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Ostkreis Dach über dem Kopf, aber große Sorgen
Landkreis Ostkreis Dach über dem Kopf, aber große Sorgen
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17:58 10.02.2021
Franz „Barelli“ Spindler versorgt die Kamele.
Franz „Barelli“ Spindler versorgt die Kamele. Quelle: Foto: Götz Schaub
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Ernsthausen

Eigentlich verstehen sie ihre Aufgabe darin, insbesondere Kinderaugen zum Leuchten zu bringen, aber auch Erwachsene zu begeistern. Ihre großen und kleinen Gäste für eine gewisse Zeit in eine andere Welt zu entführen und auch zum Staunen zu bringen. Dafür geben sie in ihrer Manege alles.

Lohn ist herzlicher Applaus und ein gutes finanzielles Auskommen. Doch was, wenn ihnen diese Möglichkeit genommen wird? Über einen längeren Zeitraum, eigentlich über die gesamte Spielzeit bis zu den abschließend geplanten Weihnachtsvorstellungen? Dann wächst nicht nur der Frust, die erarbeitete Show und die Künste nicht vorführen zu können, es wachsen mit jedem Tag auch die Sorgen um das Auskommen, vor allem, wenn man nicht nur eine Familie zu ernähren hat, sondern auch noch zahlreiche Tiere.

Das ist kurz und knapp beschrieben die Situation der Macher des Circus Gebrüder Barelli, der kurz hinter der Kreisgrenze in Ernsthausen, den Nachbarort von Münchhausen, sein (Winter)-Quartier eingerichtet hat.

In der Tat stehen sie dort schon seit 6. Januar 2020. Ja, was machen, wenn man im Frühling, Sommer und Herbst kein wirkliches Polster für den nächsten Winter erwirtschaften konnte – oder sagen wir besser durfte? Das nagt an der Circus-Familie. Die Stimmung liegt auch mal danieder. Entmutigen lassen sie sich aber alle nicht. Im Gegenteil, sie motivieren sich, die Zeit zu nutzen, um alles für eine tolle Saison 2021 vorzubereiten.

Es wird gestrichen, restauriert und Neues gebaut. Aber die Sorge ums aktuelle Auskommen bleibt ständiger Begleiter. „Wir haben hier schon alles ausgeschöpft, was zu machen war im vergangenen Jahr und hofften bis zuletzt, die Saison noch ein bisschen durch den Weihnachtscircus in Marburg retten zu können“, sagt John Henry Spindler, einstiger Chef des Familiencircus’. Er hat die Geschicke schon längst in die Hände seiner drei Kinder gelegt: Timmy, Franz und Ramona, die die Circus-Tradition weiterführen und um nichts in der Welt aufgeben wollen.

Aber Corona zeigte sich 2020 unerbittlich. Und so fiel wie zuvor schon die geplante 35-Städte-Tour auch der Weihnachtscircus in Marburg wegen der Pandemie aus. John Henry Spindler bleibt optimistisch, gewinnt auch dieser schwierigen Situation noch Positives ab. Zum einen ist er dankbar für das Quartier. Die Tiere, darunter Kamele, Pferde, Zwerg-Shetlandponys und Alpakas stehen auf Stroh geschützt in einer Halle. Da hatte es andere Berufskollegen zuletzt ärger getroffen.

Zum anderen macht er die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die irgendwie helfen. So etwa Ingrid Weide aus Wetter. Sie ist die erste Frau, die Mitglied des Magistrats der Stadt Wetter wurde. Sie verfügt über einige Kontakte. Als sie zufällig mit der Situation des Circus’ konfrontiert wurde, setzte sie sofort alle Hebel in Bewegung und animierte spendenwillige Mitmenschen, dem Circus zu helfen.

Alles ist willkommen, Sachspenden in Form von Tierfutter, aber eben auch Geldspenden, denn in erster Linie drückt die immer wiederkehrende Stromrechnung. „Hier muss man einfach tätig werden“, sagt Ingrid Weide. Sie hat sich alles vor Ort angeschaut und die Hilfe zu einer Herzensangelegenheit gemacht. „Die Menschen sind unverschuldet in diese Lage gekommen“, fügt sie an.

Und so wird auf die Ausnahmesituation mittlerweile auf allen Kanälen aufmerksam gemacht: Fernsehen, Radio und Zeitung. Damit sich Menschen finden lassen, die helfen. John Henry Spindler weiß Hilfe sehr zu schätzen. Er und seine Familie wollen sie nicht einfach nur so annehmen. Sie wollen sich dafür auch gerne revanchieren, mit dem, was sie am besten können, was sie am liebsten machen, was ihr Leben ist: Mit einem unvergesslichen Circus-Erlebnis – kostenfrei für jetzige Helfer, sobald dies wieder möglich ist.

Und natürlich wird noch immer geplant. Wenn alles gut läuft, möchte der Circus in der Gegend, möglicherweise zwischen Frankenberg und Korbach, in diesem Jahr einen Platz beziehen und dort einen Mini-Freizeitpark anbieten.

Wer helfen möchte, kann sich auf der Homepage des Circus‘ unter www.circus-gebrueder-barelli.jimdosite.com umfassend über den Circus und auch über das Spendenkonto informieren. Auskünfte gibt es auch per Telefon unter 01573 / 28 18 873.

Von Götz Schaub

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