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Ostkreis Da machen die Wähler drei Kreuze
Landkreis Ostkreis Da machen die Wähler drei Kreuze
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10:58 28.03.2021
Wo auch immer Sebastian Sack antrat – die Wähler hoben ihn in das jeweilige Gremium.
Wo auch immer Sebastian Sack antrat – die Wähler hoben ihn in das jeweilige Gremium. Quelle: Florian Lerchbacher
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Momberg

Auch Tage nach der Kommunalwahl steht Sebastian Sack eine Mischung aus Freude, Überraschung und insbesondere Rührung ins Gesicht geschrieben. Der Momberger ist der Überflieger der Kommunalwahl: Wo und für was auch immer der Sozialdemokrat antrat – die Menschen wählten ihn nach oben. Auf der Ortsbeiratsliste stand er auf Position neun – und erhielt die drittmeisten Stimmen.

Ins Rennen um den Kreistag ging er von Listenplatz 28 – und wurde auf Rang sieben hochgewählt (in allen Ostkreis-Kommunen kam er in die Top fünf). Richtig beeindruckend war allerdings sein Abschneiden auf städtischer Ebene: Die SPD führte ihn auf Position 17 – von wo aus der 39-Jährige mit den deutlich meisten Stimmen aller Kandidaten an allen anderen Mitstreitern vorbeischoss.

Nicht mit den vielen Stimmen gerechnet

Die meisten Stimmen zu erhalten – damit habe er nie und nimmer gerechnet, sagt der Momberger und gibt zu, dass er sich eigentlich gar nicht im Stadtparlament habe aktiv engagieren wollen. Das Votum der Menschen in der Stadt Neustadt ehre ihn jedoch. Und so ein deutliches Ergebnis könne er nicht ignorieren, erklärt er. Aus diesem Grund wird er sein Mandat als Stadtverordneter antreten. Im Kreistag wird er auch mitmachen – seinen Platz im Momberger Ortsbeirat jedoch weiterreichen.

Er wolle seinen Aufgaben gerecht werden, erklärt Sack und ergänzt, dass drei Mandate vielleicht zu viel sein könnten. „Für den Ortsbeirat stehen Menschen bereit, die sich gerne für ihre Heimat engagieren wollen, daher trete ich an dieser Stelle zurück.“ Er werde in der Stadtverordnetenversammlung Politik für Momberg machen – allerdings nicht so, dass er den Ort bevorzugt.

Ziel ist das Beste für Neustadt

Sein Ziel ist, das Beste für die Stadt Neustadt zu erreichen – und da ist Momberg eben ein zentraler Teil von. „Bei Aktionen im Ort werde ich mich aber weiterhin auf jeden Fall einbringen“, sagt er und nennt den Umbau der ehemaligen Kita zu einem multifunktionalen Haus als ein wichtiges Beispiel.

Doch woher kommt Sebastian Sacks großer Wahlerfolg? Ein wichtiger Faktor ist seine Bekanntheit: Als Lehrer an der Alfred-Wegener-Schule in Kirchhain, der größten Schule des Landkreises, kennt er naturgemäß jede Menge Menschen. Doch dort lehrt er nicht nur Geschichte und katholische Religion, sondern fungiert auch als Vertrauenslehrer und wichtiger Faktor der AG Schule ohne Rassismus (die er mit Matthias Hahne gründete und inzwischen mit Serpil Celik und Linda Weber leitet).

Großes ehrenamtliches Engagement

Hinzu kommt sein riesiges ehrenamtliches Engagement. Der Momberger gehört der Einsatzabteilung der freiwilligen Feuerwehr seines Heimatortes an, fungiert dort als Gruppenführer und wurde des Weiteren als Delegierter der Kreisjugendfeuerwehr zum Vorsitzenden des Kreisjugendrings ernannt – ein Posten, den er seit 14 Jahren innehat.

Des Weiteren ist er Erste-Hilfe-Ausbilder und Sanitäter beim DRK und nun auch bei den Johannitern tätig, gehört dem Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und dem Vorstand des Vereins „Gemeinsam – Marburger Gemeinschaft für jüdisch-muslimischen Dialog“ (den er auch mitgründete) an.

Sack: Verantwortung übernehmen

„Ich finde es wichtig, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er über sein Engagement, das eigentlich überall über jenes „normaler“ Mitglieder hinausgeht: „Man sollte seine Talente in die Gesellschaft einbringen – was ja auch ein christlicher Grundsatz ist“, ergänzt er und freut sich, dass „in allen Bereichen unfassbar viel zurückkommt“. Als Zeichen der Wertschätzung ist dabei mit Sicherheit auch das hervorragende Abschneiden bei den Wahlen zu sehen: „Ich bin schlichtweg gerührt von den Ergebnissen.“

Ein wichtiger Aspekt ist aber auch Sebastian Sacks Art: Er hört zu, denkt mit, macht Vorschläge, findet Lösungsansätze – und ist dabei stets fröhlich und freundlich. Kein Wunder, dass er sich auch im Momberger Karneval engagierte: „Die Menschen zum Lachen bringen, ist genau mein Ding. Man muss sie ernst nehmen – aber gemeinsam zu lachen verbindet eben auch. Dazu gehört natürlich auch, dass man über sich selbst lachen können muss.“ Das gelte auch für Zeiten, in denen eine Pandemie die Gesellschaft im Griff hat: „Ich glaube, man kann mit Freundlichkeit, Humor und Zuversicht viele Menschen wieder an die Oberfläche bringen.“

