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Ostkreis Ein „Ziehsohn“ fürs Familiengeschäft
Landkreis Ostkreis Ein „Ziehsohn“ fürs Familiengeschäft
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18:51 19.10.2019
Inhaber Dirk Wolf (rechts) hat die Leitung des Gasthaus „Zur Sonne“ an Claudio Finck abgegeben. Quelle: Tobias Hirsch
Kirchhain

Hinter Dirk Wolf liegen anstrengende Monate. Seit langer Zeit sucht er einen Nachfolger für das Gasthaus „Zur Sonne“, das seine Familie seit 1791 in Kirchhain betreibt. Im vergangenen Jahr wähnte er sich schon im Glück. Doch der Interessent bekam nicht genug Geld zusammen, um das Traditionshaus zu kaufen. Blöd für Wolf: Zu dem Zeitpunkt hatte der 56-Jährige schon seinen neuen Job als Küchenleiter im Altenpflegezentrum Rauschenberg angefangen.

Dem gelernten Koch blieb nichts anderes übrig, als Doppelschichten zu fahren. Tagsüber stand er in der Altenpflege am Herd, abends im Gasthaus hinter der Theke. Da er keinen neuen Käufer fand, entschloss sich Wolf das Haus mit Hotel und Restaurant zu verpachten. Mit Claudio Finck hat er jetzt einen Nachfolger gefunden. Der gebürtige Kirchhainer hat das Gasthaus „Zur Sonne“ zum 1. Oktober übernommen. „Bei ihm wissen wir das Haus in guten Händen“, ist sich Dirk Wolf sicher.

Zuletzt zapfte Finck im „ZaK“, der Kneipe „Zum alten Kino“ in Kirchhain. Fünf Jahre lang betrieb er die Gaststätte. Dass der gelernte Großhandelskaufmann in der Gastronomie landete, bezeichnet er rückblickend als „dummen Zufall“. Das „Zak“ sei eine Kneipe gewesen, in die er immer selbst gerne gegangen sei. Als die Gaststätte seinerzeit geschlossen wurde, entschied sich Finck hinter den Tresen zu wechseln. Zuvor leitete er Getränkemärkte in Stadtallendorf und Wetter.

Nun wagt er den nächsten Schritt. Für fünf Jahre hat er das Gasthaus „Zur Sonne“ von den Wolfs gepachtet. Insbesondere das Hotelgeschäft ist ein 24-Stunden-Job, sagt Finck. Wie hart der neue Job sein kann, merkte er schon am ersten Tag. Am 30. September schloss er um Mitternacht das „ZaK“ zu, am 1. Oktober stand er um 5.30 Uhr zum Frühstück in seinem neuen Laden.

Der Gastronom ist deshalb umso glücklicher, dass ihm vor allem zwei Menschen zur Seite stehen. Zum einen Hausdame Kerstin Theis, die seit 22 Jahren dort arbeitet und zugleich seine Cousine ist, zum anderen Tatjana Wolf, Frau von Inhaber Dirk, die Finck bis Jahresende angestellt hat und die das Hotel weiterführen soll.

Viel verändern will Claudio Finck deshalb vorerst nicht. Es solle auch zukünftig „gutbürgerliche Küche“ im Gasthaus geben. Allein vom Abendessen könne er aber nicht leben. Deshalb will er Fernseher montieren und auch ausgewählte Fußballspiele zeigen. Viele Gäste hat er aus dem „ZaK“ mitgenommen, andere von den Wolfs übernommen. Fincks Ziel ist es, „Jung und Alt zu verbinden“.

Was unterdessen aus dem „ZaK“ wird, ist noch unklar. Patrizia Lonetti, Frau von Inhaber Pino, sagte auf OP-Anfrage, dass die Zukunft der Kneipe noch ­offen sei.

von Tobias Kunz