen stabilisieren sich die Schülerzahlen laut dem Planentwurf in etwa auf dem jetzigen Niveau, so die Prognose (siehe Kasten „Schülerzahlen“). Das entspricht der Entwicklung der Geburtenzahlen. Die wieder stärkeren Geburtenjahrgänge machen sich zurzeit bei Grundschulen schon bemerkbar.

Gleichwohl führt der neue Schulentwicklungsplan an der ein oder anderen Schule im Landkreis zu Veränderungen oder Umorganisationen. Ein Beispiel: Um die Schülerzahlen an der Grundschule Anzefahr-Niederwald stabil zu halten, sollen ihr die Kinder aus den Stadtteilen Stausebach und Himmelsberg zugeteilt werden. Bisher sind sie der Grundschule Kirchhain zugeordnet. Auf die Grundschule Kirchhain habe dies keinen Einfluss, so der Schuldezernent.

An beiden Standorten, also Anzefahr wie auch Niederwald, ist die Bildung von jeweils zwei Klassen möglich und statistisch gesichert. Wobei der Schuldezernent generell einschränkt, dass das Schulwahlverhalten von Eltern nicht mehr absehbar ist.

Es gibt aber auch weiterhin Sorgenkinder unter den Schulstandorten im Kreis. Einige Beispiele dafür: Burgwaldschule Wetter, Außenstelle Mellnau und Oberrosphe: „Ab dem Schuljahr 2023/2024 könnte es dort aufgrund der Schülerzahlenprognosen kritischer werden“, sagt Zachow. Sprich: Es droht möglicherweise eine Einklassigkeit an einem Standort, was der Kreis nicht mehr zulassen wird. Um einer solchen Situation vorzubeugen, will der Landkreis ab dem Jahr 2021 einen „Prozess anstoßen“, sprich Gespräche mit der Schulgemeinde führen.

Einige positive Beispiele vorhanden

Ein „Sorgenkind“ – immer allein aufgrund der Schülerzahlen und deren Entwicklung hin – sieht der Kreis auch bei der Grundschule Hachborn/Rauischholzhausen. Wobei Schuldezernent Zachow gleich einschränkt: „Da könnte es theoretisch kritisch werden“. Zachow und die Kreisverwaltung gehen davon aus, dass sich die Schülersituation dort allein aufgrund der Neubaugebiete im Ebsdorfer Grund stabilisieren wird.

Wie schnell sich Prognosen bei der Schulentwicklung allerdings auch widerlegen können, zeigt das positive Beispiel der Mittelpunktschule (MPS) Wohratal. Um sie hatte es vor rund sechs Jahren immer wieder Sorgen gegeben. Auch während des laufenden Schulentwicklungsplanes gab es Einbrüche bei Schülerzahlen. Doch mittlerweile habe sich die Situation stabilisiert. „Zwar bleibt die Mittelpunktschule eine kleine Schule, aber sie hat sich entwickelt“, sagt der Schuldezernent. Sprich: Im neuen Entwicklungsplan gibt es keine Sorgen mehr um die MPS Wohratal.

Eine zentrale Rolle im Zusammenspiel der Schulen im Ostkreis nimmt weiterhin die Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule ein. Sie gilt als das Gegenteil von einem Sorgenkind und ist beispielsweise auch ein wertvoller Kooperationspartner für die Mittelpunktschule Wohratal. 

Schülerzahlen

Im Schuljahr 2002/2003 besuchten insgesamt 18.884 Kinder und Jugendliche Schulen im Landkreis. Im aktuellen Schuljahr sind es 13.394. Auf diesem Niveau werden sich die Gesamtzahlen auch während des neuen Schulentwicklungsplanes in etwa bewegen. Insbesondere bei den weiterführenden Schulen gibt es Stagnation bei den Schülerzahlen aufgrund der Geburtenentwicklung.

Der neue Entwicklungsplan schreibt fest, dass an der Grundschule I in Stadtallendorf künftig an beiden Standorten ­alle vier Jahrgangsstufen unterrichtet werden sollen. Wann das passiert hängt davon ab, wann die Nordschule entsprechend ausgebaut und saniert ist. „Die Reaktionen darauf sind bisher durchweg positiv“, so Zachow. Wie die OP berichtete lag die Zukunft des Standortes Nordschule lange Zeit im Dunkeln.

Durch die Festlegungen im Schulentwicklungsplan dürfte sie gesicherter sein denn je. Zachow erwartet die Bauarbeiten an der Nordschule innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre. Zum angestrebten Bau eines Mehrfunktionengebäudes, des Campus, macht der Entwicklungsplan keine Aussagen. Das sei Thema der Bauplanung, heißt es dazu vom Landkreis.

In der Gesamtheit ist der Schuldezernent mit den Planungen zufrieden. Man habe sich bewusst wieder für eine „kleine“ Schullandschaft mit nahen Standorten entschieden. Und die Diskussion über diesen Planentwurf verlief ebenfalls vergleichsweise geräuschlos. Ob das heute in der Kreistagssitzung ebenfalls so sein wird, bleibt abzuwarten. Der Kreistag berät am Donnerstag, 27. Juni, ab 9 Uhr im Sitzungssaal im Kreishaus in Marburg.

von Michael Rinde