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Ostkreis Innenstadt und Straßen kommen zuerst dran
Landkreis Ostkreis Innenstadt und Straßen kommen zuerst dran
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11:13 22.02.2022
Holger Lesch (CDU) will Bürgermeister in Kirchhain werden.
Holger Lesch (CDU) will Bürgermeister in Kirchhain werden. Quelle: Thorsten Richter
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Kirchhain

Holger Lesch (CDU) tritt bei der Bürgermeisterwahl in Kirchhain an. Im OP-Interview äußert er sich zu seinen Zielen im Falle seiner Wahl.

Was fehlt in Kirchhain am meisten?

Gute Straßen, eine gut belebte Innenstadt und Freizeitangebote für Familien, Jugendliche und Senioren. Hierbei denke ich zum Beispiel an Outdoor-Aktivitäten wie eine Halfpipe oder Kletterwände und interessante Treffs für Senioren sowie alle anderen Generationen. Wichtig ist, dass viele dieser Angebote in der Mitte der Kernstadt zu finden sind, denn dadurch wird unsere Innenstadt belebt und die Betriebe profitieren ebenfalls davon.

Welches dieser Themen packen Sie zuerst an, wenn Sie gewählt werden?

Zuerst möchte ich die Innenstadt, die Straßen und die Radwege sowie Freizeitangebote angehen. Natürlich habe ich immer auch die Stadtteile gleichberechtigt hierbei mit im Blick. Hierzu möchte ich mit allen Beteiligten ins Gespräch kommen, um die Ziele möglichst zügig umzusetzen.

In Kirchhain wird intensiv über Stadtentwicklung gesprochen. Muss sich bei der Verkehrs-führung was ändern?

Ja, die Verkehrsführung darf auf keinen Fall so bleiben, man muss die Verkehrsströme neu lenken. Hierzu gibt es bereits gute Vorschläge von der CDU zum Verkehrsentwicklungsplan. Ich bin allerdings gegen einen autofreien Marktplatz und werde auch nach neuen Lösungen für die Brießelstraße suchen, so ist das momentan eine Katastrophe. Der Schwerlastverkehr muss aus Kirchhain stärker herausgehalten werden. Probleme haben wir beim Verkehr aber übrigens auch in vielen Stadtteilen.

Wahlziele

Die Oberhessische Presse bat die drei Bürgermeisterkandidaten, ihre wichtigsten Wahlziele zu nennen.

Holger Lesch: Stärkung aller Generationen - Bildung eines Jugendparlamentes; Treffpunkte für alle Altersgruppen; Outdooraktivitäten; seniorengerechte Infrastruktur und Dienstleistungsangebote; mehr Freizeitangebote für alle; besseres Bürgerbusangebot; Vereinsförderung; gleichberechtigte Ortsteile - Gleichgewicht zwischen Dörfern und Kernstadt; Entscheidung/Mitsprache der Ortsbeiräte ausweiten; Förderung/Unterstützung von bereits bestehenden Betrieben; Neuansiedlung von Gewerbe und Handel in den Ortsteilen und der Kernstadt. Infrastruktur, Klimaschutz, Wirtschaft - Freibad erhalten; Straßensanierung; Verkehrsentwicklungsplan umsetzen; Ausbau E-Mobilität; Errichtung von Ladestationen; Radwegenetz im gesamten Stadtgebiet ausbauen und verbessern; barrierefreie Digitalisierung; Nahversorgung in den Ortsteilen.

Es wird viel über die Zukunft der Fußgängerzone geredet. Auch von Ihnen. Was muss passieren?

Die Fußgängerzone muss komplett neu gedacht werden. Es gibt jetzt zwar viele Diskussionen und es ist sicher schön, dass derzeit in Foren gesprochen und Bürger befragt werden, aber hier vermisse ich immer noch die richtigen intuitiven Ideen und Vorschläge. Ein Punkt ist kombiniertes Wohnen, Geschäfte und Wohnraum in einem Haus. Wichtig sind auch Treffpunkte für Senioren und Jugendliche mitten in der Stadt, nicht am Stadtrand.

Um dies umzusetzen, müssten auch die Immobilienbesitzer bereit zu Veränderungen sein. Das wird ein Geben und ein Nehmen, was sich aber letztendlich für jeden auszahlen wird. Davon bin ich überzeugt. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfen in unserer Innenstadt dabei keine Parkflächen aufgegeben werden. Wir sollten sogar daran denken, die Parkgebühren abzuschaffen, um die Innenstadt weiter zu stärken.

