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Ostkreis „Wir sind es einfach leid“
Landkreis Ostkreis „Wir sind es einfach leid“
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16:19 11.08.2021
Ein Auto fährt über ein tieferes Schlagloch in der Auestraße, der Landesstraße 3073 in Halsdorf.
Ein Auto fährt über ein tieferes Schlagloch in der Auestraße, der Landesstraße 3073 in Halsdorf. Quelle: Foto: Michael Rinde
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Halsdorf

Es gibt einen laut hörbaren Schlag, als an diesem Tag ein Lastzug über eine Bodenwelle in der Auestraße, der Ortsdurchfahrt von Halsdorf fährt. Offenbar ist der Lastzug in diesem Augenblick nicht oder nur zu einem Teil beladen. Eine Achse ist hochgeschraubt.

Carola Edinger und ihr Lebensgefährte Stefan Kraus wohnen nur wenige Meter neben der Straße. „Wir sind es einfach leid“, sagt Edinger beim Gespräch mit der OP an einem Nachmittag unter der Woche. Sie meint den Verkehrslärm und auch viele zu schnell fahrende Autos wie Lastwagen und das am Tag und in der Nacht. Seit Jahrzehnten wohnt Carola Edinger an der Landesstraße. Der Verkehr habe ständig zugenommen und die Ortsdurchfahrt sei davon natürlich nicht besser geworden. Gemeint ist der Straßenzustand. In der Tat gibt es, aus Richtung Kreisverkehr kommend, einige grobe Schlaglöcher in beiden Fahrtrichtungen. Sind es nach den Beobachtungen der Anwohner unter der Woche vor allem durchfahrende Lastwagen, die für Lärm sorgen, dann sind es an den Wochenenden Ausflügler, die in Richtung Frankenberg und Edersee unterwegs sind – oder abends von dort zurückkommen. „Und die halten sich häufig nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 Stundenkilometern“, so die Beobachtung von Stefan Kraus.

Alle Anwohner sind mit im Boot

Carola Edinger reichte es irgendwann einfach endgültig. Sie fürchtet, dass es zu einem schweren Unfall mit Verletzten oder gar Toten kommen könnte. Denn an der Auestraße lebten auch viele Familien mit kleinen Kindern und ältere Menschen. Um diese schwächsten Verkehrsteilnehmer sorgt sie sich besonders. Sie hofft auf regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen, um der Raser Herr zu werden. Und sie hofft, dass sich die zuständigen Behörden bewegen und die Situation entschärfen und nachhaltig verbessern.

Als Erstes wandte sich Edinger an die Gemeinde und Bürgermeister Heiko Dawedeit. Doch die Gemeinde Wohratal selbst ist aus ihrer Sicht ohne große Einflussmöglichkeiten, da es sich bei der Auestraße um eine sogenannte qualifizierte Straße handelt, die Landesstraße 3073.

Zunächst sammelte Carola Edinger Unterschriften, um Unterstützung zu bekommen. Das lief problemlos aus ihrer Sicht. „Denn die Anwohner der Auestraße haben allesamt unterschrieben“, berichtet sie der OP stolz. Sie überreichte die 40 Unterschriften an die Gemeinde mit der Bitte, sie weiterzugeben. Gleichzeitig suchte Edinger selbst den Kontakt mit den Fachbehörden. Das war zunächst Hessen Mobil als Straßenbauverwaltung. Von dort bekam sie das Signal, dass dort vorgesehen ist, die Landesstraße im Abschnitt Halsdorf früher zu sanieren als ursprünglich mal vorgesehen. Es solle jetzt vor dem Jahr 2025 geschehen, habe man ihr zugesichert.

Auch mit der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises nahm sie Kontakt auf. Dort ging es ihr um ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, zumindest bis zu einer Sanierung der Fahrbahnen. Jetzt will sie sich auch noch an die Polizeibehörden wenden, um dort für mehr Geschwindigkeitskontrollen zu werben. Ausdrücklich lobt die Halsdorferin die Reaktionen beider Behörden. „Ich habe mich dort ernstgenommen gefühlt und man hat sich Zeit für mein Problem genommen“, sagt sie.

Behörde prüft ein Tempolimit

Die OP fragte nach. Bei der Straßenverkehrsbehörde werde derzeit der Zustand der Fahrbahn gemeinsam mit Hessen Mobil geprüft. Diese Prüfung dauere noch an. Danach solle die Situation bewertet werden, erklärt Stephan Schienbein, der Pressesprecher der Kreisverwaltung. „Eine Konsequenz könnte bei entsprechenden Ergebnissen Tempo 30 sein“, sagt Schienbein, betont dabei angesichts noch offener Analyse den Konjunktiv, um keine falschen Hoffnungen zu wecken. Hessen-Mobil-Sprecherin Sonja Lecher erläutert, dass die Auestraße, also die Landesstraße 3073 im Abschnitt Halsdorf, wohl in der Tat vor dem Jahr 2025 saniert werden wird, ein Datum dafür nennt Lecher zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht. Das hessische Verkehrsministerium hat seine „Sanierungsoffensive“ für Landesstraßen fortgeschrieben, mit dem der Sanierungsstau bei Landesstraßen aufgelöst werden soll. „Hessenweit 465 neue Sanierungsmaßnahmen wurden dabei als vordringlich identifiziert. Darunter auch die grundhafte Erneuerung der L 3073 in der Ortsdurchfahrt von Wohratal-Halsdorf“, berichtet Sonja Lecher. Die Finanzierung sei damit also sichergestellt. Der Zustand der Landesstraße werde permanent von der Straßenmeisterei überprüft, grobe Schäden sofort beseitigt, sagt die Hessen-Mobil-Sprecherin aus Marburg. Es tut sich also in jedem Fall etwas in Sachen Auestraße. Carola Edinger will nicht lockerlassen und mahnen und mit den Behörden im Gespräch bleiben.

Von Michael Rinde