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Ostkreis Christina Schindler ist das Herz des „Cafe am Markt“
Landkreis Ostkreis Christina Schindler ist das Herz des „Cafe am Markt“
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09:55 06.08.2020
Christina Schindler arbeitet seit 40 Jahren im „Cafe am Markt" in Stadtallendorf, das sie auch seit 17 Jahren leitet. Quelle: privat
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Stadtallendorf

14 563 Tage – so lange war es am Dienstag her, dass Christina Schindler – damals noch Gebhard – ins Arbeitsleben einstieg: Sie absolvierte eine Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin im elterlichen Betrieb – der ehemaligen Bäckerei Gebhard. „In diesem Jahr lernte sie auch ihren späteren Ehemann Volker Schindler kennen“, sagt der lachend, als er für das 40-jährige Jubiläum und diesen Überraschungs-Artikel für seine Frau zurückblickt.

Für ihn steht fest: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen Menschen kennengelernt, der mit so viel Leidenschaft, Engagement, Lust und Freude – häufig bis zur Erschöpfung und manchmal bis zur Selbstaufgabe – in seiner Arbeit aufgegangen ist“, lobt er – er könne das als Ehemann durchaus beurteilen. Seine Frau habe in den vergangenen Jahrzehnten an einer Idee gearbeitet, „nämlich das ,Cafe am Markt’ zu dem zu machen, was es heute ist: Einen Ort, an dem man gerne verweilt und an den man gerne zurückkehrt“.

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Passion zeichnete sich früh ab

1980 entstand die damalige Stadtmitte in Stadtallendorf neu – der elterliche Betrieb war schon dort, das Café wurde kurze Zeit später gebaut. „Christina hat ihre Lehre beendet und ist als Mitarbeiterin hauptsächlich im Café eingestiegen“, erinnert sich Volker Schindler. Zwar habe sie auch immer mal in den anderen Filialen der Bäckerei gearbeitet, „aber das Café war von Anfang an genau ihr Ding“.

In letzter Konsequenz hat sie es 2003 dann auch von ihrer Mutter übernommen – zunächst gemeinsam mit ihrer Schwester, später dann als alleinige Leiterin. „Die Wochen, in denen sie krank war, kann man an einer Hand abzählen“, sagt Volker Schindler. Zweimal habe sie sich den Knöchel gebrochen, „sonst gab es nichts. Am liebsten hätte sie manchmal auch ein Bett im Café“, erzählt er lachend.

Beharrlichkeit führt zu Erfolg

Nur der Beharrlichkeit der Jubilarin ist es auch zu verdanken, dass es das „Cafe am Markt“ überhaupt noch gibt. Denn: Die Stadtallendorfer Fußgängerzone, bis vor wenigen Jahren Anziehungspunkt in der zweitgrößten Stadt des Landkreises, „ist ja kaum noch existent“. Die Zeit des Einzelhandels sei dort vorbei.

„In 2014, als der Busbahnhof und später das neue Einkaufszentrum entstanden, wollten wir das Café eigentlich schließen“, erzählt Volker Schindler. Die Bestrebungen seien schon sehr weit gewesen, „wir haben ein Gutachten anfertigen lassen, was wir denn beispielsweise als Pacht oder Verkaufspreis erzielen konnten“, so Schindler. Der Sachverständige habe als Schlusssatz geschrieben, dass die Stadt den Café-Betreibern quasi den roten Teppich ausrollen müsse – denn letztlich sorge das Café dafür, dass der Marktplatz seinen Marktplatzcharakter erhalte.

Volker Schindler hatte seiner Christina sogar schon einen neuen Job besorgt – die Schließung schien entschieden. Aber die emotionale Bindung zu ihrem Café war für Christina Schindler zu stark, „jeden Tag haben wir aufs Neue überlegt – ihr Biss, es doch zu schaffen, hat dazu geführt, dass wir es noch einmal probiert haben“.

Kerngeschäft wurde erweitert

Der wirtschaftliche Erfolg kam zurück – und nicht nur das habe seine Frau motiviert. „Wenn die Kunden wiederkommen, ist das der größte Ansporn für Christina“, erzählt Volker Schindler mit Stolz.

Doch was war die Lösung? Etwa Trauerfeiern, bei denen das Café nicht nur Kaffee und Kuchen anbietet, sondern auch Räume organisiert. „Diesen Bereich haben wir ausgebaut, haben einen Flyer entworfen – das ist wirtschaftlich gewachsen.“ Und: Das Außer-Haus-Geschäft wurde auch durch Catering weiter ausgebaut. Brötchen und Schnittchen für Firmen, Kanapees für private Feiern, „wir sind ein Stück weit von unserem Kerngeschäft Gastronomie im Café abgerückt und sind nach außen gegangen“, erläutert Volker Schindler. Das habe zum Turnaround geführt, „und in der Folge sind wir wieder bekannter geworden, dass mehr Menschen ins Café kamen“. Seine Frau sei inzwischen „in Stadtallendorf bekannt wie ein bunter Hund“. Und: Die Beiden hätten nie wieder darüber nachgedacht, aufzuhören.

Ein Glück – denn sonst gäbe es diese Bereicherung in der Stadtmitte in dieser Form wohl nicht mehr.

Von Andreas Schmidt

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