Kann sich Kirchhain eine Abschaffung der Parkgebühren denn leisten?

Das sollten wir finanziell stemmen können, das muss es uns im Sinne unserer Einzelhändler und ihrer Kunden auch wert sein.

Stichwort Planung. Wird in Kirchhain aus Ihrer Sicht zu viel geplant und zu wenig umgesetzt?

Definitiv. Das beste Beispiel ist das Freibad. Hier wurden rund 250 000 Euro in den Sand gesetzt. Leider gibt es zum Thema „Planungen und deren Umsetzungen“ im Moment keine Zahlen, was ich sehr bedauere. Eine Anfrage der CDU-Fraktion hierzu, sowie die Nachfrage zu den Planungskosten in den vergangenen drei Jahren, blieb in der letzten Stadtverordnetensitzung unbeantwortet. Die Antwort wurde uns für die nächste Sitzung im April angekündigt . . .

Sie stellen in Ihrem Wahlkampf bisher die Stadtteile in den Vordergrund. Kommen die Stadtteile in Kirchhain denn wirklich zu kurz?

In jedem Fall. Gesprochen und diskutiert wird vor allem über die Kernstadt. Auch in den Stadtteilen sind die Straßen in Teilen eine Katastrophe, oftmals hapert es an der Nahversorgung, die Jugendclubs (wo vorhanden) sind in sehr unterschiedlichen Zuständen, ortsansässige Firmen bekommen dort keine Flächen. Priorität haben in den Stadtteilen vor allem die Straßensanierung und die Schaffung von Wohn-, Bau- und Gewerbeflächen. Hier gibt es großen Bedarf.

Sie haben das Stichwort Nahversorgung in den Stadtteilen angesprochen. Was kann die Stadt dabei denn tun, sie kann Läden ja nicht herbeizaubern?

Auch da ist die Situation unterschiedlich. Man muss sehen, was die Orte möchten und benötigen, man muss auch bestehende Betriebe mit ins Boot nehmen. Ich werde alles in meiner Macht Stehende als Bürgermeister dafür tun, Ansiedlungen zu fördern und bestehende Betriebe zu unterstützen. Fakt ist, dass es da Nachholbedarfe gibt, die man anpacken muss. Wir werden alle älter und sollten ein Interesse dafür haben, dass auch im Alter die Grundversorgung vor Ort sichergestellt ist.

Die Klimawende ist ein Thema, das uns alle ständig bewegt. Was fördern Sie im Falle Ihrer Wahl? Mehr Windräder oder doch Solarparks? Oder keines von beiden?

Wir haben als Stadt Kirchhain schon heute eine sehr gute CO2-Bilanz. Momentan läuft eine neue Windkraftdiskussion in Emsdorf und Langenstein. Wir haben ausgewiesene Vorrangflächen für Photovoltaikanlagen auf städtischem Gebiet. Ich will mich dafür stark machen, dass vorrangig die heimischen Dächer für Photovoltaikanlagen herangezogen werden, bevor wir wertvolle Ackerflächen hierfür in Betracht ziehen. Hierbei ist mir die Einhaltung der im Jahr 2013 einstimmig festgelegten Vorrangflächen für Wind- und Solarenergie sehr wichtig. Ein weiterer Punkt ist die Elektromobilität, welche eine immer wichtigere Rolle zukünftig einnehmen wird.

Was wollen Sie in Sachen E-Mobilität konkret tun im Falle Ihrer Wahl?

In den Dörfern fehlen Ladesäulen, da muss wesentlich mehr passieren, damit E-Autos bei uns überhaupt sinnvoll betrieben und genutzt werden können. Auch in der Kernstadt gibt es aus meiner Sicht momentan zu wenig Lademöglichkeiten. Ich wünsche mir Ladesäulen an öffentlichen Gebäuden wie zum Beispiel Bürgerhäusern. Die Einrichtung von E-Carsharing ist ebenfalls eine weitere Möglichkeit.

Sie fordern einen Amtsinhaber heraus. Was wollen Sie besser machen als er?

Ich bin so wie ich bin. Ob das besser ist, muss jeder für sich entscheiden. Auf jeden Fall möchte ich den Menschen nahe sein. Ich möchte ein faires, freundliches Miteinander und Kontakt auf Augenhöhe, sowie eine Gleichbehandlung von Stadt und Stadtteilen.

Von Michael Rinde