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Ostkreis Der große Plan für die Hessen-Kaserne fehlt
Landkreis Ostkreis Der große Plan für die Hessen-Kaserne fehlt
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10:00 10.05.2022
Dieses Bild von einem früheren Gebäude des Panzerbataillons 143 entstand im Jahr 2019.
Dieses Bild von einem früheren Gebäude des Panzerbataillons 143 entstand im Jahr 2019. Quelle: Michael Rinde
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Stadtallendorf

Seitens der Bundeswehr liegt die Hessen-Kaserne mittlerweile vollständig brach. In den vergangenen Jahren hatte die Division Schnelle Kräfte noch einzelne Unterkunftsgebäude in der Kaserne genutzt. Das war ohnehin nur mit massiven Einschränkungen möglich. Aus Brandschutzgründen war es nur gestattet, Räume in den unteren Etagen dieser einstigen Unterkünfte zu nutzen. Nachdem das Heizkraftwerk der Kaserne endgültig außer Betrieb ging, war das Heizen nur noch mit eigens bereitgestellten Heizcontainern möglich.

Gebäude sind „entmöbliert“

Inzwischen seien die Gebäude „entmöbliert“, erklärt ein Sprecher der Division nun auf Nachfrage der OP. Und es sieht auch nicht danach aus, dass sich das in absehbarer Zeit wieder ändert.

Leer ist die Kaserne allerdings doch nicht ganz. Wie die OP berichtete, sind im früheren Technikbereich Unterkunftscontainer für Arbeiter der A49-Baustellen aufgestellt worden und werden genutzt. Außerdem nutzt die Bau-Arbeitsgemeinschaft Flächen in der früheren Kaserne für das Zwischenlagern von Bodenmaterial. All das wird auch bis etwa Herbst 2024 ganz oder teilweise so bleiben. Der Bund hat die Flächen vermietet.

Hessen-Kaserne: Ein Baum wächst aus dem Schornstein einer Halle Quelle: Michael Rinde

Doch was wird nun ab wann mit der Hessen-Kaserne? Ein Blick zurück: Ende August 2019 hatte der damalige Staatssekretär Peter Tauber (CDU) in Stadtallendorf verkündet, dass die Hessen-Kaserne wieder gebraucht wird und reaktiviert werden soll. Rund 100 Millionen Euro, so die damalige Aussage, sollten dafür fließen. Nur kurze Zeit später erhöhten sich die Zahlen, dann war bereits von einem Bedarf von rund 160 Millionen Euro die Rede. Klar ist, dass alle alten Kasernengebäude abgerissen werden müssen. Außerdem muss der Bund in die Kanäle investieren, die Versorgungsleitungen sind komplett zu erneuern. Doch im Augenblick geschieht nach außen wenig bis nichts in Sachen „Zukunft der Hessen-Kaserne“. Zuletzt hatte der scheidende Divisionskommandeur Generalmajor Andreas Hannemann erläutert, dass Fortschritte in der Sache an einer Entscheidung hängen. Es geht um die Gretchenfrage, welche Verbände in der Zukunft genau in der Hessen-Kaserne stationiert werden sollen. Denn danach richtet sich die komplette weitere Planung für das Areal. Auch die Frage, ob das gesamte Gelände der einstigen „Panzer-Kaserne“ gebraucht wird, ist erst dann zu beantworten.

Eindeutiges Bekenntnis

Die OP hakte zunächst im Bundesverteidigungsministerium nach, das die Anfrage dann an das Bonner Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr weitergab. Von dort gibt es inhaltlich weiterhin keine Neuigkeiten. „Konkrete Planungen für eine Entscheidung zur Stationierung von Einheiten oder Verbänden der Bundeswehr in Stadtallendorf, die für eine Folgenutzung der Hessen-Kaserne in Betracht kämen, liegen bislang nicht vor“, heißt es von der Behörde.

Es gibt laut einem Behördensprecher aktuell auch noch keinen Termin dafür, wann diese Entscheidung fällt. Gleiches gilt für einen generellen Zeitplan für die Reaktivierung. Mit Blick auf die Wiederbelebung der Hessen-Kaserne heißt es derzeit also „still ruht der See“.

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Aber: Aus Bonn kommt ein eindeutiges Bekenntnis zur geplanten Reaktivierung. „Die Hessen-Kaserne ist unverändert auch weiterhin zur Aufnahme von Kräften dieser Organisationsbereiche vorgesehen“, erklärt ein Sprecher des Bundesamts. Er greift auch frühere Ankündigungen noch einmal auf, dass Einheiten oder Verbände des Heeres und des Sanitätsdienstes für die Kaserne grundsätzlich vorgesehen seien. Es gibt eben nur noch keine Festlegungen, welche Einheiten genau dort stationiert werden – und was sie in der Kaserne an Gebäuden brauchen werden.

Die Hessen-Kaserne

Seit Anfang des Jahrtausends wird die Hessen-Kaserne eigentlich nicht mehr genutzt. Letzter großer Akt war die Auflösung des dort stationierten Panzerbataillons 143 mit einem Zapfenstreich.

Als letzte Einheit verließ dann die ZAW-Betreuungsstelle die Kaserne. Damit stand die 1959 eingeweihte, etwa 30 Hektar große Kaserne dann leer.

2016 wurden einzelne Kasernengebäude mit Millionenaufwand für eine Erstaufnahmeeinrichtung hergerichtet. Die bestand allerdings nur kurze Zeit.

Von Michael Rinde