Wegen einer Erkrankung zurückgetreten

Doch manchmal vergeht selbst Sack das Lachen: zum Beispiel vor einigen Jahren. Auch im Jahr 2015 hatten die Menschen ihn in Ortsbeirat, Stadtverordnetenversammlung und Kreistag gewählt. Damals trat er alle Posten an, legte aber recht bald sein Amt als Stadtverordneter nieder. Aus gutem Grund, wie er betont: „Ich hatte eine reaktive Arthritis, also eine temporäre Rheumaerkrankung. Ich wurde ein Jahr behandelt und war ein halbes Jahr mit Wiedereingliederung krankgeschrieben“, berichtet er ganz offen. Schweren Herzens sei er aus der Stadtverordnetenversammlung ausgeschieden – um keinen Platz zu blockieren und das Gremium in seiner Arbeit nicht zu behindern.

Und vor allem wohlwissend, dass in Anke Stark eine kompetente Nachrückerin bereitgestanden habe: „Sowohl Politik als auch jedes andere Engagement geht nur als Team. Ich habe das Glück, immer tolle Menschen an meiner Seite zu haben.“ Den Posten als Fraktionsvorsitzender hat er aber trotz seines starken Ergebnisses nicht ins Auge gefasst: „Hans-Gerhard Gatzweiler hat mich in jeder Hinsicht von Anfang an gefördert. Vor allem weiß ich, wie kompetent er den Posten ausübt – da habe ich keine Ambitionen.“

Sack will weitermachen wie bisher

Doch selbst Sack genießt manchmal das Alleinsein: Entspannung findet er nämlich beim Motorradfahren, dem Imkern und der Arbeit im heimischen Garten – die er, nach eigenen Angaben, allerdings nur mehr schlecht als recht erledigt. „Dort kann ich entspannen“, sagt der Momberger, der verspricht, weiterzumachen „wie bisher“; „Das scheint den Menschen ja zuzusagen.

Ich werde mich also weiterhin für das Ehrenamt, die Jugendarbeit und soziale Themen engagieren und weiterhin Gesicht zeigen gegen Rassismus und Diskriminierung.“ Vor allem will er aber eins: Den Wählern den Vertrauensvorschuss zurückzahlen.

Das sagen die anderen

Hans-Gerhard Gatzweiler (SPD-Fraktionsvorsitzender Neustadt): „Sebastian ist ein Phänomen. Er ist auf sehr vielen Feldern tätig – und dabei ist es faszinierend, wie er das alles hinkriegt. Durch sein großes Engagement ist er aber auch sehr gut vernetzt, was natürlich auch ein großer Vorteil ist. Außerdem hat er eine super Art und Weise der Kommunikation – sowohl auf persönlicher als auch auf Social-Media-Ebene.“

Franz-W. Michels (CDU-Fraktionsvorsitzender Neustadt): „Sebastian Sack kennen alle Momberger – die ihn bei der Wahl dann natürlich unterstützt haben. Momberger wählen ihre Kandidaten. Er hat es aber auch verdient, denn er ist ein netter, lieber Kerl, der gute Arbeit macht.“

Karsten Gehmlich (FWG-Fraktionsvorsitzender Neustadt): „Mit Momberg steht ein ganzer Ort hinter Sebastian Sack. Außerdem ist er im Kreis bekannt, da er als Lehrer und in Vereinen sehr präsent ist – das hilft bei Wahlen viel.“

Jörg Grasse (Ortsvorsteher Momberg, SPD): „Sebastian ist auf vielen Feldern zugange, ist ein sehr umgänglicher, freundlicher, hilfsbereiter, zugewandter und sehr gut vernetzter Mensch. Dabei ist er aber vor allem kein Karrierist – das heißt, er schielt nicht auf Posten. Ich glaube, er läuft Gefahr, sich zu übernehmen – aber da er noch jung und lernfähig ist, wird er sicher auch noch lernen, sich auch mal einzubremsen und an sich zu denken.“

Thomas Groll (Bürgermeister Neustadt, CDU): „Ich kenne Sebastian seit vielen Jahren. Er ist ein in vielen Bereichen engagierter Mensch, der in der Sozialdemokratie eine politische Grundlage hat. Dabei ist er aber – was wichtig ist und ich auch für mich in Anspruch nehme – auch sehr pragmatisch: Auf Ortsebene geht es ihm als erstes um die Sache, dann erst kommt die Partei. Ich freue mich, dass er wieder in der Stadtverordnetenversammlung aktiv sein wird. Ich schätze ihn auch menschlich: Das wird eine gute Art der Zusammenarbeit. Er ist bekannt wie ein bunter Hund und hat einen sehr engagierten und pfiffigen Wahlkampf gemacht. So zog er, in Anlehnung an den Kanzlerkandidaten der SPD, an Karneval als Olaf aus der Eisprinzessin verkleidet umher und überbrachte kleine Tütchen mit Süßigkeiten – da war auch meine Tochter begeistert.“

Von Florian Lerchbacher