Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Der Dannenröder Forst ist geräumt
Landkreis Ostkreis Der Dannenröder Forst ist geräumt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:46 08.12.2020
Die Baumhäuser in den letzten Bäumen auf der A-49-Trasse im Dannenröder Forst galten als Bastion der Klimabewegung gegen den Autobahnausbau. Seit gestern ist die Trasse geräumt. Quelle: Fotos: Tobias Hirsch
Anzeige
Dannenrod

13 Uhr. Die letzte noch verbliebene Baumbesetzerin wird abgeführt. Sie wehrt sich nicht, läuft selbstständig neben dem Polizeibeamten her. Unbeeindruckt brummen die Baumaschinen weiter. Sägezähne fressen sich in Holz und der mächtige Greifarm eines Baggers rückt gefällte Stämme zurecht.

Das Barrio "Oben" ist gefallen. Es war das erste und letzte von etwa einem dutzend Baumhausdörfern im Dannenröder Forst. Nach 29 Tagen ist die Räumung nun beendet.

Gestern wurde das letzte Baumhausdorf im Dannenröder Forst geräumt. Und dies war die letzte Szene. 69 Tage lang standen sich täglich hunderte Polizeibeamte und eine ständig wechselnde Zahl von Aktivisten gegenüber – erst im Herrenwald, später im Dannenröder Forst und zwischendurch auch im Maulbacher Wald. Dabei gab es friedliche und nicht so friedliche Szenen.

Anzeige

Die Räumung des letzten Baumhausdorfes verlief friedlich. Bereits am frühen Morgen blockierten Ausbaugegner einen Zufahrtsweg im Trassenbereich. Diese Blockade räumten die Einsatzkräfte ohne besondere Zwischenfälle. Anschließend hatte sich eine Gruppe Ausbaugegner an dem Bauzaun versammelt, der das Barrio „Oben“ seit dem Vorabend umschloss. Ihre unterstützenden Rufe galten den gut 15 Ausbaugegnern, die die Nacht in den Wipfeln ausgeharrt hatten. Nach Angaben der Polizei war es den Ausbaugegnern in den Bäumen jederzeit möglich, den abgesperrten Bereich zu verlassen. Alle blieben.

Das Baumhausdorf „Oben“ war das erste von etwa einem Dutzend Baumhausdörfern, welche seit dem vergangenen Jahr im Dannenröder Forst errichtet wurden. Nun sollte es auch das letzte sein und galt damit bei den Aktivisten als eine Art Bastion der Klimabewegung gegen die Fällarbeiten. Dennoch verlief die Räumung nach Angaben der Polizei weitestgehend ruhig. Nur einmal wurde es laut unter den Ausbaugegnern: Mit einem Megaphon kritisierten sie die Fällung eines Baumes außerhalb des Bauzaunes durch Forstarbeiter. Augenscheinlich um einem Ausbaugegner – der in den Kronen herumkletterte – den Weg abzuschneiden. Höhenretter der Polizei brachten den Ausbaugegner schließlich sicher zu Boden. „Trotz der besonderen Herausforderungen, wie unübersichtliche Konstruktionen in teilweise beachtlichen Höhen, gelang es den Einsatzkräften, am frühen Mittag alle unberechtigten Personen aus dem Sicherheitsbereich zu bringen“, sagte Polizeisprecherin Sylvia Frech. Anschließend wurden die letzten Bäume auf der Trasse gefällt. Insgesamt wurden am letzten Einsatztag 13 Personen von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Weiterhin wurden vier Ermittlungs- und 24 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet sowie 32 sogenannte Platzverweise ausgesprochen. Eine Resümee der vergangenen Einsatzwochen will die Polizei heute während einer Pressekonferenz ziehen.

Nach Angaben der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs-und -bau Gesellschaft) finden in den kommenden Wochen die Nacharbeiten statt. Gefällte Bäume müssen aufgearbeitet und abtransportiert werden. DEGES rechnet weiterhin mit Protesten und Störaktionen. Daher werden die Umzäunung der Schneise sowie das Logistikzentrum der Polizei und das Maschinendepot bis auf weiteres bestehen bleiben. Aufgrund der Besetzungen im Wald waren die Arbeiten mit erheblichen Behinderungen verbunden, so DEGES-Pressesprecher Michael Zarth. „Uns war von vornherein bewusst, dass diese Arbeiten länger als üblich dauern würden“, sagte er. Ob das für die weiteren Arbeiten auch so gilt, wird sich zeigen. Die Waldbesetzer haben für heute eine Pressekonferenz angekündigt.

Die eigentlichen Autobahnbauarbeiten im Dannenröder Forst sollen im kommenden Frühjahr beginnen. Die Fertigstellung des Lückenschlusses der A 49, südlich der Anschlussstelle Schwalmstadt über das Ohmtal-Dreieck mit Verbindung an die A 5, ist für 2024 vorgesehen.

Von Tobias Hirsch

Ostkreis Förderzusage - Es läuft
08.12.2020