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Ostkreis Corona weckt den Erfindergeist bei SW-Motech
Landkreis Ostkreis Corona weckt den Erfindergeist bei SW-Motech
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16:00 11.05.2021
Jurji Jahn bei der Arbeit im neuen Schweißzentrum von SW-Motech.
Jurji Jahn bei der Arbeit im neuen Schweißzentrum von SW-Motech. Quelle: Fotos: Andreas Schmidt
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Rauschenberg

Die Corona-Pandemie hat für einen wahren Motorrad-Boom gesorgt – davon profitiert auch das Rauschenberger Unternehmen SW-Motech, die hochwertige Zubehör- und Anbauteile sowie Gepäcksysteme für Motorräder herstellen. „Es dürfte wohl das beste Jahr werden, das wir je hatten“, prognostiziert Johannes Klotz, Head of Marketing.

Denn: Schon das OEM-Geschäft für die Hersteller sei sehr gut gelaufen. „Die Motorrad-Branche hat als Freizeitsektor – wie Fahrräder oder das Thema Garten – immens gewonnen. Und auch die neue Führerscheinregelung, dass man mit nur wenigen Fahrstunden schon eine 125-er fahren darf, hat dafür gesorgt, dass dieser Markt geradezu explodiert ist", so Klotz. Mit der Konsequenz, dass die Produkte aus Rauschenberg immens gefragt sind.

Die Nachfrage hat aber auch eine Schattenseite. Denn: SW-Motech fertigt seine Produkte nicht nur in Rauschenberg, sondern hat im tschechischen Vojkovice nahe Brünn seine Produktionsstätte für Metallprodukte. Und dort war – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen – die Produktion aufgrund von Corona weitgehend zum Stillstand gekommen. Jörg Diehl, einer der vier Geschäftsführer, erläutert: „Bisher war es so, dass wir hier in Rauschenberg den Prototyp eines neuen Produkts erstellt haben und die Erstserie dann in Tschechien gefertigt wurde.“ Das sei auch grundsätzlich sinnvoll, „aber Corona hat uns gezeigt, dass sich dies auch zum Nachteil entwickeln kann".

Also habe man aus der Not eine Tugend gemacht und in einer kleinen Halle auf dem Hof des SW-Motech-Geländes ein kleines Schweißzentrum entwickelt. Und das binnen vier Wochen – mitsamt des Innenausbaus „und inklusive der ersten beiden Schweißer. Netzwerk lässt grüßen“, sagt Jörg Diehl lachend. Dieses eigentlich als Notlösung gedachte Backup, für das auch neues Personal eingestellt wurde, „hat sich nun zu einem strategischen Vorteil entwickelt, weil wir die Kompetenz wieder zurück ins Unternehmen holen“, sagt Diehl.

Letztlich könne SW-Motech so „wieder schneller werden bei neuen Produkten und unmittelbarer Einfluss etwa auf Sonderbauten zu haben. Wir holen das Know-how zurück nach Deutschland, können aber auch neue Schweißtechniken entwickeln und an der Effizienz arbeiten", fasst Diehl zusammen.

Hinzu kommt: „Bei neuen Motorrädern sind wir so mit der Erstserie schneller auf dem Markt", erläutert Johannes Klotz. In der Praxis könnten Teile entweder direkt an einem neuen Motorrad angepasst oder auch nach 3-D-Scans konstruiert werden – Prototyp und Erstserie werden dann binnen kürzester Zeit in Rauschenberg gefertigt. Im Gegensatz zur hohen Automatisierung ist im Schweißzentrum Handwerkskunst gefragt. Und das sei kein Nachteil, denn: „Das, was ich mit der Hand verstehe, kann ich später auch automatisieren", sagt Diehl. Prinzipiell sei es nun so, „dass die Erstserien in Rauschenberg hergestellt werden, um die erste Nachfrage zu stillen. Und dann geht es für die höheren Stückzahlen zu den Kollegen nach Tschechien“.

Corona hat nicht nur Einfluss auf die Produktion bei SW-Motech: Auch die größte Motorrad-Party der Region mit rund 30 000 Gästen steht auf der Kippe – das „Open House“. Die dreitägige Party mit Händlermeile mit Teilnahme aller großen Motorradhersteller sowie einer Vielzahl an Bikes für Probefahrten, mit Livemusik, einem bunten Show-Programm und mehreren Foodtrucks und vielem mehr sollte eigentlich Mitte Juni laufen. Doch sei dies aufgrund der derzeitigen Situation nicht möglich. Daher plant SW-Motech das große Biker-Event nun vom 17. bis 19. September.

„Ob es bei diesem Termin tatsächlich bleiben kann, können wir noch nicht final sagen“, erläutert Johannes Klotz. Normalerweise seien die Planungen und Verträge um diese Zeit schon längst in trockenen Tüchern, es gehe jetzt ums Feintuning der Veranstaltung: Welche Food-Trucks kommen, wer steht wann auf der Bühne, „und auch die Feinabstimmung mit den Behörden würde nun laufen“. Das sei nun alles nicht der Fall – geschuldet der Pandemie. „Bis Mitte Juni müssen wir einschätzen können, ob im September eine solche Großveranstaltung laufen kann, sonst müssen wir absagen.“ Acht bis zehn Wochen Vorlauf benötige er, „wenn wir den Planungshorizont nicht haben, müssen wir absagen“.

Von Andreas Schmidt