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Ostkreis Ausgezeichnet!
Landkreis Ostkreis Ausgezeichnet!
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11:56 08.07.2020
Herbert Fischer – hier mit Ehefrau Lucia und Hund Luna vor den Rosen, deren Zucht das neueste Hobby der Eheleute ist – ist der neues Träger des Bundesverdienstordens im Landkreis. Quelle: Florian Lerchbacher
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Amöneburg

Er ist Ehrenortsvorsteher, Träger des Ehrenbriefs des Landes Hessen, Ehrenmitglied des TSV Amöneburg und wurde vom Hessischen Kultusministerium für sein langjähriges und umfangreiches Engagement in der Grundschule und der Stiftsschule sowie der Elternarbeit in Hessen ausgezeichnet.

Und nun kommt eine weitere Auszeichnung hinzu: Herbert Fischer wird der Bundesverdienstorden verliehen. Genauer gesagt wurde er bereits verliehen, auch wenn er noch nicht wirklich verliehen wurde – was zwar komisch klingt, aber tatsächlich der Fall ist, wie Michael Schaich, Pressesprecher des Innenministerium erklärt:

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Den Orden trägt Fischer zwar noch nicht am Revers – die Übergabe verhinderte die Corona-Pandemie. Doch dadurch, dass der 71-Jährige bereits die Unterlagen erhalten habe, gelte der Verdienstorden eben als verliehen. Bekommen hat Fischer die Auszeichnung für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement.

Ein Auszug gefällig? Herbert Fischer war Stadtverordneter, Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, Erster Stadtrat – und in dieser Zeit sogar nach der Abwahl von Anders Arendt ein Jahr lang kommissarischer Bürgermeister –, Gründer und Vorsitzender der Gemeinschaftsliste Amöneburg und Ortsvorsteher.

Er nahm nie ein Blatt vor den Mund

So viel zur Politik. Hinzu kommt, dass er unter anderem Schiedsrichter, Gründungsmitglied des Schäferhundevereins Schwabendorf, Leichtathletiktrainer, Gründer und Trainer einer Männersportgruppe, Vorsitzender des Fördervereins Stiftskirche, Mitinitiator des Baus der Turnhalle der Grundschule, Elternvertreter und Berater beim Hessischen Städte- und Gemeindebund in Sachen „gefährliche Hunde“ war, beziehungsweise teilweise sogar noch ist.

Das Besondere an Fischer: Er nahm nie ein Blatt vor dem Mund, scheute keine Auseinandersetzung und klemmte sich so lange hinter Projekte, bis sie zu seiner Zufriedenheit – und die war schwer zu erlangen – erledigt waren.

Umso ulkiger klingt es nun, wenn der Charakterkopf von sich sagt: „Ich bin ruhiger und kompromissbereiter geworden.“ Oder vielleicht altersmilde? „Das weise ich weit von mir“, antwortet der 71-Jährige auf die scherzhafte Frage – und lässt sich auch durch das Ansprechen von Reizthemen nicht, beziehungsweise kaum, aus der Ruhe bringen.

Trainieren für Erfüllung eines Traums

Wo ihm früher die Hutschnur hochgegangen wäre, sagt er heute maximal kurz seine Meinung, um dann über andere Dinge zu sprechen, die ihm inzwischen viel wichtiger sind als beispielsweise die Kommunalpolitik:Die Rosen, die er gemeinsam mit seiner Frau Lucia züchtet und pflegt, ihre gemeinsamen Kinder, die ihm noch wichtiger sind als früher, und vor allem das Wandern, für das er eine Leidenschaft entdeckt hat.

Sein Traum ist, die Alpen per pedes zu überqueren – ein Wunsch, der angesichts eines Geburtstagsgeschenkes in Erfüllung gehen wird. Dafür trainieren die Eheleute Fischer auch brav jedes Wochenende. Er genieße dabei die herrliche Natur und vor allem die Ruhe – und freut sich, dass er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen könne: „Auf einmal setzt man andere Schwerpunkte und manche Dinge sind einfach nicht mehr so wichtig.“

„Ich komme viel mehr ins Grübeln“

Nicht, dass er früher keine Zeit für die Familie gehabt habe, aber es sei eben doch etwas anderes, wenn man beispielsweise mit seiner Frau beim Wandern sich viele Stunden austauschen könne oder mit seinem Sohn (die Eheleute haben zwei Töchter, einen Sohn und inzwischen zwei Enkel) über Wochen ein Haus renoviere: „Das Zusammenleben ändert sich. Ich habe mehr Zeit zuzuhören, kann meiner Familie mehr Aufmerksamkeit schenken und komme viel mehr ins Grübeln“, sagt Herbert Fischer.

Und hätte er früher auf die Frage, was ihm am Herzen liegt, etwas gesagt wie: „Die Sanierung der Treppe zum Burgcafé“ (eine lange und konsequent bis zur Umsetzung verfolgtes Projekt“, so antwortet er heute „Familie und gute Freunde“ – die ein wertvolles Geschenk seien, dessen man sich immer bewusst sein sollte.

„Familienmensch in mir hat sich durchgesetzt“

Bereut hat Fischer sein langjähriges und vielfältiges Engagement aber nicht: „Das war eine geile Zeit. Ich habe nichts verpasst, sondern sehr viel gelernt und zahlreiche Kontakte geknüpft.“ Noch dazu habe er eben Einfluss nehmen können auf das Leben seiner Familie, aber auch das Leben in Amöneburg.

„Wir können unseren Teil einbringen, aber eben nicht die Welt retten“, wirft seine Ehefrau Lucia ein – und spricht ihm aus dem Herzen. Um die Kommunalpolitik sollten sich andere, vor allem jüngere Menschen kümmern. Entsprechend kann er sich auch nicht vorstellen, trotz einiger an ihn herangetragener Bitten, noch einmal für den Ortsbeirat zu kandidieren: „Die Zeit ist vorbei. Der Familienmensch in mir hat sich voll durchgesetzt. Und mit ein bisschen Abstand muss ich sagen: Manche Dinge hätte ich einfacher erreichen können, wenn ich es anders gemacht hätte.“

Vor vier Jahren, als er sein Engagement beendete, hatte er noch gesagt: „Wenn man in der Politik etwas gestalten und etwas erreichen will, muss man auch die Bereitschaft mitbringen, Konflikte auszutragen. (...) Mancher Streit war zwar nicht nötig – aber so bekam das Thema wenigstens Aufmerksamkeit.“ Das klingt heute etwas anders als damals – aber Herbert Fischer ist eben ruhiger geworden. Und kompromissbereiter.

Von Florian Lerchbacher

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