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Ostkreis Fatness, Fitness und die neuen Regeln
Landkreis Ostkreis Fatness, Fitness und die neuen Regeln
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20:59 13.05.2020
Beim Training im Studio müssen die Sportler anderthalb Meter Abstand halten. Dominic Kipnowski (von links), Kevin Britschok und Betül Sonay - allesamt Mitarbeiter von MC Shape - zeigen, wie das geht. Quelle: Florian Lerchbacher
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Stadtallendorf

Seit einigen Wochen haben die Fitnessstudios zwangsweise geschlossen, und die Mitglieder müssen sehen, wie sie mehr oder weniger in Form bleiben.

Das ein oder andere Corona-Kilo hat sich allerdings angesammelt. Kein Wunder, sagt Sascha Mößinger: Denn zwischen Bett und Couch zu trainieren, sei nicht so einfach, weil die Verlockung zu groß ist, einfach mal Pause zu machen oder sich dann eben doch mit anderen Dingen zu vergnügen.

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Der Geschäftsführer des MC Shape Stadtallendorf hat im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt, welche Vorgaben bei der ab Freitag, 15. Mai, möglichen Wiedereröffnung der Studios zu beachten sind, und exemplarisch erläutert, wie sich seine Einrichtung auf die Rückkehr der Mitglieder vorbereitet.

Ein Hygienekonzept hat er schon seit rund vier Wochen in der Schublade liegen, entsprechend sei es verhältnismäßig leichtgefallen, in relativ kurzer Zeit die notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Und Mößinger hat eine klare Haltung: lieber zu viel als zu wenig für die gesundheitliche Sicherheit der Kunden, aber auch der Mitarbeiter unternehmen.

Betreiber erwartet keinen großen Andrang

Das beginnt damit, dass er die rund 1.800 Quadratmeter große Anlage von maximal 50 Mitgliedern betreten lässt. Zulässig wären, um den Mindestabstand von anderthalb Metern zwischen den Trainierenden einhalten zu können, mehr – aber sicher ist sicher, meint er. Vorteil für die Mitglieder des MC Shape:

Sie können sich über eine hauseigene App informieren, wie viele Sportler sich gerade auf der Anlage aufhalten, und müssen nicht auf gut Glück zum Fitnessstudio fahren und dort gegebenenfalls warten, bis wieder Platz ist. „Ich glaube allerdings nicht, dass der Andrang in den nächsten Tagen groß sein wird. Die Menschen sind doch eher vorsichtig“, sagt Mößinger.

Umkleiden im Studio nicht erwünscht

Im Studio an sich laufen derzeit die Vorbereitungen. Jedes Mitglied bekommt die neuen Richtlinien zugeschickt, außerdem liegen und hängen die Vorschriften und Vorgaben zu den Verhaltensweisen sowohl am Eingang aus als auch überall rund um die Geräte.

Hinzu kommt, dass MC Shape eine Spezialfirma beauftragt hat, die die Trainingsräume – zusätzlich zur täglichen Grundreinigung – im Vorfeld noch einmal reinigt und desinfiziert und, so Mößinger, eine Art virenabweisenden Klarlack auf die Geräte aufbringt: „Je nach Entwicklung könnte es sein, dass wir das einmal pro Woche machen lassen.“

Wer trainieren möchte, muss bereits in Sportklamotten ins Studio kommen. Die Umkleiden sind zwar nicht gesperrt, werden aber ihrem Namen nicht mehr gerecht.

Geräte werden weiter auseinandergestellt

Damit niemand in Versuchung kommt, hat Mößinger die Bänke wegräumen lassen und die meisten der Spinde mit Flatterband gesperrt. Nur ein Teil bleibt für Wertgegenstände nutzbar. Und auch die Duschen und die Sauna sind versperrt – deren Nutzung hat das Land Hessen strikt verboten. Die Toiletten sind aber natürlich nutzbar und werden auch mit reichlich Seife ausgestattet.

Einige Geräte müssen noch umgestellt werden, damit die Sportler den Mindestabstand wahren können. Einige wenige dürfen nicht genutzt werden, weil sich dort anderthalb Meter nicht realisieren lassen. Im Cardiobereich darf beispielsweise nur jedes zweite Gerät verwendet werden. Und wer an einem Gerät aktiv war, muss anschließend die Griffflächen mit bereitgestelltem Desinfektionsmittel reinigen.

