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Ostkreis Die wichtigsten Infos zum Coronavirus
Landkreis Ostkreis Die wichtigsten Infos zum Coronavirus
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14:18 26.02.2020
Ein medizinischer Helfer nimmt bei einem Arbeiter auf einer Baustelle eine Speichelprobe als Maßnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus. Quelle: Liu Junxi/XinHua/dpa
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Marburg

Die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen in China steigt weiter. Auch die bestätigten Fälle in Europa nehmen zu. Ein Überblick über Ausbreitung, Symptome und Schutzmaßnahmen.

Zahl der Erkrankungen und Toten

Das amerikanische Center for Systems Science and Engineering (CSSE) an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore sammelt Daten von mehreren Quellen, darunter der WHO sowie europäischen und chinesischen Meldezentralen. Das weltweite Ausmaß der Erkrankungen stellen die Wissenschaftler in einer interaktiven Karte zusammen. Stand 26. Februar 2020 (6.15 Uhr) gibt es bislang weltweit 81.002 Infektionen, 2762 Todesfälle und 30.070 Genesungen. 78.064 der Infizierten leben in China.

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Wo gibt es das Coronavirus?

In Deutschland sind 18 Menschen erkrankt. Außerhalb Chinas (78.064 Fälle) sind besonders Südkorea (1146 Fälle), Italien (322 Fälle) und Japan (170 Fälle) mit den höchsten Fallzahlen von Covid-19 betroffen. Stand: 26.02.20, 6.15 Uhr. Quelle: CSSE

Wie bedroht ist Deutschland?

Mit der Vielzahl nachgewiesener Infektionen in Italien steigt wegen des Reiseverkehrs auch das Risiko einer Einschleppung von Covid-19 nach Deutschland. Das Risiko, dass anderswo in Europa ähnliche Cluster wie in Italien auftreten könnten, werde zurzeit als moderat bis hoch betrachtet, teilte die europäische präventionsbehörde ECDC mit. Einmal eingeschleppt könne sich das Virus schnell übertragen.

ECDC-Direktorin Andrea Ammon erklärte, man rechne damit, dass es in den kommenden Tagen weitere Fälle in Italien sowie möglicherweise auch in anderen Teilen der EU geben werde. Experten nehmen an, dass es auch in europäischen Ländern längst weitere Infektionsketten geben könnte, von denen bisher niemand ahnt - auch in Deutschland.

Auch wenn es bundesweit bereits 18 bestätigte Fälle gibt, herrsche in Deutschland kein Grund zu Panik. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler geht davon aus, dass die „Gefahr für die deutsche Bevölkerung sehr gering“ sei. Aktuell gebe es laut RKI keine anhaltende Viruszirkulation in Deutschland. Nach Einschätzung der zuständigen Behörden, die die Gefahr der Einschleppung des Virus regelmäßig neu bewerten, sei Deutschland gut auf das Coronavirus vorbereitet. Deutsche Krankenhäuser und Flughäfen seien mit entsprechenden Notfallplänen gewappnet.

Wie gefährlich ist das Virus?

Nach einer von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben im Land 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten. Betroffen sind demnach vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes.

Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen. In der weit überwiegenden Zahl der Fälle - der Gesundheitsbehörde zufolge mehr als 80 Prozent - zeigen Menschen, die sich mit dem Covid-19-Erreger angesteckt haben, nur milde Symptome. Knapp 14 Prozent der Betroffenen entwickeln demnach schwere Symptome wie Atemnot, knapp 5 Prozent lebensbedrohliche Auswirkungen wie Atemstillstand, septischen Schock oder Multiorganversagen.

Auch der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte unter Bezug auf die Datenanalyse aus China von gut 80 Prozent milden Infektionsverläufen gesprochen. Es gebe zudem relativ wenige Fälle bei Kindern, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus. Noch sei unklar, warum das so sei. Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit eigentlich geringer ist wie in China errechnet, unter anderem weil in der chinesischen Statistik viele mild verlaufende Infektionen gar nicht erfasst werden. Gesicherte Analysen zur Sterblichkeit aus anderen Ländern gibt es bisher aber nicht.

Der am Coronavirus forschende Virologe Christian Drosten von der Berline Charité warnt aber davor, sich angesichts der geografischen Distanz zu China keine Gedanken zu machen. Er gehe „von einer realistischen Pandemie-Gefahr aus“. „Da sollte man sich nichts vormachen“, so Drosten im Interview.

Wer ist vom Coronavirus akut bedroht?

Bei Menschen verursachen die Viren verschiedene Symptome, die von einer gewöhnlichen Erkältung bis zu potenziell tödlichen Atemwegssyndromen wie Sars oder Mers reichen. Eine ernste, gesundheitliche Gefahr stellt das Coronavirus nach ersten Erkenntnissen für Menschen mit geschwächtem Immunsystem dar. Vor allem ältere und kranke Menschen gehören bislang zu den Todesopfern der Epidemie.

Welche Übertragungswege gibt es?

Es wird vermutet, dass das Virus bis zu 24 Stunden außerhalb des menschlichen Körpers überlebt. Übertragen wird das Sars-ähnliche Virus direkt durch Tröpfcheninfektion über engen Kontakt zu hustenden und niesenden Infizierten. Auch über das Verdauungssystem könnte das Virus verbreitet werden, vermuten Mediziner. Die Inkubationszeit beträgt laut WHO zwei bis zehn Tage. Auswertungen aus China gehen davon aus, dass die Inkubationszeit in seltenen Fällen bis zu 24 Tage andauern kann.

Unter Berücksichtigung der Übertragungswege in China gehen Forscher davon aus, dass jeder Infizierte im Durchschnitt 2,2 andere Menschen ansteckt. Die Rate liegt etwas höher als bei der gewöhnlichen Grippe, aber niedriger als bei Sars, das auch bekannt ist als Schweres Akutes Atemwegssyndrom und genetisch zur Familie des neuen Virus gehört. Wie der Virologe Christian Drosten (Charité Berlin) erklärte, vermehrt sich das Influenzavirus im Rachen, was es ansteckender mache als anfangs vermutet.

Welche Symptome treten bei Infizierten auf?

Der Krankheitsverlauf ähnelt in vielen Fällen Grippesymptomen. Husten, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Halsschmerzen gehen mit hohem Fieber über 38 Grad einher. Stellt der Arzt zudem fest, dass beide Lungenflügel entzündet sind, ist eine Erkrankung wahrscheinlich. Es gebe aber auch milde Verläufe. Das Coronavirus verbreitet sich höchstwahrscheinlich auch von Mensch zu Mensch bei schwacher Ausprägung.

Welche Schutzmaßnahmen kann ich persönlich treffen?

Massenansammlungen von Menschen sollten in den vom Virus betroffenen Regionen (Wuhan, zentralchinesische Provinz Hubei) gemieden werden, ebenso wie der enge Kontakt zu eventuell erkrankten Personen. Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) rät Reisenden nach Wuhan, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden.

Nach dem Essen und der Benutzung der Toilette sollten die Hände, wie sonst auch, gründlich gewaschen werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann zusätzlich eine Atemschutzmaske getragen werden. Die Masken, die man auf Chinas Straßen sehen kann, wehren Feinpartikel nicht ab und schützen dementsprechend auch nicht vor einer Tröpfcheninfektion. Sinnvoll sei es aber laut WHO, dass Menschen, die sich bereits angesteckt haben, FFP3-Masken tragen. So vermeiden sie die Verbreitung des Virus.

Welche Behandlungsansätze gibt es?

Behandeln im eigentlichen Sinne kann man die Lungenkrankheit nicht, auch eine Impfung oder Medikamente gegen das Coronavirus gibt es noch nicht. Zudem ist das gesamte Spektrum der Symptome noch nicht richtig erfasst – so können höchstens einige Begleiterscheinungen gemildert werden, etwa durch die Einnahme bestimmter Antibiotika. Zur Behandlung des neuartigen Coronavirus haben chinesische Behörden ein Medikament für klinische Versuche zugelassen: Remdesivir. Der Wirkstoff hat in ersten Tests die Symptome der Patienten gelindert. Der neue Erreger hat eine Verbindung zum Sars-Virus von 2002/2003 – das hat bei der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten Vorteile, sagen Experten. So könnte man bereits gewonnene Erkenntnisse nutzen, um Substanzen zu finden, die das Virus hemmen.

Wann gibt es einen Impfstoff?

An der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus wird derzeit intensiv geforscht. Bisher ist es Wissenschaftlern gelungen, das Genom des Virus zu sequenzieren und zu veröffentlichen, sagt der Geschäftsführer der internationalen Impfallianz Gavi, Seth Berkley. Australische Forscher vermeldeten einen Durchbruch: Sie konnten das Coronavirus nachzüchten. Nun könne gemeinsam mit der WHO an einem Impfstoff gearbeitet werden. Die Entwicklung eines anwendbaren Impfstoffes werde nach Gavi-Einschätzung mindestens ein Jahr dauern.

Was ist das Coronavirus?

Das neuartige Virus gehört wie Mers (Middle East Respiratory Syndrome) und Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) zur Familie der Coronaviren. Diese sind bereits seit Mitte der sechziger Jahre bekannt und können bei Säugetieren, Vögeln und Fischen unterschiedliche Erkrankungen verursachen. Durch die hohe genetische Variabilität der Viren ist auch eine Übertragung auf den Menschen, so wie 2002/2003 bei Sars und 2012 bei Mers, möglich.

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Das derzeitige Virus trat erstmals in der chinesischen Stadt Wuhan (Hauptstadt der Provinz Hubei) auf. Vermutet wird, dass sich das Virus auf einem Tiermarkt der Stadt, auf dem auch Schlangen und Fledermäuse verkauft werden, erstmals auf Menschen übertragen hat. Der betreffende Markt in Wuhan wurde inzwischen geschlossen, der Handel mit Wildtieren in ganz China vorübergehend verboten.

Was ist der offizielle Name des Coronavirus?

Auch wenn im Alltag und in Nachrichten weiterhin vom Coronavirus die Rede ist - die offizielle Bezeichnung für das Sars-ähnliche Virus ist: „Sars-CoV-2“. Auch die neuartige Lungenkrankheit, die durch das Virus ausgelöst wird, hat einen eigenen Namen. Dieser ist: „Covid-19“ und setzt sich aus „Corona Virus Disease“ zusammen. Verantwortlich für die Namensgebung ist die Coronavirus-Studiengruppe des Internationalen Komitees zur Taxonomie von Viren (International Committee on Taxonomy of Viruses). Vorläufig wurde das Coronavirus von Fachleuten „2019-nCoV“ genannt. Die neue, offizielle Bezeichnung ist maßgeblich für die künftige wissenschaftliche Bezeichnung, etwa in Studien.

Von RND/jo/dale/sbu/pf/dpa

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