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Ostkreis Rätselraten im Schlachthaus
Landkreis Ostkreis Rätselraten im Schlachthaus
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21:49 06.03.2022
Holger Lesch (links) gratuliert Olaf Hausmann. Maximilian Schwetz (Mitte) schaut zu.
Holger Lesch (links) gratuliert Olaf Hausmann. Maximilian Schwetz (Mitte) schaut zu. Quelle: Tobias Hirsch
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Kirchhain

Der Sozialdemokrat Olaf Hausmann bleibt Bürgermeister von Kirchhain. Das haben 12736 Wahlberechtigte am Sonntag (6. März) entschieden. 6537 davon haben sich allerdings dazu entschlossen, keine Stimme abzugeben. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 48.67 Prozent – zehn Prozent weniger, als bei der vergangenen Bürgermeisterwahl. „Die Wahlbeteiligung liegt unter dem, was ich mir gewünscht hätte. So eine geringe Beteiligung bei einer Wahl vor Ort ist ein bisschen bedenklich“, sagte Hausmann nach dem Bekanntwerden des vorläufigen Wahlergebnisses Sonntagabend.

Diese geringe Wahlbeteiligung zeichnete sich schon früh am Sonntag ab. „Es ging schon schleppend los und hat sich ab mittags auf sehr niedrigem Niveau eingependelt“, berichtete Wahlleiter Dirk Lossin von seiner morgentlichen Kontrolle in den Wahllokalen: „Bei einigen war ich der erste Besucher“.

Hausmann und seine beiden Herausforderer, der Christdemokrat Holger Lesch und Maximilian Schwetz von den Grünen, verfolgten die Ergebnisse mit ihren Familien und Parteifreunden während einer von der Stadtverwaltung organisierten internen Präsentation im Alten Schlachthaus unweit des Rathauses. Hausmann war der erste Kandidat, der dort eintraf. „Die Anspannung steigt – aber nur ein bisschen“, witzelte der Amtsinhaber an der Eingangstür, während er die Bändel seiner FFP2-Maske sortierte.

Kurz darauf traf Holger Lesch ein. Maximilian Schwetz war um viertel vor sechs der letzte Kandidat – und im Gegensatz zu Hausmann ohne Anspannung: „Ich bin nicht aufgeregt. Ich habe meine ja Arbeit schon getan: mit Menschen geredet und meine Themen vorgestellt. Jetzt kann ich eh nichts mehr machen“, sagte der 31-Jährige gelassen.

Bürgermeisterwahl Kirchhain. Olaf Hausmann verfolgt die einlaufenden Ergebnisse. Quelle: Tobias Hirsch

So gelassen und entspannt waren die folgenden 76 Minuten nach dem Schließen der Wahllokale dann doch nicht. Nach zehn von 22 Wahlbezirken ging ein Raunen durch den Saal: 46% für Hausmann, 45 Prozent für Lesch. So dicht zusammen lagen die Kontrahenten den ganzen Abend nicht. Sofort zückten die beiden Bürgermeisterkandidaten ihre Mobiltelefone, um nachzusehen, um welchen Wahlbezirk es sich bei dem eben ausgezählten handelte. Dies war auf der Leinwand im Schlachthaus nämlich nicht ersichtlich und sorgte zu Beginn der Veranstaltung für erheiterndes Rätselraten. Nach 20 ausgezählten Wahllokalen wurde es wieder spannend – nur diesmal ging es um eine mögliche Stichwahl. Hausmann stand, umringt von Freunden und Familie, an seinem Stehtisch und biss sich auf die Hand. Er lag bei 49,99 Prozent.

„Das war wirklich knapp“, sagte Holger Lesch nachdem Wahlleiter Dirk Lossin das vorläufige Endergebnis bekannt gegeben hatte. „Es ist an 670 Stimmen gescheitert. Eine Stichwahl hätte mich wirklich gefreut“. „Da sind wir unterschiedlicher Meinung“, hallte des vom Stehtisch des Amtsinhaber herüber. „Ich hätte mir ein besseres Ergebnis gewünscht“, sagte Hausmann mit Blick auf seine 50,93 Prozent. „Aber ich bin erleichtert, dass es keine Stichwahl gibt“.

Von Tobias Hirsch

06.03.2022
06.03.2022