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Ostkreis ICE-Halte fallen ab Dezember weg
Landkreis Ostkreis ICE-Halte fallen ab Dezember weg
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00:18 03.06.2019
Der ICE 1578 verlässt am Mittwoch Stadtallendorf in Richtung Stralsund. Noch bis 14. Dezember gibt es diese Fernzugverbindung. Quelle: OP
Stadtallendorf

Mittwoch, 14.05 Uhr, der ICE 1578 Richtung Stralsund hält, sechs Fahrgäste steigen in Stadtallendorf aus, fünf wieder ein. Ein wohl typisches Bild bei den Fernzügen, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Stadtallendorf hielten und abfuhren. Die Bahn-Pressestelle in Frankfurt berichtet auf Anfrage der OP, dass die Zahl der Nutzer bei Fernzughalten „weiterhin bei deutlich weniger als zehn“ je Zughalt stagniert hat.

Die Bahn AG zieht jetzt die Konsequenzen aus der am Ende dreijährigen Testphase. Zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember ist der „Systemhalt Stadtallendorf“ Geschichte. Der Systemhalt Stadtallendorf sei wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen, heißt es von einer Bahnsprecherin gegenüber der OP. So hat sich auch der Konzernbevollmächtigte der Bahn AG für Hessen, Dr. Klaus Vornhusen, gegenüber Bürgermeister Christian Somogyi geäußert.

In Wabern und Treysa scheinen die Fernzüge der Bahn allerdings besser ausgelastet zu sein. Wie das Unternehmen auf Nachfrage mitteilt, soll es dort keine Kürzungen geben. Gleiches gilt auch für die Universitätsstadt Marburg. Im Jahr 2016 hatte es die Bahn einigen Aufwand gekostet, die zusätzlich Fernzuganbindungen für Stadtallendorf in den Fahrplan für die Main-Weser-Bahn zu integrieren.

Die Strecke gilt als eine der am stärksten frequentierten in Hessen. Jetzt soll der Wegfall von Stadtallendorf einen positiven Effekt auslösen. Die Bahn will nach Angaben ihrer Sprecherin die zusätzliche Zeiteinsparung „als weiteren Puffer zur Stabilisierung der Pünktlichkeit“ nutzen.

Somogyi verärgert und "überrascht" über Entscheidung der Bahn AG

Bürgermeister Somogyi, der den Wert des Systemhalts für das Mittelzentrum stets betont hatte, reagiert im Gespräch mit dieser Zeitung extrem verärgert und „überrascht“ auf die Entscheidung der Bahn AG. Einen Grund für das geringe Interesse an Fernzügen in Stadtallendorf sieht er in den zahlreichen Baustellen, die vor allem im vergangenen Jahr zum Ausfall von Zugverbindungen geführt hätten.

„Auch das Angebot des Jobtickets hat sicherlich dazu beigetragen, dass weniger Reisende in Stadtallendorf eingestiegen sind“, mutmaßt Somogyi. Die Bahn verweist darauf, dass es auch außerhalb der wenigen baustellenbedingten Einschränkungen keine positive Entwicklung gegeben hat.

Und sie bedauert es, dass ihr Wunsch, die Busverbindungen am Bahnhof auf die ICE-Halte abzustimmen, nicht erfüllt wurde. Somogyi will die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben, dass sich zumindest ein einzelner Teil des Angebotes noch retten lassen könnte. Er denkt über eine erneute Initiative mit Politik, Stadtallendorfer Unternehmen und Bundeswehr nach.

„Ich könnte mir denken, dass wir wieder gemeinsam an die Bahn appellieren, zumindest einige der Fernzugverbindungen zu erhalten“, sagt er gegenüber dieser Zeitung. Ob das Unternehmen angesichts der Testergebnisse jedoch ein zweites Mal auf eine solche Gemeinschaftsinitiative eingehen wird, ist mehr als ungewiss. In den Jahren 2015 und 2016 hatte sich ein breites Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Bundeswehr für Stadtallendorf als ICE-Halt stark gemacht. Am Ende mit Erfolg.     

von Michael Rinde