Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Was wird aus Kirchhains Marktplatz?
Landkreis Ostkreis Was wird aus Kirchhains Marktplatz?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:36 21.02.2022
Der Marktplatz in Kirchhain.
Der Marktplatz in Kirchhain. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Kirchhain

Wird die Idee, Kirchhains Marktplatz ein weiteres Mal umzugestalten und dann für Fahrzeuge komplett zu sperren, Realität? Noch sind es Überlegungen für das künftige Entwicklungskonzept. Doch schon jetzt formiert sich heftiger Widerstand von Einzelhändlern, ihren Kunden und von Anliegern des Marktplatzes. Die OP bat die drei Bürgermeisterkandidaten um eine Stellungnahme zu der Frage, ob der Marktplatz in Kirchhain autofrei werden soll. 

Was wird aus dem Marktplatz?

Olaf Hausmann (SPD): Kirchhain hat mit der Teilnahme am Förderprogramm „Lebendige Zentren“ die Chance, die Innenstadt zukunftsfest zu machen. In dem Gesamtkontext ist der Marktplatz ein zentraler Ort, dessen Belebung daher von großer Bedeutung ist. Die Frage ist nicht: Soll der Marktplatz autofrei sein, sondern wie können wir ihn attraktiver gestalten? Ich stelle mir unseren Marktplatz als zentralen Ort der Stadt vor: Mit mehr Grün, Wasser und natürlicher Beschattung. Mit der Möglichkeit für ältere Menschen, barrierefrei über einen Gehstreifen den Marktplatz passieren zu können, mit Kommunikationsplätzen und Treffpunkten, wo ich mich entspannt zum Plausch zusammensetzen kann.

Wo das gastronomische Angebot vielfältig ist, Dienstleister und Handel für ihre Kunden da sind. Wo man ungezwungen, ohne auf den Verkehr achten zu müssen, den Alltag und seine freie Zeit genießen kann. Wo Kinder Spiel- und Beschäftigungsoptionen finden.

All dies muss in einem Gesamtkonzept unter Berücksichtigung des Verkehrsentwicklungsplans und im Dialog mit den Gewerbetreibenden, Dienstleistern und allen anderen Nutzern geschehen. 

Holger Lesch (CDU): Der Marktplatz wurde vor einigen Jahren für viel Geld komplett umgestaltet. Eine große Freifläche für Veranstaltungen wurde geschaffen. Die gute Erreichbarkeit ist für Einzelhändler und Kunden gleichermaßen wichtig. Ein autofreier Marktplatz geht aber an den Bedürfnissen der Menschen vorbei. Fallen die Parkplätze am Marktplatz weg, werden sich Bürgerinnen und Bürger künftig gegen die Fahrt in die Innenstadt entscheiden und stattdessen Geschäfte an Orten ansteuern, welche mit dem Fahrzeug erreichbar sind.

So fallen weitere Kunden für die Innenstadt weg. Dies kann nicht im Sinne einer zukunftsfähigen Innenstadtentwicklung sein. Weil es in unserer Stadt und den Stadtteilen wesentlich wichtigere Punkte gibt, wo dringend gehandelt werden müsste (z.B. Straßen, Leerstände, Radwege usw.), ist die Umgestaltung des Marktplatzes dem Steuerzahler nur sehr schwer zu vermitteln.

Ich stehe für eine moderne Verkehrsentwicklung, statt Straßenverkehr zu verbieten. Oberste Priorität muss dabei die Belebung der Innenstadt haben, damit Kirchhain nicht nur Wohn-, sondern auch Einkaufsstadt bleibt.

Maximilian Schwetz (B90/Die Grünen): Ich würde mich als Bürgermeister an die Entscheidung des Parlaments zum Verkehrsentwicklungsplan halten. Darin wären dann auch mithilfe der Verwaltung verschiedene Varianten dazulegen, wie im Falle eines autofreien Marktplatzes die Verkehre geleitet werden können. Im Entscheidungsprozess will ich aber gerne die Erfahrungen aus anderen Kommunen einbringen, die mit solchen Schritten durchweg positive Erfahrungen gemacht haben. Als Beispiel wird hier häufig Homberg (Efze) genannt. Wenn der zentrale Ort wieder zum Verweilen einlädt, profitieren Bürgerinnen und Bürger wie Gewerbe durch mehr Publikumsverkehr gleichermaßen. 

Ich habe auch bereits mit Personen sprechen können, die die Schließung der Bahnhofstraße miterlebt haben. Die berichten über die gleichen Sorgen, wie sie heute für den Marktplatz vorgetragen werden. Aber wer hat sich jemals Autos zurück in die Fußgängerzone gewünscht?

Aus logischer, stadtplanerischer Sicht wäre dieser Schritt unumstritten. Es gilt also vielmehr, Bedenkenträger und -trägerinnen, Planer und Planerinnen und Entscheidungsträger und -trägerinnen in einen offenen Diskurs zu bringen.

Mehr Zum Thema

Mehr zur Bürgermeisterwahl in Kirchhain gibt es auf unserer Themenseite unter www.op-marburg.de/kirchhain

von Michael Rinde