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Ostkreis Empörung in den Fitnessstudios
Landkreis Ostkreis Empörung in den Fitnessstudios
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18:00 02.11.2020
OP-Redakteur Florian Lerchbacher stellte nach dem ersten Lockdown fest, dass Training unter Corona-Bedingungen durchaus möglich ist. Nun müssen die Studios wieder zubleiben. Quelle: Nadine Weigel
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Abstand halten und Geräte nach der Nutzung desinfizieren – zwei Grundregeln des Fitnesstrainings, die sich in den vergangenen Wochen und Monaten bewährten. So zumindest mein subjektives Empfinden. Zugegeben: Beim ersten „Pumpen“ nach dem Lockdown trainierte ein bisschen das Unwohlsein mit.

Doch angesichts des Abstands zu den anderen Sportlern und der umgesetzten Hygienemaßnahmen trat immer mehr Beruhigung auf und das Fazit und entsprechend auch die Berichterstattung über den Selbsttest fielen positiv aus.

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Inzwischen sind die während des ersten Lockdowns angefressenen Pfunde (größtenteils) wieder gepurzelt und die Steifheit hat den alten Rücken ebenfalls wieder verlassen. Doch angesichts der steigenden Infektionsrate hat die Bundesregierung beschlossen, dass Studios ab dem heutigen Montag wieder zubleiben müssen.

Erneute Schließung ist für viele existenzbedrohend

Schlecht für Sportler beziehungsweise all diejenigen, die etwas für ihre Fitness oder die Gesundheit machen wollen und entweder zuhause den inneren Schweinehund nicht überwinden können oder nicht über die notwendigen Trainingsgeräte oder ausreichend Platz verfügen.

Noch schlechter aber für die Inhaber von Fitnessstudios und deren Angestellte, wie Sascha Mößinger (Geschäftsführer des Muscle Clubs Stadtallendorf GmbH) und Susanne Mühl (Inhaberin und Geschäftsführerin des Bodyproject Kirchhain) betonen.

Eine erneute Schließung sei existenzbedrohend: „Wir wissen ja auch nicht, wie es dann nach den vier Wochen weitergeht“, betont Mühl und ergänzt, dass sich abgesehen von der generellen Gefährdung des Unternehmens durch die fehlenden Einnahmen auch die Mitarbeiter gerade erst einigermaßen wirtschaftlich erholt hätten – nun aber wieder kein Weg an Kurzarbeit vorbeiführe.

Sowohl Mühl als auch Mößinger hätten durchaus Verständnis gehabt, wenn intensive Kurse wie Spinning oder Bodypump verboten worden wären oder Umkleiden oder Duschen gesperrt würden – eine komplette Schließung jedoch halten sie für überzogen.

Ja zu für Einschränkungen, aber nicht für die Schließung

Keine Kurse, eine Obergrenze für die Besucherzahlen oder eine komplette Maskenpflicht während des Trainings auf der Gerätefläche – all das wäre hinnehm- und umsetzbar gewesen, betont Mößinger und verweist darauf, dass die Mitglieder in den vergangenen Monaten große Disziplin beim Einhalten der Regeln gezeigt hätten: „Das im März alles zugemacht wurde, konnte ich nachvollziehen“, sagt er.

Damals gab es schließlich auch noch keinerlei Erfahrungswerte und die Situation war komplett neu. „Aber jetzt ist die Lage anders, und eine komplette Schließung kann ich nicht akzeptieren.“

„Mehrere Studien belegen, dass die Hygienekonzepte in Sportstätten höchst wirksam sind. 62 Millionen Check-in’s wurden im Rahmen einer Studie ausgewertet. Die Inzidenz liegt demnach in Fitnessstudios bei 0,78 pro 100 000 Mitgliedern“, sagt er und zitiert aus der Auswertung von „EuropeActive“. Demnach fehle für den Lockdown der Branche jegliche faktische Grundlage – und die Schließung sei ein Skandal.

„Unsere Hygienekonzepte sind mittlerweile umfangreicher als in fast allen anderen Branchen“, betont er und erinnert an die Sicherstellung einer hundertprozentigen Kontaktnachverfolgung durch Check-in- & Check-out-Systeme, Abstandsregelungen oder das Überprüfen der Besucherfrequenzen.

Betreiber sorgen sich um Gesundheit ihrer Sportler

„Wir sind kein Hotspot“, kommentiert Mühl, während sich Mößinger ärgert: „Laut Robert-Koch-Institut gibt es vermehrt Ausbrüche vor allem in privaten Haushalten bei Feiern, in Kindertagesstätten und in Schulen. Nicht jedoch in Fitnessstudios oder der Gastronomie. Und gleichzeitig stehen die Menschen gedrängt in der S-Bahn, sitzen nebeneinander im Flieger und der Ball in der Fußball-Bundesliga rollt.“ Doch die beiden Fitnessstudio-Geschäftsführer sorgen sich nicht nur um die wirtschaftliche Seite, sondern auch um die Gesundheit ihrer Mitglieder. Die Funktionsfähigkeit des Immunsystems hänge mit dem körperlichen Zustand des Menschen zusammen, stellt Mößinger heraus.

Es sei also absurd, den Menschen eine wichtige Trainingsmöglichkeit zu nehmen. Noch dazu müssten viele von ihnen trainieren, weil sie Schmerzen, Stress und Pfunde reduzieren möchten, sowie Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und psychische Erschöpfungssymptome bekämpfen. Sein Fazit: „Die gesundheitlichen Folgen für unsere Besucher übertreffen den Nutzen dieser Maßnahme um ein Vielfaches!“

von Florian Lerchbacher

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