„Spotten“ verboten

Einen gesonderten Bereich für Zirkeltraining dürfen maximal drei Sportler nutzen. Und Kurse sollen auch stattfinden – allerdings nicht jene mit hoher Intensität wie zum Beispiel Spinning. Es soll sozusagen verhindert werden, dass Schweiß oder Spucke fliegen. Aber auch die Teilnehmerzahl bei Kursen wie Body Balance oder Rückenfit wird auf acht bis zehn Teilnehmer begrenzt.

Wer an die Geräte geht und eigentlich einen (oder mehrere) Trainingspartner hat, muss sich umstellen, da Training nur alleine erlaubt ist. Das sogenannte „Spotten“, also das Absichern des Trainingspartners beim Pumpen mit hohen Gewichten, ist entsprechend nicht möglich. Eine zeitliche Begrenzung, wie lange Sportler sich im Fitnessstudio aufhalten dürfen, gibt es nicht.

Mundschutz nicht verpflichtend

Die meisten werden aber weitaus kürzer da sein als sonst, ist sich Mößinger sicher: Denn eigentlich sei auch der soziale Aspekt im Studio sehr wichtig – das Unterhalten zwischen den Übungen, der Austausch am Tresen oder in der Umkleide oder das Entspannen in der Sauna. Alle diese kleinen Verlockungen wird es nicht geben.

Mundschutz müssen weder Sportler noch die Mitarbeiter der Fitnessstudios tragen. Es liegen aber welche bereit, betont Mößinger. Es könne schließlich sein, dass jemand eine Beratung wünscht und sich sicherer fühlt, wenn das Gegenüber einen Mundschutz trägt.

An Stellen, an denen sich die Menschen gegenüberstehen – zum Beispiel am Tresen – lässt er noch (mit Hilfe der Nachbarfirma erstellte) Spuckschutze anbringen. Außerdem liegen auch Einmalhandschuhe für alle bereit, die diese beim Training nutzen wollen.

Keine eigenen Handschuhe mitbringen

Mitglieder sollten darauf verzichten, ihre eigenen (wiederverwendbaren) Handschuhe mitzubringen, betont Mößinger. Dies entspreche einer Empfehlung des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit und des Robert-Koch-Instituts.

Auf jeden Fall sollen sich Sportler vor und nach dem Training intensiv die Hände waschen und, wie immer, bei den Übungen ein ausreichend großes Handtuch als Unterlage nutzen. Und wer Anzeichen einer Erkrankung zeigt, dem wird selbstverständlich der Zutritt zum Studio verwehrt.

„Wir sind natürlich froh, dass wir endlich wieder aufmachen dürfen“, sagt Mößinger. Zwar hätten er und seine Mitarbeiter auch während des Lockdowns versucht, den Kontakt zu den rund 2.000 Mitgliedern zu halten (beispielsweise durch Online-Angebote), doch es sei natürlich etwas ganz anderes, ihnen direkt gegenüberzustehen und sie im Studio begrüßen zu können.

Viele Mitglieder zeigen sich solidarisch

Er freut sich aber vor allem über die große Solidarität: Die meisten Mitglieder hätten darauf verzichtet, sich ihre Beiträge während der Schließungszeit zurückbuchen zu lassen. Sie seien viel eher bereit, die „verlorene Zeit“ am Ende ihrer Verträge hinten dranzuhängen oder den Geldwert in Verzehrgutscheinen ersetzt zu bekommen. Das habe ihm sehr geholfen: „Das hat mir größeren Druck erspart und ich musste keine Mitarbeiter entlassen“, freut sich der Geschäftsführer.

Am Freitag um 9 Uhr geht der Betrieb wieder los. Die Vorfreude bei Mößinger ist groß – aber wahrscheinlich auch bei vielen Mitgliedern, die sich (wieder) in Form bringen wollen. Ganz wichtig ist: Auch beim Training ist das Abstandhalten essenziell. Mößinger glaubt aber nicht, dass dies den Sportlern Schwierigkeiten bereitet: „Die Menschen sind sensibilisiert. Und viele Vorschriften kennen sie ja beispielsweise schon aus Supermärkten.“

Von Florian Lerchbacher

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