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Ostkreis Das Musterdorf Hertingshausen
Landkreis Ostkreis Das Musterdorf Hertingshausen
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14:00 21.07.2022
Was lässt sich in Sachen Energieversorgung und -einsparungen oder bei der Mobilität verändern? Ein Konzept für Hertingshausen soll Ansätze für die gesamte Gemeinde Wohratal bringen.
Was lässt sich in Sachen Energieversorgung und -einsparungen oder bei der Mobilität verändern? Ein Konzept für Hertingshausen soll Ansätze für die gesamte Gemeinde Wohratal bringen. Quelle: Archivfoto: Nadine Weigel
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Hertingshausen

Was kann in Sachen Mobilität unternommen werden? Oder in Sachen energetische Sanierungen – sowohl in öffentlichen als auch in privaten Häusern? Bietet sich Nahwärme an? All diesen Fragen will die Gemeinde Wohratal mit einem sogenannten „integrierten Quartierskonzept“ nachgehen, wie Bürgermeister Heiko Dawedeit berichtet. Um eine Basis zu haben und daraus Schlüsse beziehungsweise Ideen und Ansätze für alle Ortsteile der Gemeinde zu ziehen, hat die Kommune ein solches Konzept für das kleine Dörfchen Hertingshausen erstellen lassen. Die rund 170 Bürgerinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, sich während eines Workshops einzubringen – allerdings habe nur ein geringer Teil davon Gebrauch gemacht, bedauert der Bürgermeister. Seine Vermutung: Hätte die Veranstaltung im Mai nicht nur online, sondern in Präsenz stattfinden können, hätten sich mehr Menschen eingebracht.

Hertingshausen ist bei jungen Familien beliebt

In dem Konzept wird herausgestellt, dass die Altersstruktur im Ort gemischt ist und sich Hertingshausen in den vergangenen Jahren des Zuzuges junger Familien erfreut. Das „Quartier“ bestehe aus Gebäuden sehr unterschiedlicher Entstehungszeit – die meisten seien in den vergangenen 150 Jahren gebaut worden und nur wenige stünden unter Denkmalschutz. Vornehmlich handele es sich um Ein- oder Zweifamilienhäuser mit Garten – Leerstände gebe es nicht. Es gebe keinen Durchgangsverkehr und keine Radwege, jedoch verlaufen zwei Wanderwege durch den Ortsteil, weshalb er auch touristisch interessant sei. Geschäfte gibt es keine. Die Bewohnerinnen und Bewohner fahren zum Einkaufen nach Gemünden oder Kirchhain. An das ÖPNV-Netz ist der Ort über zwei Buslinien angebunden. Die Mobilitätsinfrastruktur sei insgesamt in Wohratal aber auf den Autoverkehr ausgerichtet. Viele Familien haben ein bis drei Autos, die meisten werden „nur für Kurzstrecken von täglich bis zu 150 Kilometern genutzt“.

„Aufgrund der Klimakrise sollen alle Maßnahmen im Quartier Wohratal-Hertingshausen ab sofort immer im Hinblick auf Klimaschutz, Umwelt- und Naturschutz sowie Denkmalschutz betrachtet und durchgeführt werden“, heißt es in dem Konzept. Entsprechend wird darüber nachgedacht, ein Car-Sharing-Projekt zu initiieren. Zudem gibt es den Ansatz, das Ladeangebot für E-Autos zu verbessern – noch gibt es keine öffentlichen Ladesäulen.

Des Weiteren sehen die Ersteller des Konzeptes bei der Baustruktur sehr große Potenziale für Energieeinsparung und Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgase. Die Zuversicht ist dabei groß: „Durch verschiedene Faktoren, wie engagierte Akteure sowie eine aktive Verwaltung, herrschen gute Rahmenbedingungen, um Projekte im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien weiterzuentwickeln und zu verwirklichen.“ Es gelte, die Potenziale zu identifizieren und dann mit Unterstützung eines Förderprogramms der KfW Projekte umzusetzen.

Energieunabhängig ist großer Wunsch

Zudem besteht der Wunsch, durch erneuerbare Energien die energetische Autarkie zu erhöhen und eine gemeinsame Wärmeerzeugung in den Blick zu nehmen – vor allem, weil in Hertingshausen die Versorgung bisher vornehmlich über Öl und Erdgas läuft. Außerdem gibt es zwar auf einigen Dächern bereits Solaranlagen, doch auch an dieser Stelle wird noch mehr Potenzial gesehen.

Die Gemeinde Wohratal kooperiert in dem Themenbereich mit Kirchhain, Neustadt, Amöneburg und Rauschenberg. Für die Umsetzung beziehungsweise Weiterentwicklung der Ideen ist vorgesehen, ein „quartiersübergreifendes Sanierungsmanagement“ einzurichten, dessen Mitarbeitende sich mit Gebäudeeigentümern und -eigentümerinnen zusammensetzen, um gemeinsam Ansätze für Sanierungen und Verbesserungen zu finden – und dann die Menschen auf dem Weg von der Planung bis zum Abruf von Fördergeldern begleiten.

Von Florian Lerchbacher

20.07.2